Aktualisiert 13.06.2013 22:04

Ab ins All

Berner Forscher arbeiten mit voller Kraft an Satellit

Mit Cheops startet 2017 der erste wissenschaftliche Satellit der Schweiz auf eine Weltraummission. Er soll Monde oder bewohnbare Planeten entdecken. Nun geht die Planungsphase für Cheops in den Endspurt.

von
lua

Der Forschungssatellit Cheops wird quasi als Talentscout unterwegs sein: Durch sein Teleskop sucht er nach Planeten in fremden Sternsystemen. Die Topkandidaten unter den gefundenen Planeten sollen dann in weiteren Missionen genauer untersucht werden. Das Ziel: Einen bewohnbaren Himmelskörper zu finden.

«Essenziell für Leben sind flüssiges Wasser und eine Reihe von Elementen, die eine komplizierte Chemie erlauben. Wir hoffen, ein paar Dutzend Topkandidaten zu finden, die diese Kriterien erfüllen könnten», sagt Willy Benz vom Center for Space and Habitability der Universität Bern. Unter den Funden könnte auch der erste bekannte Exomond sein - also ein Mond eines Planeten in einem fremden Sternsystem.

1000 Sterne beobachten

«Wir realiseren immer mehr, dass Monde auch eine Möglichkeit sein könnten, Leben zu beherbergen», erzählt Benz. Dass es die Exomonde überhaupt gibt, ist bisher lediglich eine Annahme der Wissenschaftler. Cheops wird 2017 ins All geschossen und laut Benz 500 bis 1000 Sterne beobachten.

Die Weltraummission wird möglich, weil die Berner letztes Jahr den Zuschlag der Europäischen Weltraumorganisation ESA erhielten. Diese unterstützt das Projekt Cheops mit 50 Millionen Euro, weitere Teile des Gesamtbudgets von rund 100 Millionen Euro kommen von den den Projektpartnern - so baut etwa Italien auf eigene Rechnung die Linse, der Lichtschutz-Zylinder kommt aus Belgien. Die Schweiz ist verantwortlich für das Instrument als Ganzes sowie die Planung, zudem wird der Satellit als erster überhaupt hierzulande zusammengesetzt. «Wir sind im Endspurt der Entwicklungsphase, jetzt geht es um Punkte wie: Wo soll diese Schraube platziert sein», sagt Benz. Im Februar 2014 soll das finale OK der ESA folgen.

«Eher noch auf den Mars»

«Cheops lebt etwa dreieinhalb Jahre lang, in dieser Zeit wird er schwer beschäftigt sein», so Benz lachend. Die Mission sei eine grosse Chance für die Schweiz und werde auf jeden Fall bedeutenden Entdeckungen für die Wissenschaft liefern. Aber egal wie viele bewohnbare Planeten gefunden werden, wären diese keine Alternative zur Erde: Auch das nächste Sternsystem sei 4,5 Lichtjahre entfernt. «Eine Kolonie wäre eher auf dem Mars machbar», sagt Benz. Dieser ist mit vier Minuten Lichtzeit Entfernung rund 500'000 mal weniger weit weg – für Weltraumverhältnisse ein Katzensprung.

Fehler gefunden?Jetzt melden.