Aktualisiert 21.12.2007 13:31

Bern: Stadtrat Jenni gestorben

Der grüne Berner Stadtrat Daniele Jenni ist in der Nacht auf heute im alter von 58 Jahren gestorben. Nationale Bekanntheit erlangte er als Mitorganisator der unbewilligten Gegenkundgebung vom 6. Oktober.

Rechtsanwalt Jenni war ein durch und durch politischer Mensch. Während insgesamt acht Jahren sass er im Grossen Rat, seit dem Jahr 2000 war er Stadtrat der Grünen Partei Bern (GPB). Auch innerhalb der grünen Bewegung war er nach dem 6. Oktober umstritten; ein Antrag auf Ausschluss wurde aber abgewiesen.

Sein langjähriger Weggefährte bei der früheren Demokratischen Alternative und der heutigen GPB, Luzius Theiler, sagte auf Anfrage, Jenni habe seine Person stets der Sache untergeordnet. Über seine Krankheit habe er kaum gesprochen. Erst Anfang Woche sei er ins Spital eingeliefert worden.

Grösstes Anliegen waren Jenni die Grundrechte. Die Gegenkundgebung gegen das SVP-Fest vom 6. Oktober verstand er als legitimen Widerstand gegen eine ausgrenzende Politik. Auch mit den Organisatoren der Euro 2008 legte er sich an; der 5,6-Mio.-Kredit der Stadt, den er bekämpfte, kam in der Abstimmung nur knapp durch.

Jenni war der Sohn eines Professors für italienische Literatur an der Uni Bern. Er lebte als Single im Westen der Stadt. (sda)

«Unbestechlichen Kämpfer»

Berns Stadtpräsident Alexander Tschäppät hat den verstorbenen Stadtrat Daniele Jenni als «unbestechlichen Kämpfer» und als «brillanten Juristen» gewürdigt. Die Stadt verliere mit ihm einen «unabhängigen Charakter».

Seine Voten im Stadtrat seien zwar nicht immer auf Gegenliebe gestossen, doch seien sie von hoher Intelligenz und Fachkenntnis, bisweilen gar von Selbstironie geprägt gewesen. Wenn er Beschwerde geführt habe, dann sei es ihm meist gelungen, den «wunden Punkt» zu treffen. Seine Haltung habe man geradlinig, manchmal vielleicht auch stur finden können. (sda)

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