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Mietbare MikromobilitätBern bekommt seine E-Scooter – inklusive Fahrsperre für Betrunkene

Unter strengen Auflagen und vorerst für eine begrenzte Zeit werden in Bern mietbare E-Roller zur Verfügung stehen. Bereits in wenigen Wochen soll es losgehen.

von
Christian Holzer
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Schon bald in Bern: Mietbare E-Scooter.

Schon bald in Bern: Mietbare E-Scooter.

Voi
Die Stadt Bern hat einem einjährigen Pilotversuch zugestimmt.

Die Stadt Bern hat einem einjährigen Pilotversuch zugestimmt.

Tier
Bereits im Winter soll es losgehen: 250 Fahrzeuge sollen zum Einsatz kommen.

Bereits im Winter soll es losgehen: 250 Fahrzeuge sollen zum Einsatz kommen.

Voi

Darum gehts

  • 2021 werden in Bern mietbare E-Scooter zur Verfügung stehen.

  • Die Stadt hat zwei Unternehmen den Zuschlag gegeben.

  • 250 Fahrzeuge werden vorerst zur Verfügung stehen.

  • Es handelt sich vorerst um ein einjähriges Pilotprojekt.

Doch noch: Die Stadt Bern gibt grünes Licht für die Nutzung von mietbaren E-Scootern. Wie die Stadt am Mittwoch bekannt gab, haben gleich zwei Anbieter den Zuschlag bekommen. Sie sollen gemeinsam 250 elektrisch angetriebene Trottinette stellen. Jedoch gelten strenge Regeln, wie Karl Vogel, Leiter Verkehrsplanung, klarstellt: «Zustände wie in Zürich wollen wir nicht.» Die Stadt verlangt, dass der Betrieb mit den Scootern ordentlich verläuft: Sie sollen nicht rumliegen und zu Stolperfallen verkommen oder in dichten Fussgängerzonen fahren dürfen.

«Wir haben Areale bestimmt, an denen die Fahrzeuge nicht mit Motor fahren dürfen – etwa die obere und die untere Altstadt», so Vogel. Auch seien «Publikumszonen» festgelegt worden – dort dürfen die Fahrzeuge nur an bestimmten Orten abgestellt werden. Wie die Anbieter die Vorgaben umsetzen würden, sei ihnen überlassen: «Aus diesem Grund haben wir uns auch für zwei Unternehmen entschieden. Wir wollen sehen, wie sie ihr System darauf auslegen.»

Ohne entsprechende Einsprachen der übrigen drei Mitbewerber dürfen die Scooter ab Januar 2021 in die Stadt rollen. Die Pilotphase ist auf ein Jahr beschränkt: «Sollte sich zeigen, dass der Betrieb zufriedenstellend verläuft, besteht die Option einer zweijährigen Verlängerung.»

Voi und Tier

Den Zuschlag für das Projekt haben das schwedische Unternehmen Voi sowie die Firma Tier aus Berlin erhalten. Beide geben an, möglichst noch im Winter ihre E-Scooter zur Verfügung stellen zu wollen. Diese sollen auch bei Winter-Wetterverhältnissen eine sichere und ökologische Transportalternative darstellen: «Bei riskanten Wetterlagen, wie Eisglätte, behalten wir uns vor, den Betrieb einzustellen», so Amre Argön von Tier. Nutzer würden dann in der App darüber informiert. Um die Sicherheit der Träger zu erhöhen, bietet Tier einen faltbaren Helm für die Kunden.

Wegen Covid macht man sich in Schweden deswegen bereits weitere Gedanken. Um Hygieneregeln einzuhalten, sollen Fahrerinnen und Fahrer möglichst einen eigenen Helm benutzen. Die Nutzer sollen vor der Fahrt ein Selfie machen, sagt Voi-Sprecher Caspar Spinnen: «Die App erkennt, ob die Fahrer einen Helm tragen, und reduziert dann automatisch die Fahrtkosten.» Die Funktion sei derzeit in Entwicklung.

Reaktionstest während Abendzeiten

Wie hoch die Kosten für eine Fahrt bei Voi aussehen werden, ist noch nicht definiert: Vielfahrer sollen jedoch bis zu 40 Prozent günstiger fahren können. Zudem soll es aktuell für medizinisches Personal oder «Menschen, die es wegen Corona besonders schwer haben», Freifahrten geben. Etwas konkreter sind die Zahlen bei Tier: 1 Franken für das Freischalten des Scooters, danach 40 Rappen pro Minute. Dazu werden verschiedene Tages- oder Monatspakete angeboten.

Geortet und entsperrt werden die Fahrzeuge via App. Bei Voi soll diese sogar erkennen, ob die Benutzer auch fahrfähig sind: «Wir wollen proaktiv Gefahren vorbeugen und haben deshalb in der Schweiz eine Technologie eingeführt, die es uns erlaubt, in den Abendstunden einen Reaktionstest durchzuführen», so Spinnen. Der Test komme seit einigen Wochen zum Einsatz und solle weiter ausgebaut werden. Bevor man den Scooter entsperren kann, erscheint in der App ein Bildschirm mit kleinen Symbolen, die es anzutippen gilt, bevor sie wieder verblassen. Bei einer zu hohen Fehlerquote erhalten die Nutzer einen Hinweis vom System und werden dazu aufgefordert, aus Sicherheitsgründen besser zu Fuss zu gehen oder den ÖV zu nehmen.

Nicht nur für Junge

«Ich freue mich sehr auf die Pilotphase und bin überzeugt, dass es sich dabei um eine sinnvolle Erweiterung des bestehenden Angebots handelt», sagt der Berner Verkehrsplaner Karl Vogel. Er habe die Nutzung ähnlicher Systeme in mehreren Städten beobachtet. Die Gefährte würden nicht nur von Jungen genutzt – auch reifere Semester würden sich daran erfreuen: «Und ich selber werde auf jeden Fall auch auf die Scooter steigen.»

Mikromobilität

E-Trottinette, kleine E-Bikes, Segways, PW-ähnliche Autos: Immer häufiger begegnen wir in urbanen Regionen den kleinen elektronischen Fahrzeugen. In anderen Ländern gehören sie längst zum Stadtbild. Die kleinen und leichten Fahrzeuge bieten meist eine maximale Geschwindigkeit von rund 25 km/h. Der Begriff setzte sich 2017 am Micromobility Summit in Kopenhagen durch.

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31 Kommentare
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Habe sie probiert

26.11.2020, 14:25

Kaum einer kann Handzeichen geben, weil dann die Lenkung zu zittern beginnt. Auch sind die kleinen Räder bei Tramschienen, Schachtdeckeln usw sehr gefährlich. Das Rütteln auf Kopfsteinpflaster macht auch keinen Spass und die Teile schnell kaputt.

Ironie

26.11.2020, 10:30

Man kann jetzt sogar die Autoparklätze für E-Scooters abbauen, mich freuts natürlich

Lukas

26.11.2020, 09:45

Das hat doch bereits in Zürich nicht geklappt. Warum sollte es nun in Bern?