Berittene Tibeter stürmen chinesische Stadt
Aktualisiert

Berittene Tibeter stürmen chinesische Stadt

Mehr als tausend Tibeter haben eine entlegene Stadt in der chinesischen Provinz Gansu gestürmt. Sie griffen ein Regierungsgebäude an und hissten die tibetische Flagge.

Bilder des kanadischen Fernsehsenders CTV zeigten jubelnde Tibeter beim Sturm auf eine ungenannte Stadt in der nordwestchinesischen Provinz. Einige waren mit Pferden unterwegs. Dabei wirbelten sie eine Staubwolke auf, einer der Reiter hielt eine riesige Flagge hoch. Dem Bericht zufolge forderten sie die Unabhängigkeit Tibets von der Volksrepublik.

CTV zufolge gingen rund hundert schwer bewaffnete Soldaten mit Tränengas gegen die Tibeter vor, als diese das Regierungsgebäude angriffen. Zugleich waren zahlreiche tibetische Männer und Frauen zu sehen, die in Panik flüchteten. Dem CTV-Reporter zufolge ereigneten sich ähnliche Szenen auch in anderen chinesischen Städten.

Bislang gibt es nur wenig Filmmaterial über die Proteste der Tibeter gegen die chinesische Herrschaft: Die chinesischen Behörden gehen harsch gegen ausländische Berichterstatter vor, die über die Aufstände berichten wollen. Allerdings haben verschiedene Sender das Video eines australischen Touristen ausgestrahlt, der die Ausschreitungen in Lhasa gefilmt hatte.

Frankreich will keinen Olympia-Boykott

Frankreich sprach sich gegen den Boykott der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele aus. Dies sei «unrealistisch», sagte der französische Aussenminister Bernard Kouchner im Radiosender RMC. «Feindseligkeit gegenüber unseren chinesischen Freunden wird sich nicht auszahlen.» Es gebe andere Möglichkeiten, Druck auf Peking auszuüben.

Die Organisation «Reporter ohne Grenzen» hatte am Dienstag einen Boykott der Eröffnungsfeier angeregt, an der rund 100 Staats- und Regierungschefs aus aller Welt teilnehmen wollen.

Dialog Chinas mit dem Dalai Lama?

China ist nach Angaben des britischen Premierministers Gordon Brown zum Dialog mit dem Dalai Lama bereit. Dies habe ihm der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao versichert, erklärte Brown am Mittwoch in London vor dem Parlament. Wen habe sich in einem Telefonat zu Gesprächen bereiterklärt, wenn der Dalai Lama nicht die Unabhängigkeit Tibets fordere und der Gewalt abschwöre. Beides habe der Dalai Lama bereits erklärt, sagte Brown.

«Ich habe es absolut klar gemacht, dass die Gewalt in Tibet enden muss», sagte Brown über sein Gespräch mit Wen. Die Gewalt müsse einem konstruktiven Dialog weichen. Noch am Dienstag hatte Wen die Gesprächsangebote des Dalai Lamas öffentlich zurückgewiesen. Brown wird das geistliche Oberhaupt der Tibeter während eines Besuchs in London im Mai treffen.

(pbl/sda/ap)

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(Video: Reuters)

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Video eines australischen Touristen zu den Unruhen in Lhasa. Quelle: AP

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