Facebook-Gruppe: Berner handeln im Web illegal mit Medikamenten
Aktualisiert

Facebook-GruppeBerner handeln im Web illegal mit Medikamenten

Rezeptpflichtige Medikamente werden via Social Media getauscht. Dieser Secondhand-Handel birgt gesundheitliche Risiken – und ist auch strafbar.

von
Mira Weingartner
Das verschreibungspflichtigen Medikament gegen Malaria wird auf Facebook widerrechtlich weitergegeben.

Das verschreibungspflichtigen Medikament gegen Malaria wird auf Facebook widerrechtlich weitergegeben.

Kein Anbieter

Den Arztbesuch will sich offenbar mancher Reisende ersparen: Auf dem Facebook-Account Medikamente zum Ausleihen/ Weitergeben bieten und suchen User Medikamente. Dort werden etwa Mücken verscheuchendes Antibrumm und Imodium für einen ruhigen Magen zum Tauschen geboten. Aber auch mit rezeptpflichtigen Malariaprophylaxe-Präparaten wird in der Berner Gruppe gehandelt. «Sinn und Zweck ist es, die teuren Medikamente weiterzugeben, anstatt sie im Schrank ablaufen zu lassen», schreibt die Administratorin.

Was eigentlich gut gemeint ist, ist allerdings illegal: «Rezeptpflichtige Medikamente via soziale Medien an andere weiterzugeben ist laut Heilmittelgesetzt ganz klar verboten», sagt Ruth Mosimann vom Schweizerischen Heilmittelinstitut Swissmedic gegenüber Radio Bern 1. Es handle sich dabei um ein abstraktes Gefährdungsdelikt – bei Widerhandlungen drohten Gefängnis oder Bussen bis zu 200'000 Franken, erklärt die Berner Rechtsanwältin Simona Liechti.

Illegaler Tauschhandel ist auch gesundheitsschädlich

Dass Medikamente nur durch Fachpersonen in Apotheken, Arztpraxen oder Spitälern ausgehändigt werden dürfen, habe seine Gründe: «Je nach Zustand könnten die Medikamente gefährlich sein», sagt Mosimann. Weder Herkunft, Verfallsdatum noch Lagerung dürften dem Konsumenten hunderprozentig bekannt sein.

Bedenken haben die Mitglieder der Facebook-Gruppe indes nicht: «Wenn die Medikamente ein bisschen abgelaufen sind, kein Problem», schreibt eine Person, die auf der Suche nach Malarone ist. Ein Angebot für Secondhand-Tabletten gegen Malaria liess nicht lange auf sich warten: «Die Gruppe funktioniert so gut, dass ich bereits eine Zusage bekommen habe», heisst es noch am selben Tag. Die Konsequenzen der Aktion würden verkannt, sagt Rechtsanwältin Liechti. «Das Internet ist öffentlicher Raum – es wäre nicht die erste Gruppe, die dies unterschätzt.»

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