Aktualisiert 05.07.2012 07:20

Nach Hochwasseralarm

Bern atmet auf

Nachdem am späten Nachmittag in Steffisburg BE die Zulg über die Ufer getreten war, drohte der Stadt Bern eine Überschwemmung. Doch am späten Abend hat sich die Situation entschärft.

von
sda/hag

«Es scheint als wären wir nochmals mit feuchten Füssen davongekommen.» Franz Märki, Mediensprecher der Berufsfeuerwehr Bern, ist hörbar erleichtert. Am Mittwochabend konnte er Entwarnung geben: Die Stadt Bern ist noch einmal mit dem Schrecken davongekommen.

Am späten Abend hat sich die Hochwassersituation in der Bundesstadt entspannt. Seit 21 Uhr sinke die Wassermenge leicht, so Märki. «Es war ein Wettlauf gegen die Zeit, den wir, wie es aussieht, gewonnen haben.» «Wenn es jetzt nicht plötzlich irgendwo heftig regnet, dann muss man nicht mehr mit einer Verschärfung der Situation rechnen», sagte Märki gegen 22 Uhr.

Dennoch blieb ein Sicherheitsdispositiv die ganze Nacht über auf den Beinen. Auch sämtliche mobilen Hochwassersperren entlang der Aare blieben die Nacht über stehen. Die Situation wurde weiter genau beobachtet, kündigte der Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause gegenüber der SF-Nachrichtensendung «10vor10» am Abend an.

Schwemmholz verschärft die Situation

Durch das viele Schwemmholz habe sich die Situation verschärft, erklärte Märki. Solange das Wasser primär von Thun komme, sei die Situation normalerweise unter Kontrolle. Doch wenn wie dieses Mal ein Ereignis zwischen Thun und Bern dazukomme, sei das eine neue Situation, fügte er an.

Um 20.15 Uhr dann ertönten im Berner Mattequartier die Sirenen, wie ein Leser-Reporter, der direkt an der Aare wohnt, gegenüber 20 Minuten Online erklärte. «Wir haben sofort unseren Keller ausgeräumt und die Sachen in die oberen Geschosse in Sicherheit gebracht», erzählt der Leser-Reporter weiter. Die Feuerwehr habe dann eine mobile Schwelle in der Aare entfernt. Damit sollte gewährleistet werden, dass das Treibholz ohne Hindernis abfliessen kann.

SMS an die Bewohner

Die Bevölkerung in den betroffenen Quartieren sei gegen 18 Uhr per SMS alarmiert worden, sagte Franz Märki der Nachrichtenagentur SDA. Die Anwohner zeigten sich allerdings routiniert im Umgang mit dem drohenden Hochwasser: «Wir hatten keine grosse Angst. Es gibt jeweils zwei bis drei kritische Stellen und dort scheint sich das Wasser bereits etwas zurückgezogen zu haben», sagte die Anwohnerin Rosmarie Bernasconi. «Wir sind alle hochwassererprobt. Die meisten von uns haben ihre eigene private Hochwasserschutzanlage und sind generell gut gegen überraschendes Hochwasser vorbereitet.»

An verschiedenen Orten stellten Privatpersonen gelagerte Sandsäcke auf, um sich vor dem drohenden Hochwasser zu wappnen. Die Feuerwehr unterstützte sie dabei. Die Anwesenden und die Anwohner der betroffenen Quartiere wurden aufgefordert, exponierte Keller zu räumen. Wegen der Überflutungsgefahr sollten auch die Fahrzeuge aus der Gefahrenzone gebracht werden, hiess es etwa per Lautsprecher.

Im Moment habe er noch keine Kenntnis von Schäden, sagte Märki weiter. In einer solchen Situation könne man nie schnell genug reagieren. Weil die Situation mit der Zulg plötzlich eingetreten und eine Messstation mitgerissen worden sei, habe das kantonale Amt für Wasser und Abfall relativ spät Informationen erhalten.

Deich konnte entlastet werden

Dafür habe man dann aber rasch darauf reagiert, versicherte Märki. Das Amt schloss deshalb den Hochwasserentlastungsstollen in Thun, damit nicht noch zusätzliche Wassermassen Richtung Bundesstadt fliessen.

Rund 65 Personen von Berufsfeuerwehr und weiteren Einheiten standen entlang der Aare im Einsatz. In den Quartieren Marzili, Dalmazi, Altenberg und Felsenau wurden Hochwassersperren aufgebaut. Im Mattequartier hatte die Feuerwehr einen riesigen Kran aufgestellt, um einzelne Elemente aus der Schwelle zu entfernen. Damit konnte der Deich entscheidend entlastet werden.

Ab 20 Uhr führte die Aare bis zu 450 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. In den letzten Tagen waren es rund 330 Kubikmeter, dabei war das Flussbett bereits fast voll gewesen. Bei den verheerenden Hochwassern von 1999 und 2005 hatte die Aare allerdings um die 600 Kubikmeter pro Sekunde geführt.

Das Hochwasser erreicht die Stadt Bern:

Treibgut in der Aare:

(Alle Videos: Leser-Reporter)

Auch im Rheintal viel Arbeit für die Feuerwehr

Das heftige Gewitter vom Mittwochabend hat im St. Galler Rheintal vielerorts zu überfluteten Kellern und Garagen geführt. Die Feuerwehren leisteten 80 Einsätze. Stark betroffen waren St. Margrethen, Montlingen und Oberriet.

Auch in Au, Widnau, Balgach, Heerbrugg und Diepoldsau musste die Feuerwehr Keller auspumpen, wie die Kantonspolizei mitteilte. Das Gewitter war zwischen 19 und 21 Uhr nieder gegangen.

Auch im Toggenburg kam es zu Problemen. Die Schwägalpstrasse zwischen Rietbad und Seebensäge wurde überflutet und musste bis 21 Uhr gesperrt werden. (sda)

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