Berner Ferienverein Poscom kann saniert werden
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Berner Ferienverein Poscom kann saniert werden

Die 9000 Gläubiger des hoch verschuldeten Berner Ferienvereins Poscom haben grünes Licht zur Sanierung gegeben.

Mit gut 90 Prozent Zustimmung fiel das Votum am Donnerstag in Bern überraschend deutlich aus.

92,9 Prozent des Kapitals waren entweder persönlich anwesend oder liessen sich vertreten. Bereits diese hohe Präsenz deutete auf ein günstiges Ergebnis hin, was sich dann bei den Abstimmungen bestätigte. 582 Darlehensgeber nahmen an der Versammlung teil.

Für die nachhaltige Gesundung brauchte es die hundertprozentige Umwandlung der Darlehen in Aktien. Diesem Antrag stimmten die Gläubiger mit überwältigendem Mehr zu. Ebenfalls deutlich angenommen wurde ein Zinserlass über fünf Jahre.

Erforderlich war eine Zweidrittelsmehrheit aller Darlehensgeber. Deshalb war die hohe Präsenz eine Bedingung für das Gelingen des Plans.

Grosse Verzichte im Vorfeld

Gute Voraussetzungen für die Gesundung des mit 54 Mio. Franken verschuldeten Vereins, der seinen Mitgliedern günstige Ferien ermöglicht, schafften im Vorfeld grosse Forderungsverzichte von Hauptgläubigern.

So verzichtete die Beamtenversicherungskasse des Kantons Zürich auf 46,3 Mio. Franken. Weiter entlastete die Übernahme einer Ferienanlage auf Fuerteventura durch Kuoni den Verein.

Langwierig gestaltete sich das Abstimmungsverfahren in Bern, weil es die Zustimmung aller 16 Gläubigergemeinschaften brauchte. Der Abstimmungsmarathon dauerte gegen vier Stunden. Im Zuge der Veranstaltung äusserten verschiedene Redner ihre Enttäuschung über die finanzielle Situation des Ferienvereins.

Mitverantwortlich für die hohe Zustimmung waren wohl auch die wenig verlockenden Aussichten im Fall eines Neins. Dies hätte den Verlust der Darlehen und Nachlasstundung oder Konkurs bedeutet. Der Vorstand hatte zudem vor hohen Verfahrenskosten gewarnt.

«Überraschend klar»

Die Zustimmung sei «überraschend klar» ausgefallen, erklärte der mit der Sanierung betraute Rechtsanwalt Felix Rutschmann im Anschluss an die Versammlung gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Nun wird das Ergebnis dem Gericht zur Genehmigung unterbreitet. Mit dem - wahrscheinlich positiven - Entscheid wird bis Herbst 2006 gerechnet.

Vorgesehen ist, den Verein in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. «Diese soll dann mit Gewinn arbeiten», erklärte Rutschmann. Diese Aktiengesellschaft startet - nach der Umwandlung der Darlehen - mit einem Aktienkapital von 23,3 Mio. Fr. und einem Agio von 69,8 Mio. Franken. Das Eigenkapital beträgt nach Angaben des Ferienvereins somit 93 Mio. Franken.

Rutschmann wird Mitglied des Verwaltungsrat der neuen Aktiengesellschaft. Der Gründer und Präsident des Ferienvereins, Willi Bähler, steht dem neuen Gremium nicht mehr zur Verfügung, um «einen Neustart von Grund auf zu ermöglichen».

(sda)

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