Missbräuche: Berner Kirche will nicht länger schweigen

Aktualisiert

MissbräucheBerner Kirche will nicht länger schweigen

Getrübtes Osterfest bei den Berner Katholiken: Noch fast mehr als die Leiden Jesu erschütterten jene der Missbrauchsopfer die Kirchgänger. Sogar in den Gebeten wurden kritische Töne laut.

von
Patrick Marbach
Die Bruder-Klaus-Kirche in Bern.

Die Bruder-Klaus-Kirche in Bern.

«Wir wollen und dürfen nicht mehr schweigen!» rüttelte Co-Dekanatsleiter Karl Graf die ­katholischen Pfarreien der Region Bern auf. In einem Brief bat er alle Mitarbeitenden, das Thema «Sexuelle Ausbeutung in der Seelsorge» über die Ostertage aufzugreifen. Die Gottesdiener stützten ihre Feiertagspredigten auf vorgefertigte Textvorschläge und einen brisanten Gebetsentwurf. Die Fürbitte forderte von den Kirchenoberen eine radikale Umkehr: «Wir bitten dich, Gott, für die Verantwortlichen in der Kirche, dass sie alles unternehmen, damit Unrecht nicht länger vertuscht wird, damit Opfer geschützt und Täter konfrontiert und bestraft werden.»

Diese Offenheit kommt nicht von ungefähr: «Wir haben es mit einer grösseren Austrittswelle zu tun», bedauert Karin Brunner von der römisch-katholischen Landeskirche des Kantons Bern. Die genauen Gründe und Zahlen würden in den nächsten Wochen erhoben. Sie vermutet aber, dass neben dem Missbrauchsskandal auch finanzielle Gründe zu Austritten führen dürften. Mit Merkblättern und einer Hotline bieten die Berner Katholiken allfälligen Missbrauchsopfern Hilfe an. Bisher sind aber keine Verdachtsfälle aus dem Kanton bekannt.

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