Glas, Alu, PET – alles wird abgeholt: Berner dürfen den Müll vor der Haustür entsorgen
Aktualisiert

Glas, Alu, PET – alles wird abgeholtBerner dürfen den Müll vor der Haustür entsorgen

Die Stadt Bern geht Pionierwege: Jeglicher Recycling-Müll bzw. -Wertstoff soll bald bequem vor der Haustüre entsorgt werden können.

von
rc
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Die Stadt Bern testete in einem einjährigen Testversuch ein neues Abfallsystem.

Die Stadt Bern testete in einem einjährigen Testversuch ein neues Abfallsystem.

Keystone/Lukas Lehmann
Künftig soll in der Stadt Bern jeglicher Müll, natürlich getrennt, vor der Haustüre in einem Container entsorgen werden können.

Künftig soll in der Stadt Bern jeglicher Müll, natürlich getrennt, vor der Haustüre in einem Container entsorgen werden können.

Keystone/Lukas Lehmann
Im neuen System werden Kehricht, PET-Flaschen, Glasabfälle...

Im neuen System werden Kehricht, PET-Flaschen, Glasabfälle...

Laufen Sie auch wöchentlich mit Säcken voll PET-Flaschen, Aludosen und Glasabfällen zur nächsten Sammelstelle? Oder nehmen sie dazu gar das Auto? Bernerinnen und Berner sollen in Zukunft darauf verzichten können.

Während eines einjährigen Pilotprojkets wurde ein neues Abfallmodell erfolgreich gestestet: Haushalte bekamen von der Stadt einen Container vor die Türe gestellt, in dem sie sämtliche Abfälle (Kehricht, PET, Glas, Papier, Kunststoffe und Alu) fachgerecht in verschiedenfarbigen Säcken entsorgen konnten. Aus dem Bring- wird so ein Holsystem. 2022 soll dieses nun in der ganzen Stadt in Kraft treten.

Farbsack-Trennsystem nennt sich das Modell. Es ist freiwillig: Nach wie vor können sämtliche Abfälle an den bekannten Sammelstellen entsorgt werden.

Viele Befürworter

Die Stadt Bern ist damit die erste Stadt der Schweiz, welche Wertstoffe bei den Bewohnern abholen will. Bei den Bernerinnen und Bernern kam das neue System bisher gut an: 85 Prozent aller Teilnehmer des Testversuchs begrüssen die definitive Einführung, wie die Stadt gestern mitteilte. Der Gemeinderat hat nach dem positiven Feedback bereits Fachpersonen beauftragt, die öffentliche Vernehmlassung vorzubereiten. «Mit allergrösster Wahrscheinlichkeit wird es 2021 eine Volksabstimmung dazu geben», sagt Gemeinderätin Ursula Wyss.

Ursula Wyss zum neuen Abfall-System

Gemeinderätin Ursula Wyss hat das neue Trennsystem selbst getestet. IM Video erzählt sie über ihre Erfahrungen.
(Video: RC)

Gemeinderätin Ursula Wyss hat das System selbst getestet. Im Video erzählt sie, wie sie die Zeit erlebt hat. (Video: RC)

Zu gut um wahr zu sein?

Das System ist einfach: Der Container wird von der Stadt zur Verfügung gestellt und von der Kehrichtabfuhr geleert. Dort können sämtliche Abfälle, die zuvor zu einer Sammelstelle gebracht werden mussten, in verschiedenfarbigen Säcken entsorgt werden. Hinzu kommt, dass Altpapier im neuen System nicht mehr fein säuberlich gebündelt werden muss, sondern ganz einfach im Container entsorgt werden kann.

Bern als Vorreiter

Christian Jordi erklärt im Video das Farbsack-Trennsystem und beantwortet die Frage, ob er sich vorstellen könnte, dass das System in der ganzen Schweiz eingeführt werden würde.
(Video: RC)

Christian Jordi, Leiter Entsorgung+Recycling Bern, erklärt das System. (Video: RC)

Fast zu gut, um wahr zu sein? Nicht ganz. Einige Testpersonen bemängelten bei der Befragung, dass der Platzbedarf für Abfall im Haushalt durch das Trennsystem zugenommen habe. Die Vorteile würden jedoch überwiegen: Teilnehmende gaben an, durch die Entsorgung vor dem Haus Zeit zu sparen und den Abfall bewusster zu trennen. Ausserdem wurde begrüsst, dass der Müll rund um die Uhr vor die Türe gestellt werden konnte.

Je mehr, desto besser

Noch unklar ist derzeit, was die Farbsäcke im Detailhandel kosten sollen. «Sie werden deutlich billiger als die regulären Kehrichtsäcke», sagt Gemeinderätin Ursula Wyss dazu. Die genauen Kosten würden jedoch noch berechnet.

Neben den ökologischen Vorteilen des neuen Trennsystems weist Ursula Wyss auch auf die Gesundheit der Mitarbeiter von Entsorgung + Recycling Bern hin: «Derzeit müssen sämtliche Abfällsäcke von Hand in den Kehrichtwagen geworfen werden. Das kann früher oder später zu Rückenproblemen führen.» Mit dem neuen System leert der Kehrichtwagen die Tonnen automatisch.

Die Stadt Bern hofft, dass möglichst viele Personen das neue Modell nutzen werden: Je mehr Haushalte sich am Farbsacksystem beteiligten, desto ökologischer werde das System, geht aus einem Bericht des Instituts für Umwelt und Verfahrenstechnik der Hochschule Rapperswil hervor.

Was halten Sie vom Farbsack-Trennsystem? Erzählen Sie uns in den Kommentaren davon.

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