Bergtouren werden gefährlicher
Aktualisiert

Bergtouren werden gefährlicher

Die Klimaerwärmung stellt Berggänger vor immer grössere Herausforderungen. Viele bislang einfache Routen weisen plötzlich grosse technische Schwierigkeiten auf oder werden gar unpassierbar.

«Manche früher relativ problemlose Firnpassagen sind zur Herausforderung auf blankem Eis geworden», warnen der Schweizerische Alpen-Club SAC, die Schweizer Wanderwege, der Bergführerverband SBV und die Beratungsstelle für Unfallverhütung bfu in einem gemeinsamen Communiqué vom Montag.

Insbesondere für Alpinisten und Bergsteiger, die im Hochgebirge unterwegs sind oder sich auf den weiss-blau-weiss signalisierten Alpinwanderwegen bewegen, sei erhöhte Vorsicht geboten.

Tauwetter im Gebirge

«Im Hochgebirge ist der Klimawandel eine augenfällige Tatsache», schreiben die Fachverbände weiter. Gletscher würden seit geraumer Zeit kontinuierlich abschmelzen und Permafrostgebiete immer weiter auftauen.

In diesem Jahr seien am Mönch bereits im April die ersten Felsabbrüche beobachtet worden. Zudem werde von MeteoSchweiz ein überdurchschnittlich warmer Sommer prognostiziert. Es deute deshalb vieles darauf hin, dass die kommende Bergsaison noch ereignisreicher werde als die Saison 2006.

«Panikmache und Alarmstimmung» seien zwar nicht angezeigt - die Fachverbände rufen jedoch dazu auf, für Touren im Hochgebirge besondere Vorkehrungen zu treffen. Grosse Vorsicht sei vor allem auf und rund um Gletscher geboten.

Frühzeitig ausgeaperte Gletscher könnten zu unüberwindbaren Hindernissen werden. Zudem könnten Einstiege zu Kletterrouten ab Firn oder Gletscher durch die Absenkung des Eisniveaus schwer zugänglich sein.

Der SAC rät denn auch, Eis- und Kombitouren vermehrt im Frühsommer zu planen. Zudem müsse die Wetterentwicklung ständig beobachtet werden. Bei grosser und langanhaltender Wärme müsse auf kombinierte Touren, die durch schwierige Eis- oder Schneepassagen führen, verzichtet werden.

Zugang zu SAC-Hütten erschwert

Aber auch bei Bergwanderungen (weiss-rot-weiss signalisiert) sei erhöhte Aufmerksamkeit gefordert. Die Wanderrouten seien meist steil und schmal angelegt. Oft führten solche Wege bereits in alpine Randzonen, wo Risiken wie Steinschläge oder Murgänge erhöht seien.

Schwerer zugänglich werden auch höher gelegene SAC-Hütten. Der Alpen-Club ist derzeit daran, mögliche Gefahrenpotenziale zu eruieren und ein Inventar aller 153 Hütten und ihrer Zustiegswege zu erstellen. Erste Ergebnisse der Gefahrenanalyse sind im Herbst dieses Jahres zu erwarten.

Weitgehend von den Folgen der Klimaerwärmung verschont bleiben Ausflüge auf den gelb signalisierten Wanderwegen. Diese lägen meist im Mittelland und im Voralpenraum und seien daher kaum betroffen. (sda)

Deine Meinung