25.08.2015 04:01

TrockenheitBerner Bauern geht das Futter aus

Landwirte haben ein akutes Problem: Sie müssen ihre Wintervorräte anzapfen, weil der Sommer so trocken war. Eine Online-Futterbörse soll Abhilfe schaffen.

von
Andrea Muff
Die Weide von Familie Hirschi gibt nichts mehr her. Sie ist völlig ausgetrocknet.

Die Weide von Familie Hirschi gibt nichts mehr her. Sie ist völlig ausgetrocknet.

Der Hitze-Sommer liess zwar die Herzen der Badegäste höher schlagen, doch die Bauern leiden: Durch die Trockenheit schrumpften ihre Futterbestände. Die kleine Abkühlung brachte keine Besserung. Der Berner Bauern Verband will das Problem der Futterknappheit mit einer Online-Börse lösen. Dort können Betriebe ihr beispielsweise nicht benötigtes Heu an Höfe mit wenig Reserven verkaufen.

«Die Online-Plattform soll transparent machen, wo es in der Region noch Futter hat», erklärt Hans Jörg Rüegsegger, Präsident des Berner Bauern Verbands. Denn der nasse Frühling und die Trockenperiode im Sommer trafen viele Landwirte in der Region Bern. «Die Knappheit hat auch Auswirkungen auf den Winter, da das Vieh schon mit den Winterreserven gefüttert wird», so Rüegsegger. «Wir wollen vorbeugen, damit das Futter nicht aus dem Ausland importiert wird.»

Familie Hirschi hatte die Idee

Der Berner Bauern Verband handelte schon im Juli und schrieb Weideplätze aus. Demnach konnten Tiere dorthin verschoben werden, wo es noch grüne Wiesen gab. Für Familie Hirschi aus Eggiwil im Emmental war dies allerdings keine Option. Sie produzieren Geissenmilch – und ohne Geissen können sie das nicht.

«Familie Hirschi kam deshalb auf uns zu und wir suchten gemeinsam nach einer Lösung», sagt Rüegsegger. So sei es auch aus logistischer Sicht einfacher, das Futter und nicht das Vieh zu transportieren.

«Bei uns hat sich schon ein Bauer gemeldet, der uns Futter verkauft», freut sich Monika Hirschi. So müssen sie nicht das Futter aus dem Ausland beziehen: «Das Futter aus der Schweiz ist qualitativ viel besser.» Am vergangenen Samstag traf bereits Heu aus der Region an ihrem Hof ein. Sie habe nicht mit einem derart schnellen Angebot gerechnet. «Unsere Weide ist völlig verdorrt, unsere Kühe und Geissen finden da nichts Essbares mehr», so Hirschi.

Schweizer Bauernverband findet die Idee gut

Auch der Schweizer Bauernverband begrüsst die Futterbörse der Berner: «Das ist eine gute Idee, da nicht jede Region der gleichen Trockenheit ausgesetzt war», sagt Hans Rüssli, Sprecher des Schweizer Bauernverbands. Schon im Hitzejahr 2003 hatte der Verband 6500 Tonnen Futter verschoben, doch damals war die Trockenheit wesentlich länger und ausgeprägter. «Für dieses Jahr sehen wir keinen nationalen Handlungsbedarf», so Rüssli.

Auf der Seite des Berner Bauern Verband werden indes zehn Angebote aufgeführt – meist Heuballen, die zum Verkauf stehen. «Auch die telefonischen Rückmeldungen sind durchwegs positiv», sagt Rüegsegger. Er rechnet mit weiteren Angeboten, aber zur Zeit möchten die Landwirte noch abwarten, wie sich das Wetter und die Futterlage entwickelt: Es sei für die Bauern noch zu früh, ihre übriggebliebenen Futterberge zum Verkauf anzubieten.

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