Mussa Ibrahim: Berichte über Festnahme des Gaddafi-Sprechers
Aktualisiert

Mussa IbrahimBerichte über Festnahme des Gaddafi-Sprechers

Ein Jahr nach dem Tod Muammar al Gaddafis solll dessen Sprecher Mussa Ibrahim verhaftet worden sein. Das meldeten eine Nachrichtenagentur. Später meldete sich Ibrahim selbst – offenbar auf freiem Fuss.

von
jbu
Während des Bürgerkriegs verteidigte Mussa Ibrahim das Gaddafi-Regime vor den Journalisten.

Während des Bürgerkriegs verteidigte Mussa Ibrahim das Gaddafi-Regime vor den Journalisten.

Ein Jahr nach dem Tod des libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi ist dessen ehemaliger Sprecher nach Angaben der Regierung gefasst worden. Mussa Ibrahim sei an einem Kontrollposten in einer Stadt nahe der ehemaligen Gaddafi-Hochburg Bani Walid gefangen genommen worden, berichtete die staatliche libysche Nachrichtenagentur.

Ibrahim solle in Tripolis verhört werden, hiess es in einer Erklärung aus dem Büro des libyschen Ministerpräsidenten. Der Zeitpunkt seiner Gefangennahme wurde nicht genannt. Berichten zufolge soll er aber am Samstag, dem ersten Todestag Gaddafis, festgenommen worden sein.

Der ehemalige Ministerpräsident Mustafa Abu Schagur bestätigte die Festnahme auf Twitter: «Der Kriminelle Mussa Ibrahim wurde festgenommen und ist jetzt auf dem Weg nach Tripolis.»

Kauziger Intellektueller mit Vorliebe für Veloferien

Ibrahim war im letzten Jahr vor dem Sturz Gaddafis zur Stimme des Regimes geworden und hatte es bei Fernsehauftritten immer wieder verteidigt. Er war insbesondere den Journalisten bestens bekannt: Während der Revolution hielt er sich gemäss dem «Telegraph» oft im Rixos Hotel auf, wo ausländische Medienschaffende logierten. Nicht selten weckte er sie mitten in der Nacht, um ihnen Einschläge von Nato-Bomben oder ähnliches zu zeigen.

Moussa Ibrahim gab dem Gaddafi-Regime einen kauzig-intellektuellen Touch. Er sprach fliessend Englisch und war mit einer Deutschen verheiratet, die auch während des Bürgerkriegs nicht von seiner Seite wich. Nach getaner Arbeit sprach er laut dem «Telegraph» gerne über seine Veloferien in Devon.

Nach der Festnahme Gaddafis wurde spekuliert, der Sprecher sei von Rebellen getötet worden. Andere wähnten ihn in Ägypten oder einem anderen nordafrikanischen Land – doch sie lagen falsch. Im Zuge der Kämpfe um die Stadt Bani Walid, die erneut zwischen der Übergangsregierung und ehemaligen Gaddafi-Getreuen ausgebrochen sind, wurde Ibrahim gefasst.

Weiter Kämpfe in Bani Walid

Vor der Festnahme Ibrahims hatte der Präsident der libyschen Nationalversammlung, Mohammed al-Megarjef, in einer in der Nacht zum Samstag ausgestrahlten Rede bedauert, dass einige Regionen des Landes ein Jahr nach dem Tod Gaddafis noch nicht «vollständig befreit» seien.

Er verwies dabei insbesondere auf Bani Walid, in der sich noch viele von der Justiz gesuchte Anhänger des gestürzten Machthabers aufhalten sollen. Laut al-Megarjef befinden sich dort auch Söldner des Gaddafi-Lagers. Die Wüstenstadt ist seit Tagen Schauplatz von Kämpfen, regierungstreue Milizen beschiessen die Stadt.

Nahkämpfe in Stadtvierteln

Am Samstag seien neun Tote und 122 Verletzte eingeliefert worden, sagte ein Verantwortlicher des Spitals der nordöstlich gelegenen Stadt Misrata, in dem regierungstreue Kämpfer behandelt werden. «Die meisten Verletzungen wurden durch leichte Waffen verusacht, was auf Nahkämpfe in den Stadtvierteln schliessen lässt.»

«Die Regierung hat den Milizen grünes Licht gegeben, die Stadt auszulöschen», sagte Salem al-Waer, der die grösste bewaffnete Gruppe in Bani Walid führt. Er rief die UNO und westliche Staaten auf, die Zivilisten in der Stadt zu schützen. Auch am Samstag sei die Stadt seit dem Morgen bombardiert worden, sagte er. «Die humanitäre Lage ist sehr schlecht.»

Bani Walid war am 17. Oktober 2011 von den Gaddafi-Gegnern eingenommen worden. In den vergangenen Monaten gewannen aber die Anhänger Gaddafis dort wieder die Oberhand. (jbu/sda/dapd)

Mussa Ibrahim bestreitet Festnahme

Nach der Festnahme des ehemaligen Sprechers von Muammar al Gaddafi ist am Samstag eine Tonbandaufzeichnung im Internet aufgetaucht, wo eben dieser Sprecher seine Gefangennahme bestreitet. Zudem befinde er sich nicht in Libyen, sagte der Mann, der von sich behauptet, Mussa Ibrahim zu sein. Zuvor hatte das Büro des libyschen Ministerpräsidenten bekannt gegeben, der frühere Sprecher des einstigen Machthabers sei bei seiner Flucht aus der ehemaligen Gaddafi-Hochburg Bani Walid gefasst worden.

Die Tonbandaufnahme wurde auf der Facebook-Seite Ibrahims veröffentlicht. Ihre Echtheit konnte zunächst nicht überprüft werden.

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