Aktualisiert 11.05.2017 20:41

Devisen für NordkoreaBerliner Hostel finanziert Kims Atomprogramm

Eine Herberge mitten in Berlin dient als Geldquelle für Nordkoreas Raketen- und Atomprogramm. Nun schreitet die deutsche Regierung ein.

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Für Kim Jong-un ins Hostel-Bett: Die Herberge mitten in Berlin dient als Geldquelle für das Regime von Nordkorea. (Video: Tamedia/AFP)

«Preise sind sehr vernünftig und die Zimmer wirklich nett. Das Hostel liegt nahe am Brandenburger Tor, kaum 20 Minuten zu Fuss.» Oder: «Gute Atmosphäre, ich würde jederzeit nochmal hier buchen» — die Kommentare auf Tripadvisor des City Hostel in Berlin tönen verlockend. Was die Gäste nicht ahnen: Die Herberge ist Teil der Strategie Nordkoreas, an Devisen zu kommen.

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Das City Hostel an der Glinkastrasse 5 in Berlin ist bei Touristen sehr beliebt: Die Herberge ist nett, die Preise anständig und die Lage ideal.

Das City Hostel an der Glinkastrasse 5 in Berlin ist bei Touristen sehr beliebt: Die Herberge ist nett, die Preise anständig und die Lage ideal.

Tripadviser
Nur: Die Herberge dient als Geldquelle für das Regime von Nordkoreas Diktator Kim Jong-un.

Nur: Die Herberge dient als Geldquelle für das Regime von Nordkoreas Diktator Kim Jong-un.

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Das Gebäude steht auf dem Gelände der nordkoreanischen Botschaft im Herzen Berlins und wird seit 2004 an einen Betreiber vermietet.

Das Gebäude steht auf dem Gelände der nordkoreanischen Botschaft im Herzen Berlins und wird seit 2004 an einen Betreiber vermietet.

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Das City Hostel sowie das Kongresszentrum For-X stehen auf dem Gelände der nordkoreanischen Botschaft in der Mitte Berlins und werden seit 2004 an zwei Betreiber vermietet. Damit erzielt die Botschaft jeden Monat hohe fünfstellige Beträge. Die erwirtschafteten Devisen werden nach Überzeugung von Experten dazu genutzt, Luxusgüter einzukaufen und das ehrgeizige Raketen- und Atomprogramm von Diktator Kim Jong-un zu finanzieren.

Finanzquellen austrocknen

Die deutsche Bundesregierung will nun die Geschäftstätigkeiten der Botschaft erheblich einschränken. Möglich machen das neue Sanktionen, die der UNO-Sicherheitsrat Ende 2016 nach dem fünften Atombombentest Nordkoreas verhängt hatte. Darin werden unter anderem Vermietungsgeschäfte auf nordkoreanischen Botschaftsgeländen untersagt.

Skifahren im Staat der Kontrolle

Einsame Hänge, leere Lifte und nur wenige geübte Skifahrer. Kim Jong-uns Skigebiet in Nordkorea bleibt leer. (Video: Tamedia/AFP)

Grund für die Strafmassnahme seien «die permanenten nuklearen Drohgebärden, die uns grosse Sorgen machen», zitiert die «Süddeutsche Zeitung» (SZ) aus einer Erklärung des Auswärtigen Amts. Die neuen Sanktionen zielten demnach darauf ab, der nordkoreanischen Vertretung in Berlin das Erwirtschaften von Devisen zu untersagen. Es sei notwendig, «dass wir die Finanzquellen dieses Nuklearprogramms noch konsequenter austrocknen», erklärte Aussen-Staatssekretär Markus Ederer gegenüber der SZ.

Diplomaten tun alles, um nicht zurückkehren zu müssen

Nordkoreanische Botschaften würden weltweit eine wichtige Rolle spielen, um die seit Jahren verhängten Finanzsanktionen zu unterlaufen, heisst es im Bericht. Die nordkoreanische Vertretung in Berlin gilt in Regierungskreisen als Problemfall: Die Vertretung stehe seit Jahren unter Beobachtung, weil sie eine Rolle bei der versuchten Beschaffung von sensiblen Gütern für das nordkoreanische Waffenprogramm spiele.

Wie «Spiegel online» berichtet, müssten sich Nordkoreas Botschaften selbst finanzieren. Jeder Nordkoreaner, der im Ausland arbeitet, sei verpflichtet, dem Vaterland sogenannte Loyalitätsgelder abzuführen, erklärte Überläufer Han Jin-myung dem «Spiegel». Diplomaten seien «hochgradig motiviert, denn wenn sie die Vorgaben aus Pyongyang treu erfüllen, brauchen sie nicht nach Nordkorea zurückzukehren und dürfen dauerhaft im Ausland bleiben». Vielen graue es vor dem Tag, an dem sie in die Heimat zurückbeordert werden.

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