Bern: Köpferollen im EDA

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Bern: Köpferollen im EDA

Die Visa-Affäre in Pakistan hat Konsequenzen: Der Schweizer Botschafter in Islamabad und das ganze Personal werden abgelöst. Gegen drei Schweizer wurden Disziplinaruntersuchungen eingeleitet.

Nach Abschluss der Administrativuntersuchung über die Vorgänge teilte dies das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) am Donnerstag in einem Communiqué mit.

Dabei betonte das EDA, die Untersuchung habe gezeigt, dass sich das Schweizer Personal bei der Botschaft nicht strafbar gemacht habe. Die Arbeit war aber mangelhaft und Vorschriften wurden nicht eingehalten, deshalb habe Bundesrätin Micheline Calmy-Rey die Disziplinaruntersuchungen eröffnet.

Den drei Männern sei während ihrer jeweiligen Amtsdauer die Gesamtverantwortung für die Führung der Botschaft zugekommen, schreibt das EDA. Der Kanzleichef habe seine Aufsichts- und Kontrollpflichten vernachlässigt.

Die Visaabteilung in Islamabad bleibt weiterhin geschlossen. Laut EDA-Angaben erleichterten die organisatorischen Mängel in der Kanzlei der Botschaft die Erschleichung von Visa.

Ein in die Visa-Affäre an der Schweizer Botschaft in Islamabad verwickelter pakistanischer Angestellter ist in Grossbritannien gefasst worden. Nach Angaben der pakistanischen Bundespolizei (FIA) wurde der Flüchtige mit Hilfe von Interpol Schweiz gefunden.

Fünf Pakistaner sind unterdessen in Untersuchungshaft, wie Generaldirektor Tariq Khosa am Donnerstag der Nachrichtenagentur SDA sagte. Einer von ihnen - Angestellter an der Schweizer Botschaft in Islamabad - soll Sex und Geld als Gegenleistung für ein Einreisevisum in die Schweiz verlangt haben.

Während der Verhöre seien Schweizer Mitarbeiter der Vertretung in der pakistanischen Hautpstadt als Drahtzieher eines schwungvollen Visa-Handels und von Menschenschmuggel genannt worden. Die Anschuldigungen würden derzeit geprüft, so Khosa weiter. In die Affäre waren demnach bis zu zehn pakistanische Reisebüros aus Islamabad und Rawalpindi verwickelt.

Die Ausstellung von missbräuchlichen Visa durch die Schweizer Botschaft in Pakistan hatte sowohl in Bern wie in Islamabad für Aufsehen gesorgt. Während ihres Arbeitsbesuches in Pakistan Anfang Mai bestätigte Calmy-Rey, dass die Schweizer Vertretung Ziel einer «mafiösen Organisation» geworden sei, die Menschenhandel betreibt.

(sda)

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