Aktualisiert 13.06.2014 17:08

Höhlen-Drama BayernBergung von verletztem Forscher hat begonnen

Für den verletzten Höhlenforscher in Deutschland hat der lange Weg nach oben begonnen. Der Mann harrt seit Sonntag in der 1000 Meter tiefen Riesending-Höhle aus.

Die Einsatzleitung erwarte «stündlich» die Meldung über den Beginn der Aktion, sagte Stefan Schneider von der bayrischen Bergwacht am Freitag in Berchtesgaden.

Aufgrund der schwierigen Verhältnisse seien genauere Zeitangaben allerdings nicht möglich. «Wir müssen einfach warten. Wir wissen nicht, wie lange es dauern wird. Es läuft alles im Rahmen, im Plan», sagte Schneider. Was bei einem normalen Rettungseinsatz nur Minuten dauere, könne in der Tiefe Stunden oder Tage in Anspruch nehmen. «?Höhle? heisst ?warten?.»

Nach Einschätzung der Helfer vor Ort sei ein Unterschied von ein, zwei oder drei Tagen in der aktuellen Lage allerdings nicht mehr entscheidend.

Der schwer am Kopf verletzte Forscher harrt seit Sonntag in etwa 1000 Metern in der extrem schwer zugänglichen Höhle unter dem Untersberg an der Grenze zu Österreich aus. Er hatte bei einem Steinschlag ein Schäden-Hirn-Trauma erlitten. Mehrere Höhlenretter und ein Arzt sind derzeit bei ihm, um ihn zu versorgen und seinen Rücktransport auf einer Trage vorzubereiten.

Der Zustand des 52-Jährigen ist Schneider zufolge nach wie vor stabil. Der Verletzte müsse nach bisherigen Erkenntnissen nicht in der Höhle operiert werden. «Bei diesem Verletzungsmuster sind Schwellungen zu erwarten, wir sind aber heute in einem Bereich, in dem nicht mehr mit Schwellungen zu rechnen ist.»

Für den Weg mit dem Patienten zurück an die Oberfläche veranschlagt die Einsatzleitung mehrere Tage. «Die bisherige Kalkulation mit einer Woche bleibt bestehen», sagte Schneider. Tendenziell könne es aber auch etwas länger dauern.

Internationale Rettungsmission

Die Bergung des verletzten Forschers hat sich zu einer internationalen Höhlenrettungsmission von bisher wohl einmaliger Dimension entwickelt. Spezialisten aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien wurden zusammengezogen, um die logistisch äusserst anspruchsvolle Rettung des Mannes zu bewerkstelligen.

Die Riesending-Schachthöhle ist Deutschland längste und tiefste Höhle. Sie besteht aus engen Gängen, über hunderte von Metern fast senkrecht abfallenden Kaminen, unterirdischen Wasserläufen und unwegsamen Canyons, die sich über eine Länge von 19 Kilometern erstrecken.

Acht Teams von jeweils etwa vier Mann befanden sich am Freitag in der Höhle. Sie kümmern sich um den Forscher, transportieren Ausrüstung sowie Nahrung zu den fünf für die Rettungsaktion auf verschiedenen Ebenen eingerichteten Biwakstationen und arbeiten an den Seilhilfen für den bevorstehenden Krankentransport.

Telefonleitung und Schichtarbeit

Die Helfer waren laut Schneider auch dabei, eine kabelgestützte Telefonanlage für eine bessere Kommunikation bis zum Unglücksort in 1000 Metern Tiefe zu installieren. In der Höhle funktionieren weder Funk noch Mobiltelefone.

Die auf engsten Raum errichteten Biwaks seien durch die zahlreichen Retter inzwischen «völlig überfüllt», sagte Schneider. Teils werde «im Sitzen oder Stehen versucht, sich zu regenerieren».

Unterdessen trafen weitere Höhlenretter aus Italien am Unglücksort ein, um ihre teils seit Tagen im Einsatz befindlichen Kollegen abzulösen. Auch in der Schweiz stehen laut der bayrischen Bergwacht zusätzliche Experten bereit, um im Bedarfsfall anzureisen. «Wir bauen ein Schichtsystem auf», sagte Schneider. Der Einsatz sei für alle «körperlich und psychisch extrem anstrengend».

Auch einer der beiden Ärzte, die seit Mittwoch bei dem Patienten ausharren, machte sich demnach am Freitag zurück auf den Weg an die Oberfläche. Als Ablösung für den Italiener stieg ein deutscher Mediziner hinab. (sda)

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