Tour de France: Bergkönig Ricco positiv getestet
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Tour de FranceBergkönig Ricco positiv getestet

Der Italiener Riccardo Ricco ist bei der 95. Tour de France positiv auf Doping getestet worden. Das vom Schweizer Mauro Gianetti gemanagte Team Saunier-Duval zog sämtliche Fahrer zurück.

Die Tour de France hat den nächsten Dopingfall. Die Direktion der Tour de France und die französische Antidoping-Agentur AFLD haben offiziell bestätigt, dass der italienische Kletterer Riccardo Ricco positiv getestet wurde. Der 24-jährige Kletterer sei nach der vierten Etappe, dem Zeitfahren in Cholet, des Dopings mit dem Präparat CERA überführt worden. CERA ist ein Dopingmittel der dritten EPO-Generation. Riccos Team Saunier Duval, das vom früheren Tessiner Profi Mauro Gianetti gemanagt wird, hat sofort die Konsequenzen aus dem Dopingfall gezogen. Der Rennstall zog seine Mannschaft zurück und schickte die Fahrer nicht mehr zum Start der 12. Etappe.

Ricco hatte die Etappen in Super-Besse und Bagnères-de-Bigorre gewonnen. Der Giro-Zweite war nach der 11. Etappe Gesamtneunter und fuhr im Trikot des Berg-Königs. Vor dem Tour-Ausschluss hatte er das Trikot des Führenden der Bergwertung getragen. Vor wenigen Tagen waren bereits die beiden Spanier Manuel Beltrán und Moises Dueñas als Dopingsünder entlarvt worden. Auch ihnen war das Blutdopingmittel EPO nachgewiesen worden.

Mit Ricco wurde erstmals ein Superstar erwischt. Er hat einen natürlichen Hämatokrit-Wert von 51 und dafür ein Attest des internationalen Radsportverbandes. Der Hämatokrit-Höchstwert ist auf 50 festgelegt. Schon im Giro d'Italia 2007 hatte es um Ricco Unregelmässigkeiten gegeben. Er soll damals einen Hämatokritwert wie ein Kind gehabt haben.

Energisch gegen Verdächtigungen gewehrt

Der 24-Jährige aus dem spanischen Team Saunier Duval-Scott gehörte aufgrund seiner angeblich natürlichen erhöhten Blutwerte zu den seit Rundfahrtbeginn unter Dopingverdacht fahrenden Tourteilnehmern. Ricco verwahrte sich gegen aufkommende Zweifel an seiner Leistung jeweils energisch und verbat sich Spekulationen um seine Redlichkeit. Riccos persönlicher Betreuer Primo Roberto Pregnolato war wegen seiner Verwicklungen in eine Dopingaffäre vorbestraft.

Kirchen: «Wer so fährt ist verdächtig»

Kurz vor Start der heutigen Etappe zeigten sich die anderen Fahrer im Feld wenig überrascht. Der Luxemburger Kim Kirchen zeigte sich zufrieden, dass das System greift: «Es ist gut, dass Leute erwischt und gleich nach Hause geschickt werden.» Allerdings empfindet Kirchen die zu erwartenden Strafen als zu wenig drastisch. Dass es Ricco erwischen würde, war für Kirchen nach Riccos gezeigten Leistungen klar: «Wenn ein Fahrer so fährt, ist er mehr als verdächtig.»

Auch die Spanier Manuel Beltrán (Liquigas) und Moises Dueñas (Barloworld) wurden bei der bisherigen Tour de France positiv auf das Blutdopingmittel EPO getestet. Beltrán war den Dopingfahndern nach der 1. Etappe und Dueñas nach der 4. Etappe ins Netz gegangen.

(voi)

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