31.08.2020 13:40

Berner Jura: Unterwegs im Petit Val

Rund um Bellelay im Berner Jura wurde früher um Grenzen gestritten und Religion in unterschiedlichster Form gelebt. Heute entstehen dort neue Ideen.

von
Martin Hoch
31.8.2020

10 Uhr – Hoch zur Architekturperle

Eine architektonisch spannender Bau von Mario Botta.
Turm von Moron

Eine architektonisch spannender Bau von Mario Botta.

Dylan Wickrama

Von Souboz schlängelt sich der Weg in die Höhe, bis der markante, spiralförmige Turm über den Baumwipfeln auftaucht. Danach gilt es nur noch, die 209 Treppenstufen zu überwinden und die Aussicht vom 30,8 Meter hohen Turm von Moron zu geniessen. Erbaut wurde das Werk Mario Bottas von 700 Mau­rer­lehrlingen. Suppe, Hobelkäse und Wurst gibt es im Grat­haus Moron des Schweizer Alpen-Clubs.

13 Uhr – Schnaps aus Enzianwurz

Die drei Herren setzen sich für ihre Kreationen intensiv mit der Flora des Juras auseinander.
Handarbeit

Die drei Herren setzen sich für ihre Kreationen intensiv mit der Flora des Juras auseinander.

Gagygnole
Die Produkte des Familienbetriebs finden Anklang und wurden 2019 im Schweizer Wettbewerb der Regionalprodukte zweifach prämiert.
Drei Brüder

Die Produkte des Familienbetriebs finden Anklang und wurden 2019 im Schweizer Wettbewerb der Regionalprodukte zweifach prämiert.

Gagygnole
Die Brüder bieten auch Rundgänge in ihrer Produktion an. Dabei erklären sie die Produktionstechniken, plaudern über Anekdoten und schenken Hochprozentigen zur Degustation ein. Eine Voranmeldung ist erforderlich.
Degustationen mit Rundgang

Die Brüder bieten auch Rundgänge in ihrer Produktion an. Dabei erklären sie die Produktionstechniken, plaudern über Anekdoten und schenken Hochprozentigen zur Degustation ein. Eine Voranmeldung ist erforderlich.

Gagygnole

Das Wort «Gagygnole» fällt im Berner Jura in der einen oder anderen Bar auf. Dahinter stecken drei Brüder aus Souboz. Sie ver­wandeln Enzianwurz in Schnaps, machen Wodka mit Waldmeister­ge­schmack oder Gin aus Damassine, der im Jura beheimateten Pflaumensorte. Sie nehmen, was der Jura ihnen gibt, und zaubern daraus feinsten Terroir-Alkohol. Dieser schmeckt so gut, dass Gagygnole 2019 im Schweizer Wettbewerb der Regionalprodukte mit Gold und Silber ausgezeichnet wurde. Ein Zwi­schen­stopp bei den dreien lohnt sich – für den Gaumen und das Gemüt.

Der handliche Reiseführer zum Berner Jura präsentiert Tipps und inspiriert.
Berner Jura & Biel

Der handliche Reiseführer zum Berner Jura präsentiert Tipps und inspiriert.

zvg

Dem Berner Jura & Biel hat das Schweizer Reisemagazin «Transhelvetica» einen ganzen Reiseführer gewidmet: mit weiteren Wanderungen sowie kulturellen und kulinarischen Tipps. Auf Deutsch und Französisch erhältlich. Online bestellen: transhelvetica.ch

14 Uhr – Den Kopf des Mönchs schaben

Wer kennt den leckeren Käse nicht? Ab ins Museum und mehr über den «Mönchskopf» erfahren.
Maison de la Tête de Moine

Wer kennt den leckeren Käse nicht? Ab ins Museum und mehr über den «Mönchskopf» erfahren.

Dylan Wickrama

Bereits bevor man Bellelay er­reicht, sticht das hübsche Maison de la Tête de Moine ins Auge. Das Museum lädt dazu ein, die 800-jährige Geschichte des Käses, der für die Mönche einst so wert­voll war wie Münzen, zu entdecken. Der Apéro im Museums-Café hilft zu ver­ste­hen, warum der kleine Käselaib geschabt und nicht geschnitten werden will: Er schmilzt auf der Zunge regelrecht dahin. Das Museum ist von Mittwoch bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

16 Uhr – Ein Besuch der «schönen Sau»

Der Name Bellelay passt so gar nicht zu einem religiösen Gebäude, denn belle laie heisst übersetzt schöne Sau.
Kloster Bellelay

Der Name Bellelay passt so gar nicht zu einem religiösen Gebäude, denn belle laie heisst übersetzt schöne Sau.

Dylan Wickrama
Ein Rundgang durch das Kloster offenbart die kunstvolle Architektur.
Innenräume des Klosters

Ein Rundgang durch das Kloster offenbart die kunstvolle Architektur.

Dylan Wickrama

Das Kloster Bellelay hat eine be­wegte Geschichte, heute wird die Abtei auch mal für Kunstausstellungen genutzt. Ein geführter Rundgang auf Voranmeldung gibt ­einen histo­ri­schen sowie kuriosen Einblick in die Vergangenheit.

18 Uhr – Ein Spaziergang auf dem Lybellenweg

Ein kleines Idyll: Der Étang de la Noz und seine Libellen.
Libellenweg

Ein kleines Idyll: Der Étang de la Noz und seine Libellen.

Dylan Wickrama

Ein paar Vögel zirpen, ansonsten ist es auf dem Libellenweg so still, dass man glaubt, die Flü­gel­schläge der Libellen zu hören, die im Étang de la Noz zu Hause sind. Der Abend­spa­ziergang zum kleinen See führt entlang eines Moors, wo bis 1945 Torf ge­stochen wurde, um ihn zum Heizen zu verwenden.

20 Uhr – Herberge für Frauen und Ungläubige

Seit wenigen Tagen nach einer Renovation wieder offen.
Hôtel de l’Ours

Seit wenigen Tagen nach einer Renovation wieder offen.

Jura bernois Tourisme
Frisch gestrichen, neue Möbel – das Hotel kommt stilvoll daher.
Zimmer

Frisch gestrichen, neue Möbel – das Hotel kommt stilvoll daher.

Jura bernois Tourisme

Das Hôtel de l’Ours wurde 1698 eröffnet und diente damals als Her­berge für Frauen und Ungläubige, die hin­ter den Klostermauern der Abtei Bellelay nicht erwünscht waren. Seit wenigen Tagen erstrahlt das Gebäude nach einer Re­­novation in neuem Glanz. Und freut sich auf jegliche Gäste, ob weibliche Ungläubige oder männliche Pfaffen.

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3 Kommentare
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Dr. Hoffmann

01.09.2020, 05:00

Jetzt ist dass sowieso Zeit für Pilze sammeln, ganz besonders im Jura :-)

Sukram H.

31.08.2020, 14:35

Betr. Aussichtsturm: Seit wann ist eine hundsgwöhnliche Wendeltreppe „architektonisch spannend“? Spannend ist höchstens, dass sie von Lehrlingen gebaut wurde.