Hygiene: Lebensmittelkontrolleure schauen oft jahrelang nicht hin

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HygieneLebensmittelkontrolleure schauen oft jahrelang nicht hin

Die Kantone und Kantonslaboratorien sollen die gesetzlich vorgeschriebenen Abstände zwischen den Kontrollen der Lebensmittel nicht konsequent einhalten.

von
Shanice Bösiger
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Der Konsumentenschutz ist beunruhigt, weil der Lebensmittelmarkt «immer intransparenter» werde.

Der Konsumentenschutz ist beunruhigt, weil der Lebensmittelmarkt «immer intransparenter» werde.

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Die Kantone entscheiden selbst, wie viele Kontrolleurinnen und Kontrolleure sie einsetzen.

Die Kantone entscheiden selbst, wie viele Kontrolleurinnen und Kontrolleure sie einsetzen.

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Es passiert in der Schweiz immer wieder, dass Lebensmittel krank machen. 

Es passiert in der Schweiz immer wieder, dass Lebensmittel krank machen. 

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Darum gehts

  • Zehn Menschen starben im August 2020 an mangelnder Hygiene bei der Verarbeitung von Lebensmitteln.

  • Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) findet, es gebe zu wenige Kontrollen.

  • Die Stiftung Konsumentenschutz ist nicht überrascht, dass bei Lebensmitteln in der Schweiz zu wenig kontrolliert werde.

In der Schweiz werden Lebensmittel laut der Eidgenössischen Finanzkontrolle (EFK) zu wenig kontrolliert. «Sämtliche Betriebe, die wir ausgewertet haben, werden zu wenig kontrolliert», sagt Gabriela Carappa, Sprecherin der EFK, gegenüber SRF. Die zuständigen Kantonslaboratorien würden insgesamt 40’000 Kontrollen pro Jahr durchführen.

Kontrollen sind gesetzlich festgelegt

Eigentlich ist es gesetzlich geregelt, wie oft Betriebe untersucht werden müssten: Bäckereien, Konditoreien, Supermärkte, Metzgereien, Fischhandlungen oder Cateringbetriebe zum Beispiel müssen alle zwei Jahre untersucht werden.

Aber tatsächlich sollen sich nicht alle an diese Vorgaben halten. Metzgereien würden etwa alle drei statt zwei Jahre kontrolliert, heisst es im Bericht weiter. Cateringbetriebe sogar nur alle acht statt zwei Jahre. Bei Hofläden würden im Durchschnitt bis zu dreizehn Jahre vergehen, bis überhaupt einmal eine Kontrolle durchgeführt werde. Vorgeschrieben wären Lebensmittelkontrollen alle vier Jahre. 

Zuständig sind die Kantone

Die EFK könne nicht sagen, welche Kantone gut oder weniger gut kontrollierten, denn ihnen würden dazu die Zahlen fehlen. Einen Anhaltspunkt liefere immerhin die Anzahl Betriebe pro Kontrolleur.

In den Kantonen Neuenburg, Solothurn oder Basel-Stadt kämen auf eine Kontrolleurin rund 400 Betriebe. In den Kantonen Waadt, Bern oder Zug hingegen seien es um die 1000 Betriebe. Zum Vergleich: Pro Jahr könne ein Kontrolleur rund 200 Betriebe besuchen, schreibt die EFK in ihrem Bericht.

Die Kantone haben bei den Lebensmittelkontrollen gespart 

Die Stiftung Konsumentenschutz ist nicht überrascht, dass bei Lebensmitteln in der Schweiz zu wenig kontrolliert werde: «Die Kantone haben bei den Lebensmittelkontrollen gespart in den letzten Jahren», sagt Geschäftsführerin Sara Stalder gegenüber SRF. Das sei auch deshalb beunruhigend, weil der Lebensmittelmarkt «immer intransparenter» werde.

Nun nennt die Finanzkontrolle Verbesserungsvorschläge, wie die Koordinationsstelle beim Bund, das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, die Zusammenarbeit mit den Kantonen verbessern könnte. Kantone werden aber auch in Zukunft selbst entscheiden können, wie viele Kontrolleurinnen und Kontrolleure sie einsetzen. Dazu hat das EFK nichts zu sagen. 

Der Verband der Kantonschemikerinnen und -chemiker wollte sich zum Bericht der Finanzkontrolle gegenüber dem SRF nicht äussern.

Todesfälle wegen Listerien im Käse

Es passiert glücklicherweise selten, doch auch in der Schweiz kommt es vor, dass Lebensmittel krank machen. Schlagzeilen machte 2020 eine Käserei im Kanton Schwyz. Im August starben zehn Personen, weil sie mit Listerien befallenen Käse gegessen hatten. 

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