Sterbehilfe: Berlusconi verzichtet auf Eilgesetz
Aktualisiert

SterbehilfeBerlusconi verzichtet auf Eilgesetz

Nach dem Tod der Koma-Patientin Eluana Englaro hat der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi sein Eilgesetz gegen die Sterbehilfe zurückgezogen. Leider habe man der Frau nicht helfen können, sagte Berlusconi der Zeitung «Il Messaggero».

Der «Fall Eluana» hatte Italien über Jahre bewegt. Nach 17 Jahren im Wachkoma war die Frau am Montagabend in Udine gestorben. Erregte Gegner und Befürworter der Sterbehilfe gerieten daraufhin im Parlament und vor dem Altersheim aneinander, in das Eluana Englaro am Freitag gebracht worden war.

Das auf Eluana zugeschnittene Eilgesetz wurde mit dem Tod der Patientin hinfällig. Jetzt will die Regierung ein Gesetz über Patientenverfügungen vorbereiten, wie Gesundheitsminister Maurizio Sacconi erklärte.

Eluana Englaro hatte seit Samstag keine künstliche Ernährung mehr erhalten. Sie starb am Montag kurz nach 20 Uhr und damit deutlich früher, als von den Ärzten erwartet. Diese hatten vorausgesagt, dass die Patientin auch ohne Nahrung und Flüssigkeit noch «12 bis 14 Tage» leben könne.

Eluana sei unerwartet an Herzversagen gestorben, nachdem ihre Nieren aufgehört hatten, zu funktionieren, teilten die Ärzte der Klinik La Quiete in Udine mit.

«Sie ist getötet worden»

In katholischen Kreisen glaubt man an diese Version nicht. «Sie ist nicht gestorben, sie ist getötet worden», hiess es in einem Kommentar der katholischen Tageszeitung «L'Avvenire», Sprachrohr der italienischen Bischofskonferenz CEI. Die Staatsanwaltschaft von Udine will die Hintergründe von Eluanas Tod überprüfen.

Der vatikanische Pressesprecher Pater Federico Lombardi rief die Öffentlichkeit auf, den Ton zu mildern. «Eluana ist jetzt im Frieden. Wir hoffen, dass nach den heftigen Diskussionen die Öffentlichkeit einen konstruktiven Weg findet, um das Leben bis zum Ende zu respektieren», erklärte Lombardi. (sda)

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