Trotz Boom: Bern will keine Ritalin-Untersuchung
Aktualisiert

Trotz BoomBern will keine Ritalin-Untersuchung

Die Ritalinabgabe nimmt in beunruhigendem Mass zu. Doch die Berner Kantonsregierung will nicht untersuchen, warum so viele Kinder mit den Psychopillen ruhiggestellt werden.

von
Patrick Marbach
Ritalin: Kanton will Klarheit. (Bild: meo)

Ritalin: Kanton will Klarheit. (Bild: meo)

Gibt es wirklich immer mehr Zappelkids? Oder wie ist es sonst zu erklären, dass der Ritalinverbrauch im Kanton Bern jedes Jahr um 15 bis 20 Prozent ansteigt? «Ich befürchte, dass Ritalin öfter als nötig verschrieben wird, damit Eltern und Lehrer ihre Ruhe haben», sagt die Ärztin und SP-Grossrätin Danielle Lemann. Sie hat sich deshalb mit einer entsprechenden Anfrage an den Regierungsrat gewandt.

Auch Kantonsapotheker Samuel Steiner hätte sich Klarheit gewünscht: «Wir wollen Ritalin weder verteufeln noch hochloben. Der Verdacht, dass Ärzte Gefälligkeitsrezepte ausstellen, lässt sich nur mit genauen Untersuchungen erhärten.» Eine solche Studie sichert der Regierungsrat in seiner gestern veröffentlichten Antwort auf Lemanns Vorstoss zu. Doch nun hat er den Forschungsauftrag in letzter Minute gestoppt: Offenbar scheut er die Kosten und hofft, dass bald eine nationale Erhebung durchgeführt wird.

Trotzdem bleibt der Kanton nicht ganz tatenlos: «Wir haben Swissmedic darauf aufmerksam gemacht, dass Ritalin vermehrt in Grosspackungen mit 200 Tabletten verkauft wird», so Steiner, «da stimmt etwas nicht.» Denn Betäubungsmittel dürften höchstens in Monatsrationen verschrieben werden, damit die ärztliche Aufsicht gewährleistet sei.

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