Massenkündigung: Bern setzt Mietprofiteure auf die Strasse

Aktualisiert

MassenkündigungBern setzt Mietprofiteure auf die Strasse

Die Stadt Bern bietet Bedürftigen günstige Wohnungen an – Hunderte nutzten dies aus. Die Folge: eine Massenkündigung.

von
Alexandra Graber
Jeder zweite Mieter erfüllt die kritierien für eine städtische Sozialwohnung nicht.

Jeder zweite Mieter erfüllt die kritierien für eine städtische Sozialwohnung nicht.

Grossverdiener statt Unter­stützungsbedürftige: In den Fonds-Wohnungen der Stadt Bern ­haben 53 Prozent der Bewohner gar keinen Anspruch auf Subventionen – dies zeigt ein interner Bericht der Stadt, der der «Schweiz am Sonntag» zugespielt wurde. Von 560 Mietparteien sind insgesamt 298 nicht anspruchsberechtigt – 25 der Mieter sind nicht einmal in der Stadt angemeldet. Bei 237 flattert jetzt die Kündigung ins Haus, ausgenommen sind aber etwa ältere Leute.

Schadet der Glaubwürdigkeit

«Es ist ein Ärgernis, dass ­manche Leute jahrelang von solchen Wohnungen unrecht­mässig profitierten», sagt SP-Stadtrat Peter Marbet. Der interne Bericht der Stadt nimmt die Mietverhältnisse erstmals unter die Lupe, vorher wurde nur unsystematisch kontrolliert. «Das ist ein miserables Ergebnis, das das Vertrauen ins System massiv untergräbt», kommt der Bericht zum Schluss – die Glaubwürdigkeit der Stadt erleide dadurch einen beträchtlichen Schaden. «Es ist aber auch nicht zu vermeiden dass so etwas geschieht – gerade bei jungen Leuten verändert sich das Einkommen und die Lebenssituation teilweise sehr schnell», sagt GFL-Stadtrat Daniel Klauser. 1,35 Millionen Franken entgingen der Stadt Bern jährlich durch die Mietprofiteure.

Der zuständige Gemeinderat Alexandre Schmidt (FDP) will am Montagmittag genauer über das Mietfiasko informieren.

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