29.06.2020 18:31

Berner Alpen

Berg steht im Kreuzfeuer wegen «rassistischem» Namen

Im Zuge der Antirassismusdemonstrationen ist auch die Diskussion über das Agassizhorn in den Berner Alpen neu entbrannt. Dieses ist nach einem Naturforscher und Rassisten benannt.

von
Denise Brechbühl
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Blick auf die Berner Alpen: Das Agassizhorn befindet sich im Jungfrau-Aletsch-Gebiet.

Blick auf die Berner Alpen: Das Agassizhorn befindet sich im Jungfrau-Aletsch-Gebiet.

KEYSTONE
Der Berg ist nach dem Glaziologen Louis Agassiz benannt. Der Schweizer gilt als Vordenker der Apartheid.

Der Berg ist nach dem Glaziologen Louis Agassiz benannt. Der Schweizer gilt als Vordenker der Apartheid.

Wikipedia/Jerem43
In einem Schreiben wird gefordert, dass der Berg nach dem Sklaven Renty in Rentyhorn umbennent wird. Bild: Die schweizerisch-haitianische Kuenstlerin Sasha Huber wirbt 2008 für die Umbenennung.

In einem Schreiben wird gefordert, dass der Berg nach dem Sklaven Renty in Rentyhorn umbennent wird. Bild: Die schweizerisch-haitianische Kuenstlerin Sasha Huber wirbt 2008 für die Umbenennung.

KEYSTONE

Darum gehts

  • Das Agassizhorn ist nach Louis Agassiz benannt, einem Naturfoscher und Rassisten.
  • Nun wird erneut die Umbenennung des Berges gefordert.
  • Er soll nach dem Sklaven Renty in Rentyhorn umbenannt werden.
  • Den Namensstreit gibt es seit 2007, nun ist er wegen der «Black Lives Matter»-Bewegung erneut entflammt.

Die «Black Lives Matter»-Bewegung hat Diskussionen über alles Mögliche entfacht: über Namen von Süssspeisen und Gaststätten, über Denkmäler und Ortswappen. Jetzt kommt auch ein Gipfel in den Berner Alpen hinzu.

Zwei Wochen nach dem Tod von George Floyd erhielten die Gemeindeverwaltungen von Grindelwald, Guttannen und Fieschertal ein Schreiben. Im Brief fordert das Komitee «Démonter Louis Agassiz» rund um den St. Galler Historiker und ehemaligen SP-Politiker Hans Fässler die Umbenennung des Agassizhorns in Rentyhorn, wie die «Berner Zeitung» berichtet.

Grund: Der Berg im Jungfrau-Aletsch-Gebiet ist nach dem Naturforscher Louis Agassiz benannt, der für seine Rolle als Rassentheoretiker und sein rassistisches Denken verurteilt wird. «Man könnte es bildhaft sagen: Der Namensgeber des Agassizhorns kniete zusammen mit dem weissen Polizisten Derek Chauvin auf dem Hals von George Floyd», heisst es im Schreiben.

Schon im Jahr 2007 forderte das Komitee, den Berg nach dem kongolesischen Sklaven Renty in Rentyhorn umzubenennen. Louis Agassiz liess in den 1850er-Jahren Renty auf einer Plantage in South Carolina fotografieren, um «die Minderwertigkeit der schwarzen Rasse zu beweisen».

Wer war Louis Agassiz?

Der Freiburger Louis Agassiz war einer der bedeutendsten Naturforscher des 19. Jahrhunderts, galt als «Entdecker der Eiszeiten» und «erster Zoologielehrer Amerikas». 1846 wanderte er in die USA aus und widmete sich dort kruden Rassentheorien. So sollten Agassiz zufolge sexuelle Beziehungen zwischen den Rassen unbedingt untersagt werden. Zudem versuchte er die «Minderwertigkeit der schwarzen Rasse» zu beweisen, dies durch Fotografieren und Messen des Hirnvolumens. Der Naturforscher und Glaziologe gilt heute unter Historikern als international einflussreicher Rassist und Vordenker der Apartheid.

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