Dauerhitze: Bergführer meiden Matterhorn und Jungfrau

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DauerhitzeBergführer meiden Matterhorn und Jungfrau

Die Temperaturen fielen in den vergangenen Tagen in den Bergen nicht mehr unter den Gefrierpunkt, weshalb die Profis auf bekannte Routen auf Alpenklassiker verzichten.

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Auf der italienischen Matterhorn-Seite sind den Bergführern seit Mitte dieser Woche die Risiken von Steinschlag und Felsstürzen zu gross. (Archivbild)

Auf der italienischen Matterhorn-Seite sind den Bergführern seit Mitte dieser Woche die Risiken von Steinschlag und Felsstürzen zu gross. (Archivbild)

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Zum ersten Mal in ihrer weit über 100-jährigen Geschichte verzichten die Bergführer von Grindelwald auf die klassische Jungfrau-Tour: Thuner See und Berner Alpen mit Eiger, Mönch und Jungfrau.

Zum ersten Mal in ihrer weit über 100-jährigen Geschichte verzichten die Bergführer von Grindelwald auf die klassische Jungfrau-Tour: Thuner See und Berner Alpen mit Eiger, Mönch und Jungfrau.

imago images/blickwinkel
Die Präfektur Haute-Savoie in der Mont-Blanc-Region erliess die Empfehlung, auf die Besteigung des höchsten Berges der Alpen über die Normalroute zu verzichten.

Die Präfektur Haute-Savoie in der Mont-Blanc-Region erliess die Empfehlung, auf die Besteigung des höchsten Berges der Alpen über die Normalroute zu verzichten.

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Darum gehts

  • Hochalpine Touren sind wegen der Hitze und Trockenheit gefährlicher als in anderen Jahren.

  • Mont-Blanc, Jungfrau, Matterhorn: Bergführer meiden bekannte Touren auf Alpenklassiker.

  • In Zermatt bieten die lokalen Guides die beiden mittelschweren Touren auf Castor und Pollux nicht mehr an.

In den Bergen sanken die Temperaturen in den vergangenen Tagen fast nie unter den Gefrierpunkt – mit Folgen für den Alpinismus, wie Recherchen der «SonntagsZeitung» zeigen. So erliess die Präfektur Haute-Savoie in der Mont-Blanc-Region letzte Woche die Empfehlung, auf die Besteigung des höchsten Berges der Alpen über die Normalroute zu verzichten. Dort sei es zu schweren Steinschlägen gekommen, meldeten die französischen Behörden.

Nicht nur in Frankreich sind hochalpine Touren aufgrund der Hitze und Trockenheit gefährlicher als in anderen Jahren. Der prominenteste Berg, der hierzulande nicht mehr über die Normalroute bestiegen werden sollte, ist die Jungfrau (4158 Meter) im Berner Oberland. Dort hat sich der Bergschrund zu einer Eiswand aufgetan, die nur mit Steileisgeräten zu überwinden ist. Ausserdem herrscht im Gipfelbereich akute Steinschlaggefahr, wie Tina Gertsch, Leiterin Bergsport von Outdoor, dem lokalen Bergführerbüro erklärt.

Bergführer verzichten auf klassische Jungfrau-Tour

Schweren Herzens und zum ersten Mal in ihrer weit über 100-jährigen Geschichte verzichten die Bergführer von Grindelwald deshalb auf die klassische Jungfrau-Tour. Im Wallis, wo die höchsten 4000er der Schweiz stehen, verunmöglichen die aussergewöhnlichen klimatischen Bedingungen manche Touren. In Zermatt bieten die lokalen Guides die beiden mittelschweren Touren auf Castor und Pollux nicht mehr an – «aus Sicherheitsgründen», wie Geschäftsführer Beat Wälti gegenüber der «SonntagsZeitung» sagt.

Auf der italienischen Matterhorn-Seite sind den Bergführern seit Mitte dieser Woche die Risiken von Steinschlag und Felsstürzen zu gross. Sie steigen nicht mehr auf, bieten keine Touren mehr an, wie Air Zermatt gegenüber «SonntagsBlick» bestätigt. Die Schweizer Seite gilt noch als begehbar. Aber auch Zermatter Bergführer sagen zunehmend Touren ab. Die Zwillingsgipfel Pollux und Castor erklimmt keiner mehr: «Es ist hart, wenn man solche Einbussen hat. Aber das zeigt auch, dass die Vernunft da ist», sagt Anjan Truffer, Rettungschef bei Air Zermatt. 

(chk)

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