28.03.2019 03:49

Schlürfen und Schmusen

Berner Katzencafé soll noch dieses Jahr eröffnen

Das geplante Katzencafé in Bern macht offenbar Fortschritte. Die Behörden geben sich zwar noch bedeckt, räumen aber ein, dass ein Büsi-Kafi unter gewissen Auflagen möglich ist.

von
S. Ulrich
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Kaffee mit Kater: Im Katzentempel ist man von flauschigen Samtpfoten umgeben.

Kaffee mit Kater: Im Katzentempel ist man von flauschigen Samtpfoten umgeben.

Facebook/Katzentempel
Die Gäste dürfen mit den Katzen schmusen und spielen.

Die Gäste dürfen mit den Katzen schmusen und spielen.

Facebook/Katzentempel
Was gibt's Schöneres als ein Nickerchen auf dem Schoss?

Was gibt's Schöneres als ein Nickerchen auf dem Schoss?

Facebook/Katzentempel

Noch Ende letzten Jahres waren die Aussichten für Thomas Leidner nicht allzu rosig: Der Deutsche, der in Bern das erste Schweizer Katzencafé eröffnen will und bei den zuständigen Behörden eine Voranfrage deponierte, erhielt mit Verweis auf die Hygieneverordnung (siehe Box) eine abschlägige Antwort. Gerade bei Katzen lasse sich nicht verhindern, dass sie sich auf den Tischen aufhielten und mit den Speisen in Berührung kommen, sagte Kantonschemiker Otmar Deflorin damals zu 20 Minuten.

Nun ist das Vorhaben einen grossen Schritt vorangekommen. «Wir haben positive Rückmeldung von den Behörden erhalten und können nun endlich mit der konkreten Planung beginnen», sagt Leidner. Wegen der Hygieneverordnung dürfte das Berner Büsi-Kafi leicht von seinem deutschen Vorbild, dem Café Katzentempel, abweichen. «Weil das Servicepersonal nicht mit den Katzen in Berührung kommen darf, müssen die Gäste ihr Essen wohl selber an ihren Platz bringen.» In den Katzentempeln ist die Küche nur via Durchreiche mit dem Café verbunden; die Köche dürfen den Gästeraum und das Servicepersonal die Küche nicht betreten.

Abgetrennte Räume

Da noch keine konkreten Pläne für das Café auf dem Tisch liegen, will Kantonschemiker Otmar Deflorin den bisherigen Austausch mit Leidner nicht kommentieren. Er hält aber fest, dass unter Einhaltung gewisser baulicher Massnahmen ein Katzencafé in Bern möglich sei – etwa, wenn das Lokal aus zwei klar voneinander getrennten Räumlichkeiten bestehe. «Wenn die Gäste ihren Kaffee bestellen und ihn dann in einem separaten Raum mit Katzen trinken, sehe ich kein Problem», sagt Deflorin. Nicht möglich sei jedoch, dass sich auch das Servicepersonal im Raum mit den Tieren aufhalte.

Auch vom Veterinärdienst des Kantons Bern braucht es eine Bewilligung: Diese prüft etwa, ob die Räumlichkeiten gross genug sind und ob es für die Stubentiger genügend Rückzugsmöglichkeiten gibt, heisst es auf Anfrage. Diesen Anforderungen werden die Katzentempel in Deutschland mehr als gerecht: Wird es den Vier- bei den Zweibeinern zu bunt, können sie sich in ein separates Zimmer oder auf einen der zahlreichen Kletterbäume zurückziehen.

Grosse Schweizer Fangemeinde

Für Leidner und seinen Berner Franchisenehmer fängt nun die Suche nach einer geeigneten Immobilie an. «Wir suchen etwas Zentrales mit mindestens 160 Quadratmetern Fläche und einer grosszügigen Fensterfront», so Leidner. Dem Eigentümer würden sich viele Vorteile bieten. «Wir haben ein etabliertes Konzept, verkaufen keinen Alkohol und ziehen ein gebildetes Publikum an.»

Thomas Leidner betreibt das Katzentempel-Stammhaus in München und vergibt Lizenzen an andere Städte. Weitere Standorte des vegetarisch-veganen Cafés gibt es etwa in Nürnberg, Hamburg und Leipzig. Das Konzept: Tierliebhaber und gestresste Grosstädter können zu Kaffee und Kuchen mit Büsis schmusen, die allesamt aus dem Tierschutz stammen. Leidner ist überzeugt: «Das Konzept funktioniert überall auf der Welt – ganz sicher auch in der Schweiz.»

Obschon es hierzulande bisher keinen Ableger gab, habe der Katzentempel Leidner zufolge bereits eine grosse Fangemeinde in der Schweiz. Diese wolle man nun schnellstmöglich beglücken. Leidner: «Wir wollen unser Katzencafé in Bern noch in diesem Jahr eröffnen.»

Hier erhalten Sie Einblick in den Münchner Katzentempel

Deutscher plant erstes Katzencafé der Schweiz

Katzentempel-Gründer Thomas Leidner will in Bern das erste Schweizer Katzencafé eröffnen. Dafür muss er allerdings grosse gesetzliche Hürden meistern.

Katzencafés – ein wachsender Trend

Das Konzept der Katzencafés stammt aus Asien. 1998 eröffnete das allererste Café in Taipeh (Taiwan). Ihre grösste Popularität erlangten die Lokale ab 2004 in Japan: dort soll es mittlerweile über 300 sogenannte Neko-Cafés (japanisch für Katze) geben. Grund für den Boom: Viele Japaner leben in sehr kleinen Wohnungen, wo Haustiere nicht erlaubt sind. Also gehen sie zum Büsi-Schmusen eben ins Café.

Seit einigen Jahren ist der Trend auch in Europa angekommen. Katzencafés finden sich vorwiegend in Grossstädten wie London, Paris oder Wien. In Deutschland gibt es rund zehn Katzencafés. Das erste eröffnete Thomas Leidner 2013 in München – das Café Katzentempel.

Hygieneverordnung

In der Hygieneverordnung des Eidgenössischen Departements für Inneres (EDI) heisst es in Artikel 14: «In Räumen, in denen mit Lebensmitteln umgegangen wird, dürfen Tiere weder gehalten noch mitgeführt werden.» Ausgenommen sind Hunde, die eine behinderte Person begleiten sowie Hunde in Begleitung von Gästen, wenn der Betriebsleiter dies erlaubt. Auch wenn Tiere im Gästeraum «so gehalten werden, dass kein Kontaminationsrisiko besteht», sind sie gestattet. Dies gilt allerdings nur für geschlossene Containments, namentlich Aquarien und Terrarien.

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