Italien: Berlusconi-Regierung will Roma-Kinder registrieren lassen

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ItalienBerlusconi-Regierung will Roma-Kinder registrieren lassen

Die italienische Regierung will künftig die Fingerabdrücke der im Land lebenden Roma speichern lassen. Das Projekt soll auch Minderjährige einschliessen, was heftige Kritik hervorgerufen hat. Die EU bezeichnete die Massnahme als illegal.

Mit der Massnahme soll nach Angaben von Innenminister Roberto Maroni eine Möglichkeit geschaffen werden, um die Jugendlichen identifizieren zu können. Minderjährige Roma müssten oft als Bettler arbeiten und könnten daher nicht zur Schule gehen.

«Dies ist der richtige Weg, um Minderjährigen ihre Rechte zu garantieren», zitierte die Zeitung «La Repubblica» den rechtspopulistischen Politiker der Lega Nord am Freitag.

Der Sprecher der EU-Kommission, Pietro Petrucci, sagte, dass kein Land das Recht habe, auf ethnischer Basis Fingerabdrücke abzunehmen. Die EU-Kommission könne jedoch keine Stellung zu einfachen Aussagen von Politikern beziehen. «Es handelt sich nur um Aussagen von Akteuren auf Italiens politischer Szenerie.»

«Gedächtnis verloren»

Der frühere Präsident der jüdischen Gemeinschaft in Italien, Amos Luzzatto, kritisierte den Plan als «ethnische Diskriminierung». «Das Land scheint sein Gedächtnis verloren zu haben», sagte er.

Der ehemalige Sozialminister der Linken, Paolo Ferrero, sprach von «rassistischer Demagogie». Bei der Idee handle es sich um «die gleiche Philosophie, Kultur und Politik, die seinerzeit vom Faschismus und von Benito Mussolini praktiziert wurden.»

«Opfer zu Tätern machen»

Die Kinderschutzorganisation UNICEF erklärte, man könne Kinder nicht dadurch beschützen, dass man ihre Grundrechte verletze: «Wir dürfen die Opfer nicht zu Tätern machen.»

In Italien leben nach neuesten Zählungen etwa 160 000 Roma und Sinti. Etwa 60 000 von ihnen stammen aus Rumänien, viele kommen aus dem früheren Jugoslawien. Fast die Hälfte sind italienische Staatsbürger.

Erst im Mai hatten Bürger in Neapel Roma-Siedlungen mit Molotow- Cocktails und Steinen angegriffen. Die konservative Regierung von Silvio Berlusconi kündigte an, die Barackenlager in Mailand und anderen Metropolen auflösen zu wollen.

(sda)

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