Aktualisiert 18.05.2020 07:13

Steff la Cheffe

«Berndeutsch ist immer noch meine liebste Sprache»

Die Berner Rapperin Steff la Cheffe hat am Freitag ihr viertes Studioalbum releast. Im Interview verrät sie, welcher Song ihr beim Schreiben Mühe bereitete und was sie nach den Lockdown-Lockerungen als erstes gemacht hat.

von
Stephanie Vinzens

Darum gehts

  • Die Berner Musikerin Steff la Cheffe hat ihr viertes Studioalbum veröffentlicht.
  • «PS:» soll ein Nachtrag zum Vorgänger «Härz Schritt Macherin» sein.
  • Statt ihre Wut wie auf dem letzten Album zu unterdrücken, verleiht sie ihr nun Ausdruck.
  • Steff ist kurz vor dem Lockdown aufs Land gezogen.

Steff, du widmest zum zweiten Mal ein ganzes Album der Liebe. Wieso?

Das Thema war wohl noch nicht gegessen. Ich hatte auf der letzten Platte noch nicht ganz alles verdaut und gewissen Gefühlen, wie etwa meiner Wut, fast keinen Raum gegeben. Dann wurde mir aber bewusst, dass ich nochmals zurück muss.

Hast du die Wut vorher verdrängt?

Ich hatte einfach das Gefühl, dass ich gar nicht wütend, sondern nur enttäuscht bin. Ich dachte mir, dass ich darüberstehen und verzeihen kann. Dann hatte ich aber sowas wie einen Rückfall. Ich wurde wütend und habe mich schliesslich getraut, dieser Wut Ausdruck zu geben, statt sie zu überspringen.

Hat dich das vorwärts gebracht?

Ja, ich bin nun ganz an einem anderen Punkt als vor zwei Jahren. Damals war ich noch mit einem Bein drin und konnte mich nicht ganz lösen. Mittlerweile konnte ich loslassen, akzeptieren und verarbeiten. Ich spüre, wie jetzt eine neue Lebensphase beginnt.

Gibts einen Song auf dem Album, der eine besondere Herausforderung für dich war?

«Schritt» hat von der Skizze zum fertigen Song eine weite Reise hinter sich. Die Idee entstand schon während der Produktion meines letztes Albums, war dann aber ein ziemlicher Knorz. Wir haben es lange nicht geschafft, das Lied cool umzusetzen.

Bist du nun zufrieden damit?

Ich hab mega Freude, was daraus geworden ist. Der lange Weg ist zudem recht bezeichnend. Es geht im Song darum, einen Schritt nach vorn und wieder zurück zu machen. Nicht aufzugeben, es nochmals und nochmals zu versuchen.

Du scheinst auf «PS:» häufiger zu singen. Wie kommts?

Ich habe eigentlich schon immer gesungen. Es wurde dann auf jedem Album unbeabsichtigt ein bisschen mehr. Mir sind einfach immer öfters Ideen in Form einer Melodie zugeflogen.

War das früher weniger der Fall?

Ja, da dachte ich vor allem an den Flow und den Inhalt. Ich war 2018 zudem mit Stephan Eicher und dem Traktorkestar als Beatboxerin und Background-Sängerin auf Tour. Dort konnte ich Bühnenerfahrung im Singen sammeln und wurde so relaxter darin – und hoffentlich auch besser. In «Sing meinen Song» habe ich ebenfalls innerhalb kürzester Zeit einen mega Sprung nach vorn gemacht, auch was das Singen in verschiedenen Sprachen angeht.

Werden wir dich künftig also mal in einer Fremdsprache singen oder rappen hören?

Sag niemals nie – vielleicht also schon. Aber Berndeutsch ist schon immer noch meine liebste Sprache.

Welche Fremdsprache würde dich denn reizen?

Französisch finde ich klanglich schon sehr reizvoll. Mein Englisch ist aber besser als mein Französisch und am naheliegendsten wäre wohl Hochdeutsch.

Du bist jetzt schon seit über zehn Jahren im Musikbiz. Was war das Wichtigste, das du in dieser Zeit gelernt hast?

Ich bin entspannter und gelassener. Zudem spüre ich besser, was ich brauche, damit es mir gut geht – und respektiere das auch mehr. Ich versuche, meine Gesundheit und mein Privatleben genauso ernst zu nehmen wie die Musik.

Wie gelingt dir das?

Ich habe damit angefangen, gezielt Erholungszeit einzuplanen. Ich mache gewisse Sachen, von denen ich weiss, dass sie mir gut tun, vorher ab und schreibe sie in meine Agenda. Wie etwa Freundinnen und Familie treffen, ins Thermalbad oder zur Massage gehen.

Wie kommst du mit der ganzen Quarantäne-Situation klar?

Ich hatte total Schwein. Kurz vor dem Lockdown bin ich mit einer Freundin und ihrem Sohn aufs Land gezogen. Mir wurde nie langweilig zuhause, weil es immer was zu tun gab: Einrichten, auspacken, ausmisten, rausfinden, wo ich einkaufen und entsorgen kann. Zudem kann ich jetzt rausgehen, fünf Minuten spazieren und bin dann auf einem Feld, fast im Wald oder bei einem Fluss – das hilft natürlich.

Steff La Cheffe.

Steff La Cheffe.

Bakara

Konntest du etwas aus dieser Zeit lernen?

Ich habe zu Beginn der Pandemie sehr viel geschlafen und mir Vorwürfe gemacht, weil ich nicht produktiv war. Irgendwann hab ich dann gecheckt: Aha, mein Unterbewusstsein hat auch verstanden, dass die Welt gerade still steht. Du verpasst nix und es gibt keinen besseren Zeitpunkt, um mal runterzukommen.

Hast du sonst Mühe damit?

Ich höre manchmal nicht so gut auf meinen Körper, weil ich dazu tendiere, meinen Ehrgeiz darüberzustellen. So wie jemand, der sein Ross immer weiter antreibt, um ins Ziel zu kommen, obwohl es eigentlich schon lange müde ist und mal eine Pause bräuchte.

Was hast du nach den Lockdown-Lockerungen als erstes gemacht?

Ich hatte jetzt nicht total den Drang dazu, wieder in die Welt zu stürmen, aber ich habe mir Takeaway-Essen von einem indischen Restaurant geholt, das ich mega gern mag. Es war ein richtiger Hochgenuss, mal wieder Resti-Food zu essen!

Fehler gefunden?Jetzt melden.