Zugsicherung: Bericht legt SBB-Sicherheitslücke offen
Aktualisiert

ZugsicherungBericht legt SBB-Sicherheitslücke offen

Im Februar überfuhr ein Zug in Basel ein Rotlicht – und prallte unter anderem wegen einem veralteten Sicherungssystem in einen anderen Zug. Es ist das selbe System wie in Granges-près-Marnand.

von
rey

Im Badischen Bahnhof in Basel sind am 27. Februar ein Güterzug und eine Lokomotive kollidiert. Laut dem Bericht der Schweizerischen Unfalluntersuchungsstelle SUST war dies der vierte Fall, wo eine zeitgemässe Zugsicherung mit Bremskurvenüberwachung einen schweren Unfall verhindert hätte.

Bei dem Zusammenstoss einer SBB-Cargo-Lok mit der Lok des Güterzugs der Deutschen Bahn (DB) war lediglich Sachschaden entstanden; verletzt wurde niemand. Grund des Unfalls ist laut dem diese Tage erschienenen SUST-Bericht, dass die SBB-Lok ein auf Halt gestelltes Signal überfahren hatte.

Nebst anderem zum Unfall beigetragen hatte gemäss dem Bericht auch die Zugsicherung. So könne das an diesem Ort eingesetzte Zugsicherungssystem «Signum» die Bremskurve der Züge nicht überwachen, weshalb die SBB-Lok nicht rechtzeitig stehen blieb.

Zudem genüge der vorhandene Durchrutschweg zwischen Signal und Sicherheitszeichen der Weiche am Unfallort von 67 Metern für Triebfahrzeuge mit dem Schweizer «Signum»-System nicht: Eine mit 40 Stundenkilometer fahrende Lok könne vor dem Gefahrenpunkt nicht zum Stehen gebracht werden.

Nicht mehr zeitgemässe Sicherung

Der Bericht nennt als Sicherheitsdefizit denn auch die nicht mehr zeitgemässe Funktionalität der SBB-Zugsicherung, die keine Tempoüberwachung einschliesst. Seit dem 8. August 2011 sei dies indes nach Döttingen AG, Olten und Neuhausen SH der vierte Fall, wo eine zeitgemässe Zugsicherung mit Bremskurvenüberwachung einen schweren Unfall verhindert hätte.

Nur mit dem Zugsicherungssystem «Signum» ausgerüstet ist auch der Unglücksort in Granges-près-Marnand im Waadtland, wo am 29. Juli ein Regionalzug und ein RegioExpress frontal zusammenstiessen. Ein Lokführer kam dabei ums Leben.

Im Badischen Bahnhof, der von der DB betrieben wird, wollen SBB Infrastruktur und DB Netz AG nun die Zugssicherungsmagnete durch das modernere Zugsicherungssystem ETCS Level 1 LS ersetzen, das auch eine Bremskurvenüberwachung erlaubt. Vorgesehen sei der Wechsel von «Signum» zu «EuroSignum» ab 2014 und zu ETCS L 1 LS voraussichtlich ab Ende 2015. (rey/sda)

Deine Meinung