Starker Franken: Berner Firma plant Massenentlassung
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Starker FrankenBerner Firma plant Massenentlassung

Schlechte Nachrichten für die Angestellten von Daetwyler Industries. Die Chefs des Herstellers von Präzisionsmaschinen planen den Abbau von 55 Jobs.

von
S. Spaeth
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Die stark exportorientierte Schweizer Maschinenindustrie leidet unter dem starken Franken. Betroffen ist auch der Präzisionsmaschinenhersteller Daetwyler.

Die stark exportorientierte Schweizer Maschinenindustrie leidet unter dem starken Franken. Betroffen ist auch der Präzisionsmaschinenhersteller Daetwyler.

Keystone/Gaetan Bally
Daetwyler beschäftigt in der Schweiz rund 330 Angestellte - der grösste Teil davon im oberaargauischen Bleienbach in der Nähe von Langenthal. Nun sollen 55 Mitarbeiter die Kündigung erhalten.

Daetwyler beschäftigt in der Schweiz rund 330 Angestellte - der grösste Teil davon im oberaargauischen Bleienbach in der Nähe von Langenthal. Nun sollen 55 Mitarbeiter die Kündigung erhalten.

Peter Daetwyler / Wikipedia
Die Firma Daetwyler wurde vor rund 70 Jahren als Wartungs- und Entwicklungsfirma für Flugzeuge gegründet. Gross involviert war der heutige Präzisionsmaschinenhersteller im Mirage-Projekt.

Die Firma Daetwyler wurde vor rund 70 Jahren als Wartungs- und Entwicklungsfirma für Flugzeuge gegründet. Gross involviert war der heutige Präzisionsmaschinenhersteller im Mirage-Projekt.

Keystone/Martin Ruetschi

Bei den Mitarbeitern von Daetwyler Industries geht die Angst vor dem blauen Brief um. Der Hersteller von Präzisionsmaschinen aus dem bernischen Bleienbach plant laut Recherchen von 20 Minuten eine Massenentlassung. Betroffen sind gegen 20 Prozent der Belegschaft. Daetwyler beschäftigt in der Schweiz rund 330 Angestellte – der grösste Teil davon im oberaargauischen Bleienbach in der Nähe von Langenthal.

Auf Anfrage von 20 Minuten bestätigt Daetwyler Industries den geplanten Personalabbau: Der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung habe aufgrund der Mittelfristplanung ein Szenario für die Fokussierung des Investitionsgütergeschäfts am Standort Bleienbach erarbeitet. «Dieses Szenario sieht einen Personalabbau am Standort Bleienbach von rund 55 Stellen vor», so Daetwyler-Industries-Finanzchef Simon Gantner. Dass die Massnahme eine Folge der Frankenstärke ist, will Gantner wegen des momentan laufenden Konsultationsverfahrens nicht bestätigen.

Konsultationsverfahren als Alibiübung

Laut Obligationenrecht ist ein Konsultationsverfahren bei einer Massenentlassungen gesetzlich vorgeschrieben. Das ist bei Betrieben mit über 300 Mitarbeitern der Fall, wenn mindestens 30 Kündigungen ausgesprochen werden sollen.

«Die Konsultationsverfahren sind fürs Management oft Alibiübungen. Auf die Vorschläge der Belegschaft wird oft nicht eingetreten», sagt Pepo Hofstetter, Kommunikationsleiter der Gewerkschaft Unia zu 20 Minuten. Immerhin gelinge es den Gewerkschaften oft, für die Entlassenen einen besseren Sozialplan auszuhandeln. Um die Stellung der Arbeitnehmer zu verbessern, braucht es laut Hofstetter dringend eine Stärkung des im internationalen Vergleich schwachen Schweizer Kündigungsschutzes.

Hohe Produktionskosten in der Schweiz

Dass Daetwyler Industries unter dem starken Franken leidet, ist Tatsache. Bereits Ende Juli hatte die Firma den Abbau von 25 Jobs bekannt gegeben. Damals begründete die Firma den Schritt mit den Auswirkungen der Aufgabe des Euro-Mindestkurses von 1.20 Franken durch die Nationalbank. Die Herstellung gewisser Teile liesse sich mit den hohen Schweizer Kosten nicht mehr rechtfertigen. Daetwyler Industries und seine Tochterfirmen stellen unter anderem automatische Biegewerkzeuge für die Automobil- und die Luftfahrtindustrie her.

Die Daetwyler-Gruppe führt neben dem Schweizer Hauptsitz in Bleienbach unter anderem Betriebe in den USA, Russland, China und Indien. Sie beschäftigt insgesamt gegen 1000 Mitarbeiter. Daetwyler wurde vor rund 70 Jahren als Wartungs- und Entwicklungsfirma für Flugzeuge gegründet.

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