Informatikolympiade 2016: Berner Computer-Talent vertritt Schweiz in Kazan
Publiziert

Informatikolympiade 2016Berner Computer-Talent vertritt Schweiz in Kazan

Der Ittiger Pascal Sommer (19) vertritt die Schweiz an der Internationalen Informatikolympiade. Er hofft auf eine Medaille – aber nicht nur.

von
Katrin Freiburghaus

Pascal Sommer aus Ittigen BE gilt in der Schweiz als Ausnahmetalent: Der 19-Jährige, der das Gymnasium Hofwil besucht, gehört zu den besten Nachwuchsinformatikern der Schweiz. Er ist so gut, dass er an der Schweizer Informatikolympiade Ende April die Goldmedaille holte und deshalb die Schweiz vom 12. bis am 19. August an der internationalen Informatikolympiade (IOI) im russischen Kazan vertreten wird.

Während zwei Wettkampftagen lösen die besten Nachwuchsinformatiker aus aller Welt Aufgaben zum Schreiben, Programmieren und Testen von Algorithmen. «Eine Medaille zu holen ist schon mein persönliches Ziel», sagt Sommer. Dazu müsste er es in die vordere Hälfte der Rangliste schaffen. «Ich habe aber grossen Respekt vor der internationalen Gemeinschaft.» An der letztjährigen IOI in Kasachstan erreichte er den 233. Platz von ungefähr 320 – eine Medaille gab es erst ab dem 161. Platz. In der Schweiz ist Sommer schon länger erfolgreich: An der Schweizer Informatikolympiade (SOI) holte er sich 2016 und 2015 eine Goldmedaille, 2013 eine Silbermedaille.

«Teilnehmer teilen die gleiche Faszination»

Der Rest der Woche in Russland dient dem kulturellen Austausch: «Das Programm während der Freizeit ist gut, man kann etwa auch Tagesausflüge machen», sagt Sommer. Letztes Jahr habe er an der IOI viele interessante Personen kennengelernt, mit denen er das ganze Jahr über Kontakt hatte. «Wir Teilnehmer verstehen einander, weil wir die gleiche Faszination teilen», so der 19-Jährige. Ihm gehe in erster Linie denn auch darum, Spass zu haben und Bekanntschaften zu schliessen: «Gewinnen ist nicht mein Hauptziel.»

«Ich verbringe schon viel Zeit vor dem Computer», sagt Sommer. Aber auch offline ist bei ihm immer etwas los: Er spielt unter anderem Schlagzeug und E-Bass, fotografiert Tiere, Naturszenen und Anlässe oder verbringt seine Zeit gemütlich mit Freunden. Die Hobbies werde er auch in Zukunft pflegen, aber: «Die Informatik hat schon Priorität.» So habe er letzte Woche Musiklektionen verpasst, da er zur Vorbereitung für die IOI in einem Lager in der Slowakei war.

Mit Abstand der Jüngste im Master-Kurs

Bevor es Mitte August nach Russland geht, stehen aber erst mal Abschlussprüfungen an: «Ich mache diesen Sommer meine Matura», sagt Sommer. Danach werde er den Zivildienst absolvieren, bevor er sein Informatik-Studium an der ETH Zürich aufnehme. Erste Uni-Erfahrungen hat Sommer bereits gesammelt: Seit letztem Herbst besucht er zwei Lektionen pro Woche eine Informatik-Vorlesung an der Universität Bern – auf der Master-Stufe. Die Erziehungsdirektion des Kantons Bern machte für ihn eine Ausnahme.

«Ich bin mit Abstand der Jüngste im Kurs», sagt Sommer. Das sei für seine Mitstudenten schon speziell gewesen. Am Anfang seien sie kritisch gewesen, ob er auch mithalten könne. «Die Angst war aber schnell weg.» Er komme von der praktischen Seite, was mit dem theoretischen Wissen seiner Kommilitonen gut kombiniert werden könne. «Ich habe viel gelernt, das ich für meine privaten Informatikprojekte brauchen kann.»

Auch bei der Mars-Simulation in Österreich letzten August und der anschliessenden Raumfahrtskonferenz in Zürich habe er viele interessante Einblicke erhalten. Er werde der Informatik auch in Zukunft treu bleiben, sagt Sommer. «In welchem Gebiet ich einmal tätig sein werde, ist aber noch ziemlich offen.»

Deine Meinung