Jeder Rappen zählt: Berner erhält Mahnung wegen 0,02 Franken
Aktualisiert

Jeder Rappen zähltBerner erhält Mahnung wegen 0,02 Franken

Michel Brönnimann aus Zollikofen BE bekam von einer Metallbaufirma eine Mahnung zugeschickt. Offener Betrag: zwei Rappen. Bei dem Unternehmen hatte sich ein Fehler im System eingeschlichen.

von
ame
Der 32-jährige Michel Brönnimann erhielt eine Mahnung über 0.02 Franken. Immer wieder flattern solch fragwürdige Zahlungsaufforderungen in Schweizer Briefkästen.

Der 32-jährige Michel Brönnimann erhielt eine Mahnung über 0.02 Franken. Immer wieder flattern solch fragwürdige Zahlungsaufforderungen in Schweizer Briefkästen.

«In der Hektik des Alltags geht leicht etwas unter»: Mit diesen Worten beginnt der Brief, den Michel Brönnimann am Montag in seinem Briefkasten in Zollikofen BE vorfand. In einer per A-Post versandten Mahnung forderte ihn die Ernst Schweizer AG auf, einen ausstehenden Rechnungsbetrag von zwei Rappen möglichst rasch zu begleichen. «Zuerst habe ich grosse Augen gemacht und musste dann lachen. Da ging in der Hektik des Alltags bei der Firma wohl etwas unter», beschreibt Brönnimann den Moment, als er das Schreiben zum ersten Mal durchlas.

Vor ein paar Wochen hatte er im Rahmen seines Umzugs bei der Schweizer Firma ein Briefkastenschild und zwei Türklingelschilder bestellt und eine Rechnung über 69.12 erhalten – 64 Franken kosteten die drei Artikel, dazu kam die Mehrwertsteuer von 5.12 Franken. «Den Betrag von 69.10 habe ich fristgerecht bezahlt, da ich einmal in der Schule gelernt habe, 2 wird abgerundet und 3 wird aufgerundet. Hinzu kommt, dass wir in der Schweiz keine 1-Räppler mehr haben.»

Technisches und menschliches Versagen

Trotzdem erhielt der 32-Jährige eine Mahnung: «Als erste Reaktion habe ich auf die zweite Mahnung warten wollen, um zu schauen, ob mich die Firma betreiben würde. Spätestens dann hätten sie es wohl gemerkt.» Er entschied sich dann aber doch, am Dienstagmorgen bei der Firma anzurufen und die entsprechende Stelle auf ihren Fehler aufmerksam zu machen. «Die Frau am Telefon hat sich in aller Form bei mir entschuldigt und gesagt, ich könne den Brief wegschmeissen.»

Der Fehler hat laut Erich Fischer, Sprecher der Ernst Schweizer AG, einen technischen und einen menschlichen Ursprung. «Unser System hat den Mahnungsbetrag von zwei Rappen nicht als falsch erkannt und eine Mahnung generiert.» Danach sei das Schreiben auch noch unbemerkt durch die Hände der Mitarbeiter gerutscht. «Solche Fehler kommen bei uns aber nur selten vor», versichert Fischer.

Lange kein Einzelfall

Die «Mahnungspanne» der Ernst Schweizer AG ist aber bei Weitem kein Einzelfall. Immer wieder flattern fragwürdige Zahlungsaufforderungen in Schweizer Briefkästen. So wurde ein Berner 2001 wegen 20 Rappen gemahnt. Er hatte anstatt die geschuldeten 343.20 Franken nur 343 Franken Militärpflichtersatz bezahlt.

Ein weiteres Beispiel ereignete sich ebenfalls 2001 in Naters VS. Ein Mann hatte sein Auto nur kurz abgestellt und nach eigener Aussage 50 Rappen in den Parkautomaten geworfen. Trotzdem erhielt er eine Busse, die er zwar bezahlte, jedoch nicht ohne die eingeworfenen 50 Rappen abzuziehen. In der Folge wurde er von der Polizei aufgefordert, auch diese Schuld noch zu begleichen. Erfolglos: Der Fall endete wegen 50 Rappen vor dem Bezirksgericht.

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