Aktualisiert 13.11.2007 13:06

Bern: Kritik an Schlösser-Ausverkauf

Mit ihren Plänen zum Verkauf historischer Schlösser an Private handelt die Berner Kantonsregierung gegen die Empfehlung des kantonalen Denkmalpflegers Jürg Schweizer. Dieser lehnt die Privatisierung der historisch wichtigsten Bauten ab.

Ende Juli hatte die Kantonsregierung angekündigt, welche Pläne sie für 21 kantonale Liegenschaften schmiedet, die mit der Reduktion der Amtsbezirke künftig nicht mehr gebraucht werden.

Fünf historisch und regional besonders bedeutsame Gebäude will die Kantonsregierung den Standortgemeinden zum Kauf anbieten, nämlich die Schlösser von Burgdorf, Laupen, Trachselwald und Büren sowie den «Käfigturm» des Schlosses Belp. Falls sie nicht auf das Angebot eintreten, will der Kanton die Schlösser allenfalls im freien Verkauf anbieten.

Verkauf an Private ausgeschlossen

Indem die Regierung diese Option explizit offenhält, handelt sie gegen die Empfehlung des kantonalen Denkmalpflegers Jürg Schweizer, wie dieser am Dienstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA bestätigte.

In seinen Empfehlungen an die federführende Baudirektion lehnte Schweizer mit Ausnahme von Belp den Verkauf der erwähnten Schlösser ab oder erachtet ihn gar als ausgeschlossen. Gleiches gilt für einen Verkauf der Schlösser Fraubrunnen und Wimmis, für die der Kanton einstweilen eine weitere Nutzung durch die Verwaltung prüft.

Es sei «gleich in mehrfacher Hinsicht auszuschliessen, dass der Kanton die Verantwortung über diese historischen Bauten an Private abgibt», sagt Schweizer.

Der erste Einwand des Denkmalpflegers betrifft den künftigen Unterhalt der Gebäude: Ein mittelalterlicher Wehrturm ohne Fenster und Heizung oder ein repräsentativer Dachstuhl in der Grösse von fünf Einfamilienhäusern könne nicht umgenutzt werden und werfe deshalb nie einen Ertrag ab.

Niemand könne deshalb garantieren, dass sich ein privater Besitzer auch in hundert Jahren pflichtgemäss um den Unterhalt dieser Bauteile kümmern werde.

Tradition und Identifikation

Gegen einen Verkauf an Private wirft Schweizer aber auch andere Bedenken ein: Die betreffenden Schlösser seien nicht nur architektonisch, sondern auch historisch wertvoll und übten eine wichtige Identifikationsfunktion aus.

Das Schloss Trachselwald etwa gelte seit dem 14. Jahrhundert als Wahrzeichen der Kantonserweiterung um das obere Emmental und als Denkmal des Bauernkriegs. In Laupen habe das Alte Bern seinen ersten «Amtsbezirk» eingerichtet. Solche Bauten nun plötzlich an einen Privaten zu veräussern, sei «undenkbar».

Bedenken in den Wind geschlagen

«Es erstaunt, dass die Regierung dem Gesichtspunkt der Identifikation und dem Zusammengehörigkeitsgedanken nicht mehr Gewicht beimisst», sagt Schweizer.

«Immerhin war man noch 1991 bei der Feier 800 Jahre Bern stolz auf unsere Schlösser, heute sind sie scheinbar eine quantité négligeable». Seine Bedenken seien von der federführenden Baudirektion offenbar in den Wind geschlagen worden. «Massgebend waren nur finanzielle Argumente».

Aus seiner Sicht sei für diese Bauten nur eine öffentlich-rechtliche Trägerschaft denkbar, sagte Schweizer. Diese Aufgabe könne allenfalls eine Stiftung übernehmen; andernfalls müsse der Kanton seine Verantwortung weiter wahrnehmen.

Schweizer betont, den Plänen der Regierung differenziert gegenüberzustehen. Ein Verkauf an Gemeinden stehe nichts im Weg, das Beispiel Burgdorf zeige aber, dass dieser Weg kaum realistisch sei. Ein Verkauf jüngerer Objekte, die erst im 19. Jahrhundert in den Besitz des Kantons Bern kamen, sei aus seiner Sicht zudem durchaus zulässig.

Egger: Nicht an russischen Investor

Beim geplanten Vorgehen handle es sich um einen Entscheid der Gesamtregierung, sagte die Baudirektorin Barbara Egger (SP) dazu auf Anfrage. «Es ist klar, dass der Denkmalpfleger dabei seine Rolle wahrnimmt, die Regierung hat ihren Entscheid aber auch auf andere Faktoren abzustützen.»

Die Schlösser würden «sicher nicht an irgendeinen russischen Investor verkauft», sagte Egger. Denkbar sei aber beispielsweise der Verkauf an eine private Stiftung. Die Regierung werde zudem jeden Verkauf einzeln absegnen. Dabei würden die Anliegen der Regionen und Gemeinden mit einbezogen. Auch jene der Denkmalpflege würden «mit berücksichtigt».

Das letzte Wort zu den Schlossverkäufen ist also noch nicht gesprochen. Bereits kommende Woche wird sich der Grosse Rat mit dem geplanten Verkauf des Schlosses Burgdorf befassen, gegen den sich die Stadtregierung zur Wehr setzt. (sda)

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