Berlin: Luftraum für Hobbyflieger gesperrt
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Berlin: Luftraum für Hobbyflieger gesperrt

Zwei Tage nach dem Absturz eines Leichtflugzeugs zieht Deutschland Konsequenzen: Der Luftraum über Berlin wird für Privat- und Hobbyflieger gesperrt.

Das teilte Verkehrsminister Manfred Stolpe am Sonntag nach einem Gespräch mit Berlins Innensenator Ehrhart Körting mit.

Der Absturz am Freitagabend war offenbar das tragische Ende eines Familiendramas. Nach Angaben Körtings hat der Pilot mit seinem Ultra-Leichtflugzeug vom Typ «Roter Kiebitz» höchstwahrscheinlich Selbstmord begangen. «Einen terroristischen Hintergrund können wir ausschliessen», sagte der Senator.

Bei dem Piloten handelte es sich um einen 39-jährigen Familienvater aus Erkner bei Berlin. Dessen Ehefrau wird seit vergangenem Montag vermisst. Die Polizei geht nach einem Bericht des Magazins «Focus» davon aus, dass die 36-Jährige Opfer eines Tötungsverbrechens wurde.

Nach Angaben Stolpes soll die genaue Begrenzung des «Flugbeschränkungsgebietes für Sichtflüge» in der kommenden Woche in Gesprächen mit dem Senat sowie dem Bundesinnen- und dem Verteidigungsministerium erfolgen. Überwacht werden soll das Sperrgebiet nach ersten Überlegungen Körtings von am Stadtrand Berlins stationierten unbewaffneten Polizeihubschraubern.

Als weitere Massnahmen nannte Stolpe unter anderem einen besseren Schutz von Kleinflughäfen und Landeplätzen gegen unberechtigten Zugang sowie eine bessere Sicherung von Flugzeugen gegen unberechtigte Nutzung. Körting wandte sich allerdings gegen seiner Ansicht nach überzogene Forderungen wie den Einsatz von Kampfhubschraubern und Luftabwehrraketen der Bundeswehr. Er wolle keinen «Luftkrieg über Berlin».

Derartige Forderungen waren zuvor in der von dem Absturz ausgelösten Debatte über die Sicherheit im Luftraum über Berlin unter anderem vom bayerischen Innenminister Günther Beckstein (CSU) in der «Berliner Morgenpost» erhoben worden. Der CDU/CSU-Innenexperte Wolfgang Bosbach nannte es in der Berliner «BZ am Sonntag» Besorgnis erregend, «dass ein Flugzeug offensichtlich so nah ans Zentrum der Macht kommen kann». Sein SPD-Kollege Dieter Wiefelspütz forderte im selben Blatt eine neue Sicherheitsanalyse für den Regierungssitz Berlin. In der «Berliner Morgenpost» verlangte der SPD-Politiker zudem «eine Flugbereitschaft der Bundeswehr mit Kampfhubschraubern in Berlin.»

Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) forderte eine Sperrung des Luftraums über dem Regierungsviertel für den allgemeinen Luftverkehr. Der Absturz des Leichtflugzeuges offenbare eine unglaubliche Sicherheitslücke, erklärte er in Potsdam.

(dapd)

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