Aktualisiert 02.05.2018 14:09

Hindelbank BEBerner KMU verschiebt tonnenschwere Gebäude

Die breitesten Brücken der Welt, ganze Bürogebäude oder ganze 50'000-Tonnen-Stadiondächer: Das alles kann eine Berner Firma anheben oder verschieben. Sie tut das rund um den Globus.

von
rc

Mit dieser Verschiebetechnik lassen sich Gewichte bis zu 100'000 Tonnen verschieben. (Video:CEVA)

Beim Ausbau der Autobahn A6 fanden Bauarbeiter bei der Ausfahrt Muri-Gümligen einen riesigen, tonnenschweren Findling. Dieser behindert die dortigen Bauarbeiten, da er direkt auf dem geplanten Pannenstreifen des Autobahnabschnittes liegt, wie 20 Minuten bereits berichtete.

In solchen Fällen kommt die Schweizer Firma Hebetec Engineering aus Hindelbank BE zum Einsatz. Die Firma spezialisiert sich auf das Heben, Senken und Verschieben von tonnenschweren Lasten.

Fussballstadien und die Bosporusbrücke

Das Unternehmen ist im Ausland bekannter als in der Schweiz: «Wir gehören zu den führenden Heavy-Lifting-Unternehmen der Welt und beteiligen uns zum grössten Teil an internationalen Projekten», sagt Norbert Knoll, Project Manager bei Hebetec Engineering. Die Firma beteiligte sich unter anderem bereits an einigen Prestigeprojekten wie der türkischen Bosporusbrücke, mit der gleich drei Weltrekorde gebrochen wurden als breiteste Brücke, mit den höchsten Pylonen und der längsten Stützweite. Für diesen Einsatz hat Hebetec eigens einen Lift-System entwickelt.

Auch stemmte Hebetec schon mehrere Dächer von Fussballstadien in die Höhe. Diese bis zu 50'000 Tonnen schweren Gebilde werden nämlich am Boden zusammengebaut und erst im letzten Arbeitsschritt in die Höhe gehoben. Zum Beispiel wurde Hebetec herbeigezogen beim Stadion von Red Bull Salzburg in Österreich, beim Athletic-Bilbao-Stadion in Spanien oder beim neuen WM-Stadion von Wolgograd für die WM 2018 in Russland.

Auch verschiebt oder hebt Hebetec ganze Gebäude. Der Bahnhof Chêne-Bourg bei Genf wurde etwa um 33 Meter verschoben. Oder im Deutschen Herzogenaurach hat Hebetec mit 233 Stützen eine 12,500 Tonnen schwere Stahlkonstruktion für ein 50'000 Quadratmeter grosses Bürogebäude um 12 Meter in die Höhe gestemmt.

Hier heben Berner ein 12000-Tonnen-Gebäude an

Die Firma zählt gerade mal 60 Mitarbeiter, ist also ein klassisches KMU. Das Unternehmen gibt es seit 1995 und sei weltweit das beste, wenn es um das Verschieben mit dem APS-System gehe, sagt Knoll. «Wir haben mit unseren Modulen die Kapazität, über 100'000 Tonnen zu verschieben», sagt Norbert Knoll. «Vieles haben wir auch selber erfunden und entwickelt.»

Für Findling brauchen sie 2 Minuten

Doch wie verschiebt Hebetec nun den Findling an der A6? Er ist nämlich mit bis zu 400 Tonnen fast viermal schwerer als bisher angenommen.

Deshalb werden hydraulische Pumpen zum Einsatz kommen. Den Findling um zwei Meter zu verschieben, sei ein kleineres Projekt für Hebetec, so Knoll: «Nach dem Aufbau des Schwerlastgerüstes haben wir den Findling innert wenigen Minuten verschoben.» Die Firma sei aber trotzdem stolz, auch in der Region gefragt zu sein. «Und diesmal müssen wir unser Material nicht sechs Wochen nach Korea verschiffen, sondern können es bequem nach Muri fahren, dass dauert lediglich 20 Minuten.»

Wie funktioniert ein APS-System?

Beim Findling setzt Hebetec Engineering vier APS-Module ein, dass aus einem Hydraulikzylinder und einer Tragplatte mit einem speziell integriertem Gummiring besteht. Zuerst wird die Last über hydraulischen Öldruck angehoben. In einem zweiten Schritt wird die darunterliegende Tragplatte mit Stickstoff oder Luft befüllt. Dadurch erreicht man Reibungswerte von unter 1 Prozent. Nun kann die Last mittels Langhubzylindern verschoben werden. Zusätzlich kann Hebetec Engineering den Findling mit dem Schwerlastgerüst und vier Litzenhebern um einen Meter zusätzlich anheben und erreichen damit einen Gesamthub von zirka 1,4 Metern.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.