Pandemie in der Schweiz – Bericht stellt Armee-Einsatz während Corona-Pandemie schlechtes Zeugnis aus
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Pandemie in der SchweizBericht stellt Armee-Einsatz während Corona-Pandemie schlechtes Zeugnis aus

Tausende wurden aufgeboten, um zu unterstützen. In einem Bericht der Eidgenössischen Finanzkontrolle wird der Einsatz der Armee, des Zivilschutzes und des Zivildienstes scharf kritisiert.

von
Philippe Coradi
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Tausende rückten ein, um zu helfen: Doch offenbar war der Einsatz von Dienstleistenden während der ersten Corona-Welle ungenügend koordiniert. 

Tausende rückten ein, um zu helfen: Doch offenbar war der Einsatz von Dienstleistenden während der ersten Corona-Welle ungenügend koordiniert. 

Tamedia AG
Zu diesem Schluss kommt ein Bericht der eidgenössischen Finanzkontrolle. 

Zu diesem Schluss kommt ein Bericht der eidgenössischen Finanzkontrolle. 

20min/Simon Glauser
Die Armee habe aus einer Übung von 2014, in der eine Situation wie die Corona-Pandemie geprobt wurde, nicht ausgemerzt. (Symbolbild)

Die Armee habe aus einer Übung von 2014, in der eine Situation wie die Corona-Pandemie geprobt wurde, nicht ausgemerzt. (Symbolbild)

20min/Simon Glauser

Darum gehts 

Als die erste Corona-Welle 2020 die Gesundheitseinrichtungen stark belastete, bot Verteidigungsministerin Viola Amherd Angehörige der Armee, des Zivilschutzes und des Zivildienstes zur Unterstützung auf. Mit der Mobilmachung standen zeitweilen 5000 Soldaten im Einsatz und unterstützten unter anderem Spitäler in den Kantonen, die Polizei und die Grenzwache. 

Dieser Einsatz wurde nun von der Eidgenössischen Finanzkontrolle durchleuchtet, in einem Bericht ihre Erkenntnisse präsentiert. Das Ergebnis liest sich mehr als ernüchternd, die Behörde kritisiert das Vorgehen des VBS im Grundsatz, schreiben die Zeitungen von CH Media.

Lehren aus Übung 2014 nicht umgesetzt 

Hauptkritikpunkt: Die Koordination zwischen Armee, Zivildienst und Zivilschutz habe mehr schlecht als recht funktioniert. Und dies, obwohl man bereits 2014 in einer Sicherheitsverbundsübung die Zusammenarbeit der Krisenstäbe von Spitälern, Behörden und Einsatzkräften geprobt hatte. Der Direktor der Finanzkontrolle, Michel Huissod, sagt dazu: «Der Informationsfluss funktionierte damals nicht und er funktionierte dieses Mal auch nicht.» Seiner Ansicht nach habe man aus der Übung 2014 keine Lehren gezogen. 

Die Kommission empfiehlt für die Zukunft darum, dass man den Bundesstab für Bevölkerungsschutz BSTB stärken müsse. Denn eigentlich hätte dieser zu beurteilen, welche Dienstpflichtigen zum Einsatz kommen, wenn der Bund oder die Kantone nach Hilfe rufen. 

Auch SP-Nationalrätin Franziska Roth kritisierte die Rolle der Armee gegenüber den Zeitungen von CH Media. Diese hätte sich dem BSTB entzogen und in Eigenregie gehandelt und dabei «übersteuert». Zudem seien die Ressourcen von Zivildienstleistenden schlecht eingesetzt worden, SP-Nationalrätin Franziska Roth gegenüber der Zeitung. Zudem seien die Truppenaufgebote viel zu gross gewesen.

Im Bericht berücksichtigt die Finanzkontrolle aber auch, dass die Situation für alle herausfordernd und von grosser Unsicherheit geprägt war. 

BS setzte auf Soldaten, ZH auf Zivilschutz

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