Schutz für Wildtiere: Berner Behörde verbietet Katzen den Auslauf

Aktualisiert

Schutz für WildtiereBerner Behörde verbietet Katzen den Auslauf

In der Berner Siedlung Fröschmatt müssen Katzen drinnen leben, damit sie bedrohte Tiere nicht fressen. Das Problem sei aber nicht das Büsi, sagt ein Katzenforscher.

von
Fabrice Dubler
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Katzen sind süss, jagen aber auch gerne in Wohnsiedlungen und der Natur.

Katzen sind süss, jagen aber auch gerne in Wohnsiedlungen und der Natur.

Keystone/Alessandro Della Bella
Blindschleichen gehören beispielsweise zu ihren Leibspeisen. Die Bestände an Reptilien, aber auch Vögeln und Schmetterlingen schwinden dadurch aber.

Blindschleichen gehören beispielsweise zu ihren Leibspeisen. Die Bestände an Reptilien, aber auch Vögeln und Schmetterlingen schwinden dadurch aber.

Keystone/Arno Balzarini
Deshalb müssen im Berner Quartier Fröschmatt Katzen drinnenbleiben.

Deshalb müssen im Berner Quartier Fröschmatt Katzen drinnenbleiben.

Keystone/Alessandro Della Bella

Schweizer lieben Katzen. Rund 1,4 Millionen leben gemäss dem Zürcher Tierschutz hierzulande in Haushalten, ein grosser Teil davon auf urbanem Gebiet. Nebst Schnurren und Kuscheln jagen die Vierbeiner aber auch gern Schmetterlinge, Vögel und Reptilien. Rund 77 solche Tierarten tummeln sich in der Berner Wohnsiedlung Fröschmatt. Im Rahmen eines Biodiversitäts-Projekts wurde die Umgebung des dortigen Wohnhauses entsprechend grün gestaltet.

Neumieter müssen deshalb beim Einzug der Regelung zustimmen, dass ihre Katzen die Wohnung nicht verlassen dürfen, wie die «Berner Zeitung» berichtet. So möchte die Stadt verhindern, dass solche Reptilien-, Insekten- und Vogelarten den hungrigen Katzen zum Opfer fallen und aussterben.

Weniger jagdeifrige Katzen

Sabine Tschäppeler, Leiterin der Fachstelle für Ökologie und Natur der Stadt Bern, hat das Projekt mitinitiiert. Natürlich könne man nicht verhindern, dass auch Katzen aus dem umliegenden Quartier in der Siedlung jagen. «Wir möchten in erster Linie ein Zeichen setzen für die Biodiversität, da muss man die Katzen thematisieren», sagt sie.

Biologin Petra Ramseier hält das Projekt für sinnvoll. «Ich sehe wildernde Katzen als Problem. Die Büsis jagen beispielsweise Reptilien auch ausserhalb von Siedlungsgebieten und gefährden so die Bestände.» Ein ähnliches Ausgangsverbot für Katzen habe es auch schon in einer Wohnüberbauung in der Baselbieter Gemeinde Oberwil gegeben. Solche Regelungen seien bisher aber schwierig umzusetzen, so Ramseier.

«Das Problem ist der Mensch»

Dennis Turner, Katzenforscher und Biologe am Institut für angewandte Ethologie und Tierpsychologie, hält es nicht für nötig, Stadt-Büsis für den Artenschutz an der Jagd zu hindern. «Dass Katzen jagen, war schon immer so und ist völlig normal. In vom Menschen geschaffenen Siedlungsräumen ist die Jagdsituation zudem nicht repräsentativ.» Man müsse deshalb auch grössere, landschaftliche Gebiete miteinbeziehen, wo sich der Bestand der gejagten Tiere jeweils erhole.

Auch Helen Sandmeier vom Schweizer Tierschutz STS ist überzeugt, dass die Vierbeiner nicht die bedrohten Tierarten wegfressen: «Katzen sind nur ein kleiner Teil des Problems. Der Mensch, der wilden Tieren mit Überbauungen und Bepflanzungen in den Städten ihren Lebensraum wegnimmt, dürfte eher der Schuldige sein.» Ausserdem sei es für Katzen wie ein Spielplatz, wenn man solche Biodiversitäts-Zonen mit einer grossen Artenvielfalt schaffe.

Ist die Indoor-Haltung artgerecht?

Bei Hauskatzen, die schon immer drinnen lebten und artgerecht gehalten werden, sieht Sandmeier kein Problem. «Auslaufkatzen würden aber rebellieren, weil sie nicht mehr glücklich wären.» «Das würde an Tierquälerei grenzen», findet Turner sogar.

Da aber die Einschränkung in der Katzenhaltung bereits im Mietvertrag enthalten sei, könnten die Mieter selbst entscheiden, ob sie unter diesen Umständen eine Katze halten wollten, so Tschäppeler.

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