Gletscherschmelze - Berggänger sollen Archäologen bei ihrer Arbeit unter die Arme greifen
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Gletscherschmelze Berggänger sollen Archäologen bei ihrer Arbeit unter die Arme greifen

Schon in der Mittelsteinzeit wurde in den Alpen nach Kristallen gesucht und diese weiterverarbeitet. Wegen der Gletscherschmelze kommen die Artefakte vermehrt ans Licht.

von
Tino Limacher
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Menschen in der Mittelsteinzeit (ca. 9500-5500 vor Christus) haben in den Alpen unter anderem nach Kristallen gesucht und diese zu Werkzeug weiterverarbeitet. 

Menschen in der Mittelsteinzeit (ca. 9500-5500 vor Christus) haben in den Alpen unter anderem nach Kristallen gesucht und diese zu Werkzeug weiterverarbeitet.

Abteilung Denkmalpflege und Archäologie des Kantons Uri/Valentin Luthiger
Das Eis konservierte diese Objekte über Jahrtausende hinweg. 

Das Eis konservierte diese Objekte über Jahrtausende hinweg.

Wikipedia/ Isjc99/ CC BY-SA 3.0
Durch die Gletscherschmelze vermuten die Forscherinnen und Forscher nun, dass diese Artefakte vermehrt ans Tageslicht treten.

Durch die Gletscherschmelze vermuten die Forscherinnen und Forscher nun, dass diese Artefakte vermehrt ans Tageslicht treten.

Wikipedia/ Isjc99/ CC BY-SA 3.0

Darum gehts

  • Bereits die Menschen in der Mittelsteinzeit (ca. 9500-5500 vor Christus) haben unter anderem nach Kristallen gesucht, die sie anschliessend zu Werkzeug weiterverarbeitet haben.

  • Durch die Gletscherschmelze kommen diese Objekte wieder vermehrt ans Tageslicht.

  • Das Eis hat die Funde bisher konserviert. Sobald sie aber an der freien Luft sind, zersetzen sie sich sehr schnell.

  • Deshalb rufen die Forschenden nun dazu auf, freiliegende Funde den zuständigen Behörden und Fachstellen zu melden.

Vor acht Jahren stiess ein Urner Strahler in einer Kristallkluft unmittelbar am zurückschmelzenden Brunnifirn-Gletscher auf einen aussergewöhnlichen Fund: Er fand Holzreste, Geweihstangen und Kristallsplitter aus der Mittelsteinzeit, die durch das Zurückschmelzen des Brunnifirn-Gletschers zum Vorschein kamen. Bisherige Untersuchungen zeigten, dass die Menschen das Gebiet bereits zwischen 8000 und 5000 Jahren vor Christus wiederholt aufgesucht hatten. Sie waren unter anderem auf der Suche nach Kristallen und verarbeiteten diese gleich vor Ort etwa zu Messern, Pfeilspitzen oder Bohrern weiter. Mit dem starken Rückgang der Gletscher rechnen die Archäologinnen und Archäologen nun damit, dass solche Artefakte vermehrt ans Tageslicht kommen.

Bisher wurden die Objekte vom Eis konserviert

Das Problem dabei: Das Eis hat diese Objekte bis jetzt konserviert. Sobald diese Funde aber vom Eis befreit sind, zersetzen sie sich an der freien Luft sehr schnell. Deshalb sind nun die Forschenden auf andere Berggängerinnen und Berggänger, Strahlerinnen und Strahler sowie Jägerinnen und Jäger angewiesen, dass sie solche Funde melden respektive vor dem Zerfall retten. So weisen auch neue Flyer und Plakate in der ganzen Gotthard- und Oberalpenregion zusätzlich auf diesen Aufruf hin. Denn solche Funde können durchaus an anderen Orten zum Vorschein kommen, weil die sogenannten Wildbeuter (Sammler und Jäger) der Mittelsteinzeit weite Teile des Alpenraums und fast alle Höhenlagen durchstreiften.

Gefundenes Material wird wissenschaftlich aufgearbeitet

Im Rahmen des Projekts «Bergeis – Bergkristall aus den Alpen und der Mittelsteinzeit» wird das geborgene Material wissenschaftlich aufgearbeitet. Mit den zusätzlichen, gemeldeten Funden verspricht sich das zuständige Urner Institut, mehr Klarheit über die vergangen Epochen zu erhalten.

Das solltest du beachten, wenn du einen Fund in den Bergen machst

Für Berggängerinnen und Berggänger, Strahlerinnen und Strahler und Jägerinnen und Jäger

Zuständig sind die Behörden oder Fachstellen desjenigen Kantons, auf dessen Boden die Funde gemacht wurden. Die Funde sollten nur dann mitgenommen werden, wenn sie unmittelbar bedroht sind oder sie nicht am Ort wiedergefunden werden können. Allenfalls sollten allfällige Fundgegenstände fotografiert, markiert und der genaue Standort (mit Koordinaten) gemeldet werden. Die Kontaktdaten der zuständigen Fachstellen findest du online unter www.archälogie.ch oder www.alparch.ch. Speziell für den Kanton Uri befindet sich der Kontakt unter www.ur.ch.

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