Krebserregender Stoff : Berner Importeur verkauft giftigen Reis – Produkt-Rückruf bleibt erfolglos

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Krebserregender Stoff Berner Importeur verkauft giftigen Reis – Produkt-Rückruf bleibt erfolglos

Ein Grosshändler aus dem Oberaargau hat mit Schimmelpilzgift versetzten Reis eingeführt und vertrieben. Dafür wurde er per Strafbefehl verurteilt. 

von
Simon Ulrich
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Bei dem importierten roten Reis wurde ein erhöhter Wert von Aflatoxin B1 festgestellt. (Symbolbild) 

Bei dem importierten roten Reis wurde ein erhöhter Wert von Aflatoxin B1 festgestellt. (Symbolbild) 

Getty Images/iStockphoto
Das Schimmelpilzgift gehört zu den am stärksten krebserregenden Stoffen in der Natur. Bild: Kolonie der Schimmelpilzart Aspergillus parasiticus, von dem Aflatoxine unter anderem gebildet werden.

Das Schimmelpilzgift gehört zu den am stärksten krebserregenden Stoffen in der Natur. Bild: Kolonie der Schimmelpilzart Aspergillus parasiticus, von dem Aflatoxine unter anderem gebildet werden.

Medmyco/Wikipedia/CC BY-SA 4.0
Nach Bekanntwerden der Laborergebnisse wurde der bereits verkaufte Reis zurückgerufen. Der Importeur erhielt aber nur einen Bruchteil davon wieder. 

Nach Bekanntwerden der Laborergebnisse wurde der bereits verkaufte Reis zurückgerufen. Der Importeur erhielt aber nur einen Bruchteil davon wieder. 

Wikipedia/Sengai Podhuvan/CC BY-SA 3.0

Darum gehts 

  • Bei einer importierten Reissorte stellte das Kantonale Laboratorium erhöhte Werte von Aflatoxin B1 fest. 

  • Das Schimmelpilzgift zählt zu den am stärksten krebserregenden Stoffen in der Natur. 

  • Von den bereits verkauften Waren konnte nur ein Bruchteil zurückgerufen werden.

  • Der Importeur aus dem Kanton Bern wurde wegen Widerhandlungen gegen das Lebensmittelgesetz verurteilt.

Ein Grosshändler für asiatische Lebensmittel mit Hauptsitz im Kanton Bern ist wegen Widerhandlungen gegen das Lebensmittelgesetz zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt worden. Anlässlich einer Inspektion im Oktober 2021 wurde bei einer importierten Naturreissorte ein erhöhter Gehalt an Aflatoxin B1 nachgewiesen. Das Schimmelpilzgift gehört zu den am stärksten krebserzeugenden Stoffen überhaupt (s. Box). 

Bei der Lebensmittelprobe stellte das Kantonale Laboratorium 3,34 Mikrogramm/kg fest – der gesetzliche Höchstwert in der Schweiz liegt bei zwei Mikrogramm/kg. «Das Produkt stellte somit ein Risiko für die Gesundheit dar», heisst es im Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Emmental-Oberaargau. Der Verantwortliche der Firma habe den roten Wildreis aus Sri Lanka eingeführt, «ohne seiner Pflicht zur Selbstkontrolle nachgekommen zu sein». Die verbleibenden Restbestände mussten folglich entsorgt werden. 

Pandemische Herausforderungen

Verkaufsleiter T.B.*, gegen den sich der Strafbefehl richtet, nahm auf Anfrage von 20 Minuten Stellung zum Fall. Als Importchef des Unternehmens habe er sich während der Corona-Pandemie vor allem mit zwei Herausforderungen konfrontiert gesehen: «Zum einen war es in dieser Zeit schwierig, die Produkte in Sri Lanka und Indien überhaupt zu beschaffen. Zum anderen waren viele Labors geschlossen, weshalb Kontrollen in den Herkunftsländern kaum möglich waren.» Normalerweise würden sämtliche Lebensmittel in den Ausfuhrländern von in der Schweiz anerkannten Labors geprüft. 

Aufgrund der eingeschränkten Verfügbarkeit der Produkte habe der Zwischenhändler in Sri Lanka den Bauern gewechselt. Dieser habe geltend gemacht, ausschliesslich zugelassene Pestizide für die Reispflanzen verwendet zu haben. «Das hat sich im Nachhinein leider als falsch erwiesen», sagt B.

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Nur ein Bruchteil konnte zurückgerufen werden

Als die Laborergebnisse vorlagen, waren von den insgesamt 900 Kilogramm des kontaminierten Reises bereits 264 Kilogramm an asiatische Lebensmittelgeschäfte in der ganzen Schweiz abgegeben worden. Sofort habe man sämtliche Läden kontaktiert und das Produkt zurückgerufen, sagt B. «Leider bekamen wir nur einen Bruchteil der Ware zurück, da das meiste schon verkauft worden war. Und die Endverbraucherinnen und Endverbraucher können wir nicht mehr ausfindig machen.» 

Die Einfuhr des Aflatoxin-verseuchten Reises sei ein Einzelfall in der Geschichte des Familienunternehmens, betont B. Nie sei man zuvor mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Umso mehr habe man eine wichtige Lehre aus der Angelegenheit gezogen: «Solange unsere Kontrollen nicht gewährleistet sind, sind wir künftig bereit, auch über längere Zeit auf ein Produkt zu verzichten. Denselben Fehler werden wir uns nicht noch einmal erlauben.»

Verstärkte Kontrollen an Flughäfen

In der Schweiz gab es in den vergangenen Jahren zahlreiche Produkt-Rückrufe aufgrund von Höchstwertüberschreitungen an Aflatoxin, wie etwa auf dem Portal Produktwarnung.ch ersichtlich ist. Allein im Kanton Bern wurden seit Anfang 2020 zwölf Proben infolge einer Höchstwertüberschreitung an Aflatoxinen beanstandet, wie das Kantonale Laboratorium auf Anfrage schreibt. Betroffen waren etwa Reis, Gewürze, Hartschalenobst oder Ölsaaten.

Seit Oktober 2020 werden risikoreiche pflanzliche Lebensmittel aus Drittländern an den Flughäfen Zürich und Genf verstärkt kontrolliert. Im Hinblick auf die Gefahr durch Aflatoxine steht etwa Reis aus Indien und Pakistan (nicht aber aus Sri Lanka) unter strengerer Beobachtung. Allein durch Kontrollen und Analysen lässt sich die Gefahr der mit Schimmelpilzgiften (Mykotoxine) verseuchten Lebensmittel indes nicht bannen. «Eine gute Herstellungspraxis auf dem Feld, aber auch während der Lagerung ist sehr wichtig, damit Produkte nicht verschimmeln und mit Mykotoxinen belastet werden», schreibt das Kantonale Laboratorium. 

*Initialen geändert

Aflatoxine – krebserregende Schimmelpilzgifte 

Bei Aflatoxinen handelt es sich um Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen, die vor allem in Regionen mit feuchtwarmem Klima Getreide wie Mais und Reis befallen. Sie können bereits bei sehr geringer Konzentration ein gesundheitliches Risiko darstellen. Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ist Aflatoxin B1 die in Lebensmitteln am häufigsten zu findende Art und zählt zu den am stärksten krebserzeugenden Substanzen. Eine langfristige Aufnahme kann Leber- und Nierenschäden hervorrufen. Aflatoxine sind weitgehend hitzestabil und werden deshalb bei der Verarbeitung und Zubereitung kaum zerstört. Die ESFA geht davon aus, dass infolge des Klimawandels Schimmelpilzgifte auch in Europa immer häufiger in Lebensmittel gelangen werden.

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