Dubioser Libyen-Deal : Berner Arzt und libyscher Diplomat plündern gemeinsam 1 Million aus Staatskasse
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Dubioser Libyen-Deal Berner Arzt und libyscher Diplomat plündern gemeinsam 1 Million aus Staatskasse

180’000 Franken ergatterte der Stadtberner Mediziner durch einen kuriosen Deal mit einem libyschen Botschafter. Nun wurde der Arzt vom Obergericht schuldig gesprochen. Er lässt den Schuldspruch jedoch nicht gelten.

von
Lara Hofer
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Die libysche Botschaft am Tavelweg in Bern steht in den Schlagzeilen.

Die libysche Botschaft am Tavelweg in Bern steht in den Schlagzeilen.

Adrian Moser
Ein libyscher Diplomat veruntreute fast eine Million Franken aus der libyschen Staatskasse. 

Ein libyscher Diplomat veruntreute fast eine Million Franken aus der libyschen Staatskasse.

Adrian Moser
Dabei erhielt er tatkräftige Unterstützung eines Berner Arztes, welcher in einen kuriosen Deal mit dem libyschen Diplomaten verwickelt war. 

Dabei erhielt er tatkräftige Unterstützung eines Berner Arztes, welcher in einen kuriosen Deal mit dem libyschen Diplomaten verwickelt war.

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Darum gehts

  • Fast 1 Million Franken veruntreute ein libyscher Botschafter in Bern aus der libyschen Staatskasse.

  • Dabei erhielt er tatkräftige Unterstützung von einem Stadtberner Mediziner, welcher das Geld über sein Konto laufen liess und dabei selbst von einem Honorar profitieren konnte.

  • Nun wurde der Berner Arzt vom Obergericht schuldig gesprochen. Er beharrt jedoch auf seiner Unschuld.

Wegen Beihilfe zur Veruntreuung steht ein Berner Mediziner vor Gericht. Nachdem er in erster Instanz schuldig gesprochen worden war, bestätigt nun auch das Obergericht das Urteil. Der Arzt beteuert jedoch seine Unschuld – und will den Fall nun ans Bundesgericht weiterziehen. Er habe nie mit schlechten Absichten gehandelt, zitiert ihn die Berner Zeitung. Dies wirke unglaubwürdig, findet das Gericht, wenn man sich den Fall etwas genauer ansehe.

Korrupte Geschäfte

Der erfahrene Chefarzt, der an einem Stadtberner Spital tätig war, hatte ab 2014 einem dubiosen Geschäft zugestimmt. Ein Diplomat der libyschen Botschaft in Bern liess dem Berner Arzt Patientendossiers libyscher Staatsbürger zukommen. Der Arzt sollte eine Kostenschätzung abgeben und beurteilen, ob die Patienten in der Schweiz behandelt werden könnten.


Das Merkwürdige dabei: Die libysche Botschaft überwies dem Berner Arzt jeweils die gesamten geschätzten Behandlungskosten. Obwohl die Patienten gar nicht bei ihm behandelt wurden. 80 Prozent der erhaltenen Beträge musste der Arzt dann wiederum weiterleiten – auf private Konten des libyschen Diplomaten. Für die bernische Staatsanwaltschaft ein klarer Fall: Der libysche Diplomat leerte die Kasse seines Staates. Um das zu verschleiern, wurde das Geld über das Konto des Arztes geleitet.

180’000 Franken für den Arzt

Insgesamt überwies ihm die libysche Botschaft 935’000 Franken. Gut 180’000 Franken behielt der Mediziner dabei für sich. Das Urteil der Richterin Lips fordert, dass der Berner Chefarzt die gesamte ergatterte Summe zurückzahlt – in die Kasse des Kantons Bern. Die Richterin verurteilte den Berner Chefarzt zudem zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 22 Monaten. Ob das Bundesgericht dieses Urteil bestätigen wird, wird sich zeigen.

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