Schweizweit einmalig: Berner Firmen sollen Flüchtlinge anstellen
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Schweizweit einmaligBerner Firmen sollen Flüchtlinge anstellen

Privatunternehmen sollen Flüchtlinge anstellen – zu normalen Bedingungen. Der Kanton Bern, die Caritas und Unternehmer starten das schweizweit einmalige Projekt.

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smü/nc
Der Kanton Bern will, dass Private Projekte zur Arbeitsintegration von Flüchtlingen vorfinanzieren. Im Bild: Flüchtlinge als Arbeitskräfte in der Landwirtschaft.

Der Kanton Bern will, dass Private Projekte zur Arbeitsintegration von Flüchtlingen vorfinanzieren. Im Bild: Flüchtlinge als Arbeitskräfte in der Landwirtschaft.

Erstmals in der Schweiz spannen private Geldgeber und der Kanton zusammen, um ein soziales Projekt zu stemmen: Das Pilotprojekt «Social Impact Bond» hat zum Ziel, Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene möglichst rasch und nachhaltig in den Arbeitsmarkt einzugliedern. Ziel ist es, dass die Personen nach fünf Jahren eine unbefristete Stelle zu branchenüblichen Bedingungen haben, etwa in der Gastronomie, der Pflege oder der Kinderbetreuung.

Coach soll Flüchtlinge und Firmen betreuen

Funktionieren soll das Projekt folgendermassen: Private Unternehmen (wie etwa Stiftungen) sprechen Darlehen. Dieses reicht der Kanton der Caritas weiter, die im Rahmen eines Leistungsvertrages die Flüchtlinge an Firmen vermittelt und betreut. Einerseits teilt die Caritas die Personen nach ihrer Vermittelbarkeit in Gruppen ein und setzt einen Coach ein, der den Flüchtling während des fünfjährigen Projekts betreut. Der Coach ist andererseits ebenfalls die Ansprechperson für die Firma und hilft dieser bei der Beschaffung der Arbeitsbewilligung oder bei Arbeitskonflikten.

Pilotprojekt soll Erkenntnisse für Zukunft liefern

120 anerkannte Flüchtlinge oder vorläufig Aufgenommene sollen am Experiment teilnehmen. «60 bis 70 Personen sollen nach fünf Jahren eine unbefristete Anstellung haben oder eine Ausbildung absolviert haben», sagt Claudia Bapst, Geschäftsführerin von Caritas Bern. In absoluten Zahlen möge dies nach eher wenig aussehen, aber: «Aufgrund unserer Erfahrungen ist das Ziel sehr ehrgeizig gesteckt.»

Das Projekt wird wissenschaftlich ausgewertet und dessen Wirkung gemessen. «Daraus leiten wir Erfolgschancen für andere Programme ab», sagte Claudias Bapst von der Caritas. Der Kanton Bern schätzt, dass im Jahr 2015 1200 anerkannte Flüchtlinge leben, dazu kommen 800 Personen die vorläufig aufgenommen werden. Die Zahlen dürften in den kommenden Jahren auf hohem Niveau bleiben.

Geld gibts nur bei Erfolg zurück

Noch werden Arbeitsplätze für die Projektteilnehmer gesucht. «Das Projekt ist ein Anfang. Es gilt auszuprobieren und für die Wirtschaft Anreize für die Beschäftigung von Flüchtlingen zu schaffen», sagte Gesundheits- und Fürsorgedirektor Philippe Perrenoud. Nur wenn Unternehmen bereit seien, Arbeitsplätze für Menschen mit einer schwierigen Ausgangslage bereitzustellen, gelinge die Eingliederung.

Das Pilotprojekt gebe Menschen eine bessere Chance zur beruflichen und finanziellen Selbstständigkeit und helfe bei der Bekämpfung der Armut. «Die Firmen sind aufgerufen, die Integration von Flüchtlingen anzugehen und die gesellschaftliche Entwicklung mitzutragen», führte Peter Stämpfli aus, Präsident der Unternehmerinitiative Fokus Bern, die das Projekt mit angestossen hat. Es gehe um nachhaltige Investitionen in die Zukunft des Kantons.

Das Projekt kostet 2,7 Millionen Franken. Am Schluss wir im Bonus-Malus-System abgerechnet: Erreicht die Caritas die Ziele, bekommen die Geldgeber ihr Darlehen zurück. Werden sie übertroffen, teilt der Kanton Bern seine Einsparungen bei der Sozialhilfe mit der Geldgebern und der Caritas. Werden die Ziele nicht erreicht, müssen die Geldgeber einen Teil ihrer Investitionen abschreiben.

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