Mietaffäre: Berner Beamte versorgen Freunde mit Wohnungen
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MietaffäreBerner Beamte versorgen Freunde mit Wohnungen

Die Stadt Bern bietet Bedürftigen günstige Wohnungen an – wie sich jetzt herausstellte, belegen neben Millionären auch Mitarbeiter der Berner Liegenschaftsverwaltung den günstigen Wohnraum.

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Die Spirale um die Grossverdiener, die städtischen Wohnraum in Bern besetzen, dreht sich weiter. Nachdem bekannt geworden ist, dass auch Millionäre städtische Wohnungen mieten, die für Unter­stützungsbedürftige gedacht wären, kommt nun der nächste Skandal ans Tageslicht.

Wie die «Berner Zeitung» berichtet, belegen auch Mitarbeiter der städtischen Liegenschaftsverwaltung die günstigen Wohnungen. Der Mieterspiegel aus dem Jahr 2008 beweist, dass damals am Winterfeldweg in Bümpliz mindestens vier Angestellte der Verwaltung in Ein- oder Zweifamilienhäusern der Stadt wohnten. Dabei soll etwa die damalige Chefbeamtin 832 Franken für ihr Häuschen bezahlt haben. Bis heute sollen noch immer zwei Mitarbeiter von Immobilien Stadt Bern (ISB), der früheren Liegenschaftsverwaltung, am Winterfeldweg wohnen.

Mitarbeiter und Freunde bevorzugt

Zudem sollen laut «Berner Zeitung» Mitarbeiter bei der Vergabe der günstigen Wohnungen bevorzugt worden sein und auch Freunden geholfen haben, an eine der günstigen städtischen Bleiben zu kommen. Als eine ehemalige Angestellte der städtischen Liegenschaftsverwaltung aus einem anderen Kanton zurück nach Bern ziehen und wieder am alten Ort arbeiten wollte, half ihr ein Kollege der Verwaltung an eine städtisch subventionierte Wohnung zu kommen. Dieselbe Frau sei drei Jahre später in eine grössere Wohnung gezogen, welche zuvor nicht ausgeschrieben worden war.

Auch bei einem Einfamilienhaus am Winterfeldweg hatten sich zahlreiche Personen mit ausländischem Pass für den günstigen Wohnraum beworben. Doch auch diese Liegenschaft ging an einen Mitarbeiter der Verwaltung mit der Notiz: «Selbstverständlich erwarten wir in absehbarer Zeit einen Termin für ein Einweihungsbräteln.»

Jetzt soll Untersuchung Licht ins Dunkel bringen

Die Stadt Bern bemerkte erst kürzlich, dass in den Fonds-Wohnungen 53 Prozent der Bewohner gar keinen Anspruch auf Subventionen haben – dies zeigt ein interner Bericht der Stadt, der der «Schweiz am Sonntag» zugespielt wurde. Von 560 Mietparteien sind insgesamt 298 nicht anspruchsberechtigt – 25 der Mieter sind nicht einmal in der Stadt angemeldet. Bei 237 flattert jetzt die Kündigung ins Haus, ausgenommen sind aber etwa ältere Leute. Der Berner Gemeinderat leitete eine externe Untersuchung ein, um die Missstände zu beheben (20 Minuten berichtete).

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