Aktualisiert 15.02.2011 12:26

RubygateBerlusconi muss vor Gericht

Gegen den italienischen Premierminister wird laut italienischen Medien ein Schnellverfahren eröffnet. Das habe die zuständige Mailänder Ermittlungsrichterin entschieden.

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Ermittlungsrichterin Cristina Di Censo hat die Gerichtsverhandlung auf den kommenden 6. April festgesetzt, wie der «Corriere della Sera» und «La Repubblica» berichten. Berlusconi muss sich vor der vierten Strafkammer des Mailänder Gerichts verantworten. Dabei soll der Cavaliere von drei Frauen beurteilt werden: Richterinnen Carmen D'Elia, Orsola De Cristofaro und Julia Turri.

Das Schnellverfahren war von den Staatsanwälten gefordert worden, die wegen Amtsmissbrauch und Förderung der Prostitution mit einer Minderjährigen gegen den italienischen Premierminister ermitteln.

Berlusconis neustes Problem heisst Iris

Konkret geht es um Berlusconis Beziehung zu einer Marokkanerin mit dem Spitznamen «Ruby»: Berlusconi soll in der Nacht vom 27. auf den 28. Mai 2010 sein Amt als Premierminister missbraucht haben, als er Beamte der Mailänder Staatsanwaltschaft dazu brachte, die junge Prostituierte freizulassen.

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«Nichts anderes erwartet»

Die Reaktion von Berlusconi auf die Meldung des Mailänder Gerichts liess nicht lange auf sich warten. Wie die Zeitung «La Stampa» berichtet, sagte Berlusconis Verteidiger Niccolò Ghedini: «Wir haben nichts anderes erwartet.» Dass im Richterstand drei Frauen sitzen, kommentierte Anwalt Piero Longo, Mitglied des Verteidigerteams, ironisch: «Im Prozessfall Mills kamen schon Frauen vor. Grossartig! Frauen sind willkommen und auch manchmal sogar angenehm.»

Die Staatsanwaltschaft wirft Berlusconi vor, auf einer der Partys die damals noch 17-jährige Ruby für Sex bezahlt zu haben. Als diese später unter dem Verdacht eines Diebstahls festgenommen wurde, soll er seinen Einfluss genutzt haben, sie aus Polizeigewahrsam zu holen. Der Ministerpräsident habe befürchtet, in einem Ermittlungsverfahren gegen die Frau könnte seine Beziehung zu ihr enthüllt werden.

Es droht 15 Jahre Haft

Italienische Medien veröffentlichten in den vergangenen Wochen zahlreiche pikante Details über wilde Sexpartys in verschiedenen Villen des Regierungschefs. Ein Teil der Informationen war abgehörten Gesprächen zwischen Frauen entnommen, die an den Partys teilgenommen hatten.

Die Mailänder Staatsanwälte hatten vor einer Woche ein Schnellverfahren gegen Berlusconi beantragt. Der Cavaliere hatte damals den Antrag als gezielte Verleumdungskampagne der Medien zurückgewiesen.

Der italienische Regierungschef war in den vergangenen Jahren bereits mehrfach in Konflikt mit der Justiz geraten. Der aktuelle Fall ist jedoch der erste, in dem es um sein Privatleben geht. Im Fall einer Verurteilung drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft.

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