04.06.2020 08:38

«Colonial Bar»

Berner Bar ändert wegen Rassismus-Vorwürfen den Namen

Am Mittwoch postete eine Berner Bar ein schwarzes Bild, um ein Zeichen gegen Rassismus zu setzten. Doch schliesslich erntete das Lokal einen Shitstorm. Der Name des Cafes - Cafe Colonial - passte den Usern gar nicht. Der Druck war gross, der Name wird nun geändert.

von
Mira Weingartner
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Die Rassismus-Proteste aus den USA schwappen auch in die Schweiz über.

Die Rassismus-Proteste aus den USA schwappen auch in die Schweiz über.

So erntete eine Berner Bar mit dem Namen Colonial heftige Kritik. User fordeten die Gastronomen auf, den Namen zu ändern.

So erntete eine Berner Bar mit dem Namen Colonial heftige Kritik. User fordeten die Gastronomen auf, den Namen zu ändern.

Der Betrieb kam dieser Forderung umgehend nach. Die Berner Colonial Bar heisst aktuell nur noch Bar. Man will nun einen neuen Namen finden.

Der Betrieb kam dieser Forderung umgehend nach. Die Berner Colonial Bar heisst aktuell nur noch Bar. Man will nun einen neuen Namen finden.

Darum gehts

  • Weltweit wird derzeit gegen Rassismus demonstriert
  • Eine Berner Bar postete ein schwarzes Bild, um gegen Rassismus ein Zeichen zu setzten.
  • Der Name der Bar lautet «Colonial»
  • Dies kam bei den Nutzern nicht gut an
  • Sie forderten das Lokal auf, den Namen zu ändern

Die Ermordung des Afroamerikaners George Floyd durch einen Polizisten rüttelt derzeit die ganze Welt auf. Auch in der Schweiz dreht sich derzeit alles ums Thema Rassismus – so gab es erste Proteste auf den Strassen, auch online wird rege demonstriert.

Unter dem Hashtag #blackouttuesday veröffentlichte am Mittwoch auch ein Berner Gastrobetrieb ein schwarzes Bild, um sich gegen den systematischen Rassismus gegenüber der schwarzen Community auszusprechen. Doch das Lokal, das direkt am Berner Kornhausplatz steht, kam schliesslich unter heftigen Beschuss. Denn: Der Name des Betriebs – Cafe Colonial – erzürnte. Unzählige Instagram-Nutzer aus dem In- und Ausland kritisierten die Betreiber heftig: Colonial, das englische Wort für kolonial, beschreibe schliesslich den Ursprung der heutigen Problematik.

Der Kolonialismus bezeichnet die Herrschaft einer Staatsmacht über Menschen einer fremden Kultur. Europäischen Grossmächte eroberten vor allem im 19. Jahrhundert den afrikanischen Kontinent, beuteten dessen Bewohner aus und versklavten diese auf brutale Art und Weise. Der Name der Berner Bar ist aber keine Ode an die Ausbeutung Afrikas. Vielmehr ist es eine Anlehnung an die Geschichte des Gebäudes. Denn wo einst ein Kolonialwarengeschäft einquartiert war, steht heute eine Bar.

«Ändert euren Namen»

Für die Kritiker scheint die Entstehung des Namens aber keine Rolle zu spielen: Diverse Leute schreiben «change your name» – ändert euren Namen – unter den Post. «Wenn ihr das ernst nehmt mit der Solidarität, ändert euren Namen. Kolonialismus ist nicht fancy, sondern Gewalt, die bis heute andauert», kommentiert ein weiterer User.

Das Lokal hat die Kritik ernst genommen – und nur wenige Stunden später verkündet, man werde den Namen ändern. «Wir heissen ab sofort nicht mehr so», verkünden die Gastronomen der ehemaligen Colonial Bar. Die Lettern an der Fassade wurden bereits demontiert, das Logo von den Fenstern entfernt.

Kritik an Kritik

Während man den Forderung ohne zu zögern nachgekommen ist, meldet sich schliesslich aber noch ein Mitarbeiter online zu Wort. Auch er stehe dem bisherigen Namen des Lokals «mit gemischten Gefühlen» gegenüber. Dennoch sei die heftige Kritik gegenüber der Berner Bar unfair: «Der latent aggressive Unterton des spontan propagierten Mantras «Change your Name» steht nämlich in keinem Verhältnis zu dem, was sich hinter ebendiesem Namen verbirgt; nämlich eine unglaublich vielfältige und progressive Unternehmenskultur.» Im Betrieb suche man «Rassismus, Sexismus, Homophobie und ähnliche Stumpfsinnigkeiten» vergebens. «Dafür findet man aber eine Kaffeekultur, wie man sie sich bei Starbucks und Nestlé, trotz «unbedenklicher Namensgebung», nur erträumen könnte.»

Der Betreiber des Lokals, der Berner Adrianos-Chef Adrian Iten, teilt die Meinung seines Mitarbeiters: «Würden die Leute uns kennen, hätten sie uns nicht derart angegriffen», meint Adrian Iten. Doch es sei nun nicht die Zeit, um Öl ins Feuer zu giessen. «Um das Feuer zu löschen, haben wir nun den Namen entfernt», sagt der Berner Gastronom. Wie man das Lokal am Berner Kornhausplatz nun taufen wird, sei derzeit noch unklar.

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