Anmache mit Rinder: Berner erfinden App, die «realer than Tinder» ist
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Anmache mit RinderBerner erfinden App, die «realer than Tinder» ist

Eine neue App aus Bern soll Flirt-Scheuen beim Bezirzen helfen. Mit Rinder können sie den ersten Schritt machen, ohne den Mund zu öffnen.

von
miw

So kam «Rinder» zwischen Tannenbäumen und Glühwein an.

Generation Tinder hergehört: Eine neue App für Flirtwillige ist auf dem Markt. Bei dieser hat das Swipen nach links und rechts ausgedient: «Rinder – realer than Tinder» stellt dem Benutzer lediglich einen Katalog schweizerdeutscher Fragen zur Verfügung. Um ein Gespräch zu eröffnen, können diese – auf dem eigenen Handydisplay eingeblendet – im realen Leben dem Objekt der Begierde unter die Nase gehalten werden. Fragen wie «Hiufsch echli redä?», «Wosch ä Drink?» oder gar «Weimer versteckälä?» sollen so als Eisbrecher fungieren.

Damit das «angerinderte» Gegenüber entscheiden kann, ob er oder sie die Kontaktaufnahme überhaupt möchte, stehen auf dem Disyplay ein Ja- und ein Nein-Knopf zur Verfügung. In der Benutzeranleitung der «bubieinfachen App» steht so: «Rinder soll das Eis zwischen Menschen brechen und Interaktionen katalysieren, die jenseits der sozialen Medien vonstatten gehen.»

Öi üf Walliertiitsch

Die Macher hinter der Flirtmaschine fürs Handy sind drei Berner: Flavio Carrera und die Brüder Thomas und Christoph Rathgeb. «Wir wollten eine App entwickeln, die Menschen miteinander in echte Gespräche verwickelt», sagen sie. Damit die Anmache noch «realer» wird, gibt es die Fragen in mehreren Dialekten. Derzeit ist Rinder in Bärndütsch, Züridütsch und Walliserdütsch verfügbar. Während Komiker Rafi Hazera (alias Zukkihund) die Fragen auf Züüridütsch übersetzte, warten die Entwickler noch auf eine Thurgauisch-Übersetzung der ehemaligen «Joiz»-Moderatorin Gülsha Adilji.

Doch egal mit welchem Schweizerdeutsch man rindert – die App-Tüftler versprechen: «Bist du online ein Hengst, aber in Wirklichkeit hast du schon lange niemanden mehr kennengelernt? Dann, lieber Freund, haben wir mit dieser App präzis genau das Richtige für dich.»

Nicht für jede(n)

20 Minuten hat die App nach Einbruch der Dämmerung in der Berner Innenstadt ausprobieren lassen – und ist auf unterschiedlichstes Feedback gestossen: Während die einen die Kontaktaufnahme als «mau öppis angers» oder «originell» empfinden, löst es bei anderen Stirnrunzeln aus. Obwohl die App polarisiert und teils gar etwas provoziert, ist schnell ein Gespräch entfacht. «Genau das ist unsere Strategie», so die Entwickler, «Hauptsache, man kommt einfach ins Gespräch und lernt neue Leute kennen.»

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