Joel de Jesus Campos: Berner Capoeira-Kämpfer gewinnt Weltmeisterschaft
Aktualisiert

Joel de Jesus CamposBerner Capoeira-Kämpfer gewinnt Weltmeisterschaft

Die Schweiz gewinnt dank Joel de Jesus Campos die Capoeira-Weltmeisterschaft. Der 35-jährige Doppelbürger setzte sich gegen Teilnehmer aus 15 Nationen durch.

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rc

Der Capoeira-Kampf von Joel de Jesus Campos (mit gelbem Armband) gegen einen Vertreter der USA. (Video:Youtube)

Die Schweiz darf sich Weltmeister nennen. Zwar nicht im Fussball oder Eishockey, dafür seit kurzem in der Kampfkunst Capoeira. Sie kommt ursprünglich aus Brasilien und ist eine Mischung aus Tanz und Kampfsport. Begleitet von traditioneller brasilianischer Musik wird mit gezielten Kicks und akrobatischen Drehungen versucht, den Gegner zu verwirren und so Treffer zu landen.

Contra-Mestre Irmaozinho

Joel de Jesus Campos, der 35-jährige Doppelbürger mit brasilianischen Wurzeln, begann schon als Kind mit seinem Lieblingssport. Heute ist er in der Capoeira-Szene weltbekannt. Seit 17 Jahren ist er in verschiedenen Ländern als Capoeira-Lehrer tätig. In einem solchen Kurs lernte der Brasilianer in Spanien seine jetzige Frau Denise kennen. Seit 2011 wohnen die beiden wieder in der Schweiz und veranstalten gemeinsam einmal pro Woche einen Capoeira-Kurs in Steffisburg.

«In der Kampfkunst Capoeira gibt es verschiedene Titel, die man sich verdienen muss», sagt Campos. Der höchste Titel ist derjenige des Meisters, der auf Portugiesisch «Mestre» genannt wird. Die Vorstufe des Meisters ist der Titel des «Contra-Mestre». Campos trägt diesen Titel, den man erst erhält, wenn man sich über 20 Jahre lang in der Capoeira-Szene engagiert hat. Ausserdem erhält jeder Capoeira-Tänzer einen Spitznamen, mit dem er in der Szene angesprochen wird. Der Übername von Joel de Jesus Campos lautet Irmaozinho und bedeutet übersetzt kleiner Bruder.

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Der frisch gekürte Weltmeister mit der gewonnenen Medallie.

Der frisch gekürte Weltmeister mit der gewonnenen Medallie.

Der Doppelbürger (Schweiz/Brasilien) trat am Wettkampf für die Schweiz an.

Der Doppelbürger (Schweiz/Brasilien) trat am Wettkampf für die Schweiz an.

Die Weltmeisterschaft fand in Baku, Azerbaijan statt.

Die Weltmeisterschaft fand in Baku, Azerbaijan statt.

Erst die zweite WM in der Geschichte der Capoeira

Bei der Sportart Capoeira liege die Priorität nicht auf dem Schlagen oder Kicken des Gegners, sagt Joel de Jesus Campos. «Auch deswegen war es in der Vergangenheit recht schwierig, einen herkömmlichen Wettkampf zu organisieren.» Die Kampfkunst sei eine Mischung aus Tanz, Kampf und Kultur, die immer von Musik begleitet werde. «Je schneller die Musik spielt, desto schneller muss man sich bewegen», sagt er. Neben Front- und Highkicks werde auch auf die Akrobatik der Kämpfer geachtet: «Macht man einen Salto oder Ähnliches, erhält man Punkte.»

Deshalb organisierte man sich und stellte Wettkampfregeln auf, um endlich eine Weltmeisterschaft zelebrieren zu können, wie dies andere Kampfsportarten schon seit Jahrzehnten machen. Denn diese WM war erst die zweite in der Geschichte der Capoeira: «Mestres aus der ganzen Welt setzten sich zusammen und organisierten 2013 die erste WM», sagt Campos. Das Ehepaar de Jesus Campos setzt sich nun für eine Capoeira-Schweizer-Meisterschaft ein. Eine solche gibt es nämlich bislang noch nicht.

Herkunft der Capoeira-Sportart

Während der Kolonialisierung wurden unzählige Menschen verschiedenster afrikanischer Kulturen gegen ihren Willen versklavt und nach Brasilien gebracht. Rhythmus und Musik waren die ständigen Begleiter sämtlicher Alltagsaktivitäten der Sklaven. Genau wie die Musik gehörten auch Kampfspiele zum Alltag. So entstand Capoeira: Ein Ruf zur Rebellion gegen die damaligen Herrscher. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde das Praktizieren von Capoeira verboten und erst 1936 als Sportart anerkannt.

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