Berna und Ursina: Bern schiebt seine Bären nach Rumänien ab
Aktualisiert

Berna und UrsinaBern schiebt seine Bären nach Rumänien ab

Eine Bärenauffangstation im rumänischen Zarnesti hat das Rennen um die beiden Jungbären aus dem Berner Bärenpark gemacht. Dort werden sie mit anderen Bären, die vorwiegend aus schlechter Haltung stammen, zusammenleben.

Nicht der Tiroler Alpenzoo im österreichischen Innsbruck, wie zuerst spekuliert, sondern eine grosse Bärenauffangstation im rumänischen Zarnesti, rund 200 Kilometer nordwestlich von Bukarest, hat das Rennen um die beiden Jungbären aus dem Berner Bärenpark gemacht. Und so werden Berna und Ursina in Zukunft zusammen mit ihren Artgenossen aus Osteuropa fernab von ihren Heimat herumtollen müssen.

Weltweit 270 zoologische Gärten angeschrieben

Diese Lösung kam dank der «Cristina Lapis Foundation» und deren Partnerstiftung «Hauser Bears» zustande, wie der Tierpark Dählhölzli und die Stadt Bern am Donnerstag mitteilten. Zuvor waren verschiedene Vorschläge geprüft und verworfen worden.

Schon als im Dezember 2009 Berna und Ursina im Bärenpark auf die Welt kamen, war den Verantwortlichen des Tierparks klar, dass die Jungbären nicht in Bern bleiben können. Denn Bärenmutter Björk würde, so wie es für die Tierart typisch ist, ihren Nachwuchs nach etwa zwei Jahren verstossen.

Bären Yoga

Der Tierpark schrieb 270 zoologische Gärten auf der ganzen Welt an, um einen Platz für die beiden Jungbären zu finden. Interesse hatten Zoos in Kolumbien, Indien, Indonesien und Malaysia. Diese Anlagen sind aber wegen der klimatischen Grundvoraussetzungen für europäische Braunbären nicht geeignet.

Urs heisst jetzt Ursina

Auch andere Standorte brachten sich ins Gespräch. So meldete sich etwa ein Tierpark in der Normandie, der seine Zusage aber wieder zurückzog. In der Schweiz schienen sich in Hinterkappelen BE oder Arosa GR Möglichkeiten zu eröffnen.

Für Tierpark-Direktor Bernd Schildger stellte sich mitunter die Frage, ob es den Verantwortlichen gewisser Standorte um die Bären ging oder um den Werbeeffekt in den Medien. Dies gelte aber nicht für das Projekt in Arosa, betonte er vor den Medien. Dieses sei seriös gewesen, habe aber wegen des knappen Zeitfensters verworfen werden müssen.

Badebecken und Videoüberwachung

Die Wahl fiel schliesslich auf die 80 Hektar grosse Bärenauffangstation im hügeligen Gelände der rumänischen Karpaten, die von der «Cristina Lapis Foundation» betrieben wird. Zurzeit beherbergt die Station 57 Bären in mehreren Gehegen.

Das sind vorwiegend Tiere, die aus schlechten Haltungen in Osteuropa gerettet wurden, etwa aus Zoos, Zirkussen oder Käfigen von Restaurants. Jedes Gehege ist mit Badebecken ausgestattet und wird durch Videokameras überwacht.

Die Bärenpark Stiftung garantiert künftig jährlich eine Summe von 20 000 Franken als Beitrag zum Betrieb dieser Anlage. Die Gegenleistung besteht darin, dass die Stadt Bern die Möglichkeit hat, auch in Zukunft Jungbären dort unterzubringen. Der Umzug von Berna und Ursina ist für den Herbst geplant.

Kein Alibi-Platz

Tierpark-Direktor Schildger betonte, dass die Anlage in Rumänien kein Alibi-Platz sei, um Bären zu entsorgen. Der Tierpark habe die Auffangstation evaluiert und für sehr gut befunden. Bei der Zusammenarbeit mit den Stiftungen aus Grossbritannien und Rumänien gehe es überdies darum, sich für den Schutz der Bären weltweit einzusetzen.

Die zwei anderen Jungbären in Bern, Mischa und Mascha, erhalten derweil im Tierpark Dählhölzli ein neues Gehege. Der erste Teil der neuen Anlage wird am 30. Juni offiziell eröffnet. Diese Jungbären sind ein Geschenk der russischen Präsidentengattin Swetlana Medwedewa an die Stadt Bern.

Die Berner Bären buddeln im September 2010 im Bärenpark herum

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