05.06.2014 03:47

Neue Tramachse

Berner Fotomontage gegen Baumrodung

Breitenrain-Bewohner wehren sich gegen die Pläne der Stadt: Diese will eine Baum-Allee für das Tram Region Bern abholzen. Ein Fotograf hat eine Vorher-Nachher-Montage erstellt.

von
Sonja Mühlemann

Der Abstimmungskampf um das Tram Region Bern nimmt langsam an Fahrt auf: Am Donnerstagabend berät sich der Berner Stadtrat zum Ausführungskredit für die neue Tramlinie. Anstelle des Geldes gab aber ein Nebenschauplatz in den vergangenen Monaten am meisten zu reden: die Baum-Allee in der Viktoriastrasse. Für die neue Tramlinie müssten nämlich zwischen dem Viktoriaplatz und der Schönburg 68 der 94 Bäume gefällt werden. Gegen diese Abholzung wehren sich Anwohner seit längerer Zeit.

Einen neuen Weg des Protestes geht nun Adrian Aebi: Der Fotograf und Anwohner der Viktoriastrasse hat eine Vorher-Nachher-Montage erstellt. «Bilder sagen manchmal mehr als tausend Worte», schreibt er dazu. Seine Befürchtung: «Mit den Bäume verschwindet der Charme der Allee und das Singen der Vögel.» Seine Fotomontage zeige die Auswirkungen der Abholzung – bisher seien keine bildlichen Informationen vorhanden gewesen.

Jeder Baum wurde einzeln überprüft

Die Darstellung ist Wasser auf die Mühlen des «Komitees gegen die Tram-Vorlage». Dieses setzte sich aus einem losen Verbund verschiedener Anwohner zusammen. «Die Bäume werden für das Tram geopfert», sagt Hans-Martin Bürki-Spycher, der dem Komitee angehört.

Wegen der vielen Einsprachen – unter anderem der Quartierkommission Dialog Nordquartier – hatte die Stadt im Winter jeden Baum einzeln auf seine Gesundheit überprüft. Das Ergebnis: 37 Bäume müssen für das Tram weichen, 31 weitere müssen gefällt werden, weil sie krank sind. Die Stadt verspricht einen Teil der gefällten Bäume zu ersetzen: «Im Zuge der Bauarbeiten werden neue Bäume gepflanzt, insgesamt werden es dann 115 sein», sagte Stadtgärtner Christoph Schärer an einer Informationsveranstaltung im Februar an der Viktoriastrasse. Man sei sich aber bewusst, dass es 30 bis 35 Jahre dauern werde, bis die Allee an der Viktoriastrasse wieder aussehe wie heute.

Trambefürworter: Gesamtansicht höher als Bäume

Dies reicht den Anwohnern nicht: Bei den Bauarbeiten werden die Wurzeln der Bäume beschädigt, da sie unter der Strasse verlaufen, sagt Hans-Martin Bürki-Spycher vom «Komitee gegen die Tram-Vorlage». Die Vermutung stehe im Raum, dass es sich um eine Alibiübung der Stadt handle, um die Anwohner zu besänftigen. Nach einigen Jahren würden die beschädigten Bäume absterben, befürchtet Bürki-Spycher. «Wir werden die Fotomontage von Adrian Aebi nutzen, um die Leute wachzurütteln.»

Die Befürworter der Tramvorlage wollen sich hingegen nicht auf das Thema Baum-Rodung versteifen: «Für uns steht die Gesamtansicht im Vordergrund», sagt Kathrin Balmer, Mediensprecherin des Vereins «Läbigi Stadt». Es stelle sich der Eindruck ein, dass die Gegner des Tram Region Bern das emotionale Baum-Thema besetzen wollten. «Ein Teil der Tramgegner denkt wohl, das sie in ökologisch eingestellten Kreisen mit der Baum-Rodung Stimmen machen können», sagt Balmer weiter. Dabei würde gerade eine neue Tramachse verhindern,dass der CO2-Ausstoss weiter zunehme.

Abstimmung im September

Für die Stadt Bern kommt eine alternative Tramführung – etwa über den Guisanplatz – und damit die Rettung der Bäume nicht in Frage. Ein Gutachten des ETH-Professors Ulrich Weidmann hat die gewählte Linienführung als richtig beurteilt: «Geeignete Alternativen, die eine vergleichbar hohe Erschliessungs- und Betriebsqualität gewährleisten, sind nicht ersichtlich», kam dieser zum Schluss.

Das Tram Region Bern soll die Buslinie 10 von Köniz über Bern nach Ostermundigen dereinst durch eine Tramlinie ersetzen. Kosten wird das Projekt an die 500 Millionen Franken. Den Grossteil werden Kanton und Bund übernehmen.

Das letzte Wort zum Tram Region Bern wird das Stimmvolk in den Gemeinden Ostermundigen, Bern und Köniz am 28. September haben.

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