Unförmig und zu klein: Berner Landwirt bleibt auf fast einer halben Tonne Erdbeeren sitzen 
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Unförmig und zu kleinBerner Landwirt bleibt auf fast einer halben Tonne Erdbeeren sitzen 

Ein Bauer aus dem Emmental konnte seine Erdbeeren nicht loswerden, weil diese die Standards der Detailhändler nicht erfüllen. Doch es gibt eine Lösung. 

von
Dominique Dussling
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Rund eine halbe Tonne Erdbeeren suchen Abnehmerinnen und Abnehmer.

Rund eine halbe Tonne Erdbeeren suchen Abnehmerinnen und Abnehmer.

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Erhältlich sind sie bei Frischer Fritz aus Thun. 

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Der Kilopreis beträgt sieben Franken. 

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Darum geht es:

Landwirt Bruno Spycher aus Hasle bei Burgdorf bleibt auf einem Drittel seiner Erdbeeren sitzen – sie entsprechen nicht den Normen des Detailhandels. Erdbeeren zu pflücken, die sich anschliessend nicht verkaufen lassen, sei zu teuer, da sie mühsam per Hand geerntet werden müssten, erklärt Spycher: «Wir müssen sie entweder wegwerfen oder auf dem Feld verfaulen lassen.» 

Die Bauern seien unter Druck, weil Import-Früchte aus dem Ausland die Nachfrage schmälerten, sagt der Emmentaler. Die Detailhändler bestünden auf Erdbeeren, die mindestens eine Woche haltbar seien – das sei nicht immer so gewesen: «Vor zwanzig Jahren kamen die Erdbeeren gleich am nächsten Tag in den Laden, heute dauert es drei bis vier Tage», so Spycher. Nicht normgetreue Früchte seien jedoch schwieriger zu lagern – und würden deshalb zu Foodwaste.

«Es ist eine Win-Win-Situation»

Nun aber erhält der Landwirt Unterstützung: Der Verein Frischer Fritz , der gegen das Wegwerfen von Lebensmitteln kämpft, hat ihm fast eine halbe Tonne Erdbeeren abgenommen «Es ist eine Win-Win-Situation», sagt Spycher. Frischer-Fritz-Chefin Sandra Kissling konnte ihn überzeugen, die für den Detailhandel uninteressanten Beeren trotzdem zu ernten und sie durch ihr Geschäft vertreiben zu lassen. «Ich musste ihm versprechen, dass die entstandenen Aufwendungen durch den Verkauf der Beeren gedeckt werden», sagt Kissling. Die Kooperation lohne sich, auch wenn er keinen monetären Gewinn erziele, sagt Spycher: «So verfault mir nichts auf dem Feld und die Erdbeerstauden bleiben sauber.» 

«Die Erdbeeren sind absolut in Ordnung», sagt Kissling. Sie würden sich nur optisch von jenen im Supermarkt unterscheiden. Um die halbe Tonne Erdbeeren an den Mann und die Frau zu bringen, bleibe nicht viel Zeit, denn die süsse Ware sei nur wenige Tage haltbar: «Jeden Morgen kommen neue Erdbeeren und wir hoffen, dass die Leute zugreifen.»

Food-Waste ein Randphänomen?

Laut dem Schweizer Obstverbandes ist Foodwaste hierzulande im Erdbeeranbau ein Randphänomen. «Die unverkäufliche Ware beträgt maximal zwölf Prozent, der Sortierabgang fünf Prozent», schreibt Sprecherin Beatrice Rüttimann. Aus Hygienegründen sei es nicht praktikabel, Beeren auf dem Feld verfallen zu lassen. Alle professionell bewirtschafteten Obst- und Beerenkulturen werden laut Rüttimann vollständig geerntet, auch im Falle einer Sättigung des Marktes.

Zahlen zur Schweizer Erdbeerernte 

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