Boosterimpfung – Berner Impfzentrum weist Lehrer ab und wirft Impfdosen weg
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BoosterimpfungBerner Impfzentrum weist Lehrer ab und wirft Impfdosen weg

Ein Walliser Lehrer sagt, dass ihm ein Impfzentrum die Boosterimpfung verweigert und die Impfdosis stattdessen weggeworfen habe. Was ist an der Geschichte dran?

von
Marcel Urech
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Mittlerweile ist der Booster in der Schweiz auch für unter 65-Jährige zugelassen. (Symbolbild)

Mittlerweile ist der Booster in der Schweiz auch für unter 65-Jährige zugelassen. (Symbolbild)

20min/Michael Scherrer
Anfangs gab es die Boosterimpfung nur für über 65-Jährige.

Anfangs gab es die Boosterimpfung nur für über 65-Jährige.

20 Minuten
Im Impfdorf am HB Zürich war die Boosterimpfung schnell ausgebucht.

Im Impfdorf am HB Zürich war die Boosterimpfung schnell ausgebucht.

20min/News-Scout

Darum gehts

  • Ein Lehrer beschwert sich auf Twitter über die Corona-Impfpraxis im Kanton Bern.

  • Die Berner Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion gibt Entwarnung.

  • Der Kanton habe bereits über 52'000 Termine für Impfungen an unter 65-Jährige vergeben.

«Wisst ihr, was mit übrigen Impfdosen in einem Walk-in-Impfzentrum im @kanton_bern geschieht?», fragt der Freidenker Valentin Abgottspon auf Twitter. Die Antwort gibt er gleich selbst: «Sie landen im Müll.» Mit den «übrigen Impfdosen» meint Abgottspon angebrochene Ampullen, die Impfzentren nicht nochmals einfrieren dürfen. Was ist an dem Tweet dran? Die Redaktion wollte es genau wissen und hat bei Gundekar Giebel nachgefragt, der bei der Berner Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion die Kommunikation leitet.

«Ich kann den Ärger verstehen»

Abgottspon sagt, dass er sich spontan habe boostern lassen wollen, da er seine zweite Corona-Impfung am ersten Mai erhalten habe und seither über sechs Monate vergangen seien. Das Impfzentrum habe ihn mit der Begründung abgelehnt, dass die Impfung im Kanton Bern für unter 65-Jährige noch nicht zugelassen sei. Obwohl er vor Ende der Öffnungszeit im Impfzentrum gewesen sei und angeboten habe, 20 Minuten vor der Schliessung des Zentrums wieder zu kommen. «Ich hätte die Dosis niemandem weggenommen», twittert Abgottspon.

«Ich kann den Ärger von Herrn Abgottspon verstehen», erklärt Giebel. Auch die Reaktion des Impfzentrums sei allerdings nachvollziehbar. Bis gestern Abend um 17 Uhr sei eine Verabreichung der Boosterimpfung nämlich nur an Personen möglich gewesen, die über 65 Jahre alt sind. Mit einer Ausnahme: Off-Label-Impfungen (siehe Box). Dieses Verfahren nutzte etwa das Impfzentrum Basel-Stadt, das seinem Gesundheitspersonal auf Wunsch auch dann schon einen Booster verabreichte, wenn es noch nicht 65 Jahre alt war.

Über 51’000 Booster-Impfungen im Kanton Bern

Am 26. November teilte der Kanton Bern mit, die 51’000. Auffrischungsimpfung verabreicht zu haben. Bis Samstag werde ein Drittel der über 65-jährigen Personen die Boosterimpfung erhalten haben. Der Kanton habe über 52'000 Termine für Impfungen an über 65-Jährige vergeben, weitere 15’000 Termine seien «zur sofortigen Buchung» freigegeben. Etwa die Hälfte der Impfungen geschehe ohne vorgängige Terminbuchung.

Dass Corona-Impfdosen im Abfall landen können, sei ebenfalls schon lange bekannt, erklärt Giebel weiter. Der Kanton Bern habe das auch transparent kommuniziert. Und für die Entsorgung der Impfdosen gebe es einen Prozess, den alle Impfzentren einhalten müssen. Restdosen werde es darum immer geben. «Wir schicken niemanden nach Hause im Walk-in», sagt Giebel. «Aber die Impfzentren müssen die Prozesse einhalten.»

Was heisst Off-Label-Use?

Ärztinnen und Ärzte können im Rahmen der Therapiefreiheit Arzneimittel, die in der Schweiz oder in einem Land mit vergleichbaren Arzneimittelkontrollen zugelassen sind, zur Behandlung von Krankheiten verschreiben, auch wenn diese nicht dafür zugelassen sind. Off-Label-Use bedeutet, dass eine medizinische Fachkraft Arzneimittel und Wirkstoffe auch ausserhalb der zugelassenen Indikation anwenden kann.

Das Problem dabei ist, dass die Ärztinnen und Ärzte dann die Verantwortung für die Behandlung tragen und sie ihre Patienten und Patientinnen vor Gericht ziehen können. Die medizinischen Fachkräfte sind dazu verpflichtet, über die Off-Label-Nutzung aufzuklären und Risiken und Nebenwirkungen anzusprechen. Die Patientinnen und Patienten müssen der Behandlung mit den Arzneimitteln vorher zustimmen.

«Wenn zugelasseneMedikamente fehlen, kann ein Off-Label-Use erforderlich sein, beispielsweise im Bereich neuer Krankheiten», schreibt «Swissmedic» dazu auf seiner Website.

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