Berlinales Partywochenende
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Berlinales Partywochenende

Den roten Teppich hatten bei der Berlinale die Rolling Stones und Martin Scorsese fest in ihrer Hand hatten, die eigetnliche Party ging aber anderswo ab: Till Schweiger und Co feierten ihren Erfolgsfilm «Keinohrhasen».

Der Schauspieler, Regisseur und Produzent Til Schweiger ist am Samstag in Berlin mit dem Ernst-Lubitsch-Preis ausgezeichnet worden. Die Auszeichnung «für die beste komödiantische Leistung des Jahres in einem Film», mit dem sein jüngster Kinoerfolg «Keinohrhasen» gewürdigt wird, wurde ihm auf dem Berlinale-Empfang des Medienboards Berlin-Brandenburg überreicht.

Seine Liebeskomödie haben innerhalb weniger Wochen 4,3 Millionen Besucher gesehen. Schweiger, der die Auszeichnung aus den Händen des Vorjahrespreisträgers Jürgen Vogel erhielt, zeigte sich stolz und glücklich über den Preis, der mit Lubitsch (1892-1947) den Namen «eines der grössten Regisseure überhaupt» trage.

Patti Smiths Spontankonzert

Punkrock-Ikone Patti Smith ist immer für eine Überraschung gut: Am Ende der Berlinale-Pressekonferenz, wo sie am Samstag ihren Dokumentarfilm «Dream Of Life» präsentierte, griff sie zur Gitarre und sang unverstärkt das Lied «My Blakean Year» - eine Hommage an den britischen romantischen Dichter William Blake. Ihr Film läuft allerdings nicht im Wettbewerb. In diesem starteten am Samstag drei Produktionen: «Lake Tahoe» von Fernando Eimbcke, «Julia» von Erick Zonca und «Gardens Of The Night» von Damian Harris.

Smith sorgte bei Beantwortung der Fragen für Heiterkeit. So erzählte sie, sie höre auch gerne Opernarien. «Ich singe auch verschiedene Lieder, ob es ein Neil-Young-Song ist oder eine primitive Version einer Puccini-Arie», sagte Smith. Später fügte sie hinzu, auch gerne Wagner zu hören, etwa Parsifal oder Tristan. Sie selbst war auch schon Gast bei den Bayreuther Festspielen.

Starker Film aus Mexiko

Der Berlinale-Wettbewerb wurde mit einem starken Film aus Mexiko fortgesetzt. Regisseur Eimbcke erzählt in «Lake Tahoe» eindrucksvoll und in ruhigen Bildern die Geschichte des 16-jährigen Juan, dessen Vater kürzlich gestorben ist. Er trifft auf Menschen, die wie er mit Schmerzen erfüllt sind - wenngleich auch aus anderen Gründen.

Eimbcke, der vor vier Jahren am Berlinale Talent Campus teilnahm, sagte, der Film sei autobiografisch. «Ich habe diese Erfahrungen selbst gemacht, als mein Vater starb.» Daher kenne er den grossen Schmerz. Bei den Dreharbeiten habe er versucht, Distanz zu gewinnen. An dem Film habe er zwei Jahre gearbeitet.

Zoncas «Julia» porträtiert eine Frau (Tilda Swinton), die zwischen Wodka-Konsum und One-Night-Stands langsam die Kontrolle über ihr Leben verliert. Schliesslich begeht sie in ihrer Not ein Verbrechen. Da nichts läuft wie geplant, muss sie Richtung Mexiko fliehen. Swinton erklärte, sie möge Alkohol eigentlich nicht besonders gern, habe aber gerade deswegen besonders gut eine Alkoholikerin verkörpern können. «Ich werde nie betrunken, weil ich von Alkohol sofort müde werde und dann einschlafe», sagte die 47-Jährige. Trotzdem habe sie mit der Rolle überhaupt kein Problem gehabt. Im Gegenteil: Da sie häufig die einzige gewesen sei, die bei Partys nüchtern geblieben sei, habe sie die Betrunkenen gut beobachten können.

«Gardens Of The Night» von Damian Harris schildert das Schicksal zweier Kinder, die über Jahre gefangen gehalten und missbraucht werden. Als sie später frei kommen, müssen sie sich auf der Strasse durchschlagen.

Ben Kingsley hatte am Samstag seinen ersten von zwei Berlinale-Auftritten. Er spielt in dem Film «Transsiberian», der in der Sparte Panorama läuft, einen russischen Kommissar. Angesprochen auf den Film «Gandhi», mit dem er 1982 seinen internationalen Durchbruch feierte, meinte Kingsley, in jedem Menschen schlummere ein Gandhi. «Es kommt auf die Umstände an, ob er geweckt wird», sagte der 64-Jährige, der auch schon Lenin und Simon Wiesenthal verkörperte. Er kündigte an, er wolle bald wieder in Indien einen Film drehen. Kingsley ist in einem weiteren Film auf der Berlinale zu sehen. Am (morgigen) Sonntag feiert «Elegy» Premiere, in dem auch Penélope Cruz mitspielt. (dapd)

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