«Total alles über die Schweiz»: Berlinerin erklärt die Schweiz in Zahlen
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«Total alles über die Schweiz»Berlinerin erklärt die Schweiz in Zahlen

Mögliche und unmögliche Zahlen und Fakten zur Schweiz in bunte Grafiken gepackt. Hätten Sie gewusst, dass hier täglich 1352 Kriminalfälle registriert werden?

von
B. Zanni

«Total alles über die Schweiz», lautet der vollmundige Titel des Buches der Journalistin und Autorin Susann Sitzler. Darin präsentiert sie viele Fakten, Zahlen und Weisheiten zu Land und Leuten in 60 Infografiken und Illustrationen, die nicht nur für Ausländer, sondern auch für Einheimische das eine oder andere Aha-Erlebnis bereithalten (siehe Bildstrecke).

Vieles ist aber auch bekannt. So serviert Sitzler den Lesern mit Piktogrammen einen Abriss über die Geschichte von Wilhelm Tell und Heidi, zeigt, was das Sackmesser draufhat oder erklärt den Mythos der SBB. Wer typisch schweizerisch kochen will, kann sich der Rezepte für das perfekte Fondue und für das Original-Birchermüesli bedienen.

Tragischer Fakt

Die Autorin stellt neben den Traditionen und Klischees beinahe sämtliche Zahlentabellen des Bundesamts für Statistik anschaulich dar. Eine Grafik illustriert, was in der Schweiz in 24 Stunden alles passiert. Zum Beispiel wachen 8,391 Millionen Menschen auf, 4'816 Millionen Leute arbeiten, 117 geben sich das Ja-Wort und 92 werden eingebürgert.

Sitzler weiss sogar, dass in dieser Zeit 525'000 Hunde ausgeführt werden, Herr und Frau Schweizer 2,7 Tonnen Schokolade verdrücken – und 12 Kilogramm Kokain konsumieren. Einen Fakt bezeichnet sie als tragisch: In 24 Stunden begehen drei Personen Suizid. «Dabei heisst es, den Leuten in der Schweiz gehe es gut und sie hätten viele Möglichkeiten, um ihre Probleme zu lösen.»

Kuriose Namen:«Emmenegger» und «Liechti»

Die Autorin hat auch die Schweizer Vor- und Nachnamen unter die Lupe genommen. Viele Mädchen, die 2013 geboren wurden, heissen Leonie oder Lea. Bei den Buben sind Julian oder Gian der Renner. «Ich rechnete damit, dass die Eltern wegen der Globalisierung mehr exotische Namen wählen», sagt Sitzler. Unter den häufigsten Nachnamen figurieren Meier und Schmid. In die Kategorie «kuriose Nachnamen» setzt die Autorin «Hösli», «Emmenegger» und «Liechti». Was soll an diesen kurios sein? «Den Deutschen zum Beispiel kommen diese Namen völlig absurd vor, denn sie können sie kaum aussprechen», erklärt die Wahl-Berlinerin, die in Basel aufgewachsen ist.

Zudem fällt ihr auf, dass die Deutschen gewisse Wörter falsch interpretieren. «Ich nerve mich immer, wenn die Leute meinen, ein Gipfeli sei wegen des ‹li› am Ende was Herziges.» Eine kleines Lexikon erklärt, dass ein Gipfeli ein Croissant ist, ein Bünzli ein Spiessbürger und ein Rüebli eine gewöhnliche Karotte.

Kritiker finden das Buch eine Frechheit

Was das Essen angeht, steht bei den Schweizern eine gesunde Ernährung hoch im Kurs. Pro Jahr nehmen sie 89,7 Kilo Gemüse, 76,6 Kilo Obst und 50,5 Kilo Fleisch zu sich. Die Schweizer Alltagsküche stehe auf einem sehr hohen Niveau, stellt die Autorin fest. «Es wird viel frisch und durch den italienischen Einfluss oft leicht gekocht.» In Norddeutschland dagegen dominiere die schwere Küche mit Fleisch, Kartoffeln und dicken Saucen. «Solange die Portion gross ist, freuen sich die Deutschen auch über Fleisch in der miesesten Qualität.»

Laut Sitzler sind die Reaktionen auf das Buch mehrheitlich positiv ausgefallen. Einige Leute hätten sich aber auch fast beleidigt gefühlt. «Sie finden es eine Frechheit, die Schweiz auf einer solch sachlichen Ebene zu erklären.» Da bleibt zu hoffen, dass böse Zungen das Buch schlimmstenfalls als «Chabis» betiteln – übrigens eine der harmloseren Beleidigungen in der Grafik «Wüescht und Schlötterlig».

Autorin liest in Zürich

Susann Sitzler stellt das Buch "Total alles über die Schweiz" vor am Sonntag, 6. Dezember 2015, um 13 Uhr, bei Orell Füssli am Bellevue, Theaterstrasse 8, 8001 Zürich.

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